Jesus Christus: 'Himmelsgaben', Band 3, S. 431


Kapitelinhalt Des Kaisers Flucht aus Wien (21.05.1848)

(Abreise des Kaisers nach Innsbruck am 17. Mai 1848. Kaiser Ferdinand I. (1793 - 1875) folgte am 2. März 1835 seinem Vater, Franz 1., in der Regierung. Als am 13. März 1848 in Wien die Revolution ausbrach, floh er am 17. Mai 1848 nach Innsbruck und später nach Olmütz, wo er am 2. Dezember 1848 zugunsten seines Neffen Franz Joseph abdankte. Ferdinand zog sich nach dem erzwungenen Thronwechsel auf den Prager Hradschin zurück, wo er seinen botanischen, heraldischen und technologischen Neigungen lebte. d. Hg.)

   00] O Herr, Du liebevollster Vater! Wir bitten Dich, gib uns nach Deinem alleinigen Wohlgefallen und allerheiligsten Willen irgend eine Kunde, was wir von der geheimen Abreise unseres Kaisers aus der Residenzstadt Wien, vorgeblich nach Innsbruck in Tirol, zu halten haben und was davon zu erwarten. - So es Dein heiliger Wille, da gib uns einige Winke! - -

   01] So schreibe! Habt ihr denn nicht in einer früheren Kundgabe (vom 04.04.1848 'gefahrvolle Lage', d.Hg.) gelesen, da Ich euch zum voraus erklärt und gezeigt habe, daß die Kaiserstadt freigegeben wird wegen ihres tollen Treibens? Sehet, nun ist das über sie gekommen, was über sie gesagt wurde. - Die nächstkünftige Zeit dieser Stadt wird die Früchte in schwerer Menge aufzuweisen haben, die ihr diese wahre Vogelfreiheit erzeugen wird.
   02] Ich sage euch, diese Stadt will keinen Kaiser, der über sie herrschen solle; denn herrschen will nun die Stadt selbst. Sie will bloß einen Kaiser des Glanzes und der Habsucht wegen und einen Kaiser, der künftighin fast keine Steuern verlangen soll, sondern aus höchsteigenen Mitteln alle Staatsbedürfnisse decken möchte und daneben als Kaiser mit dem glänzendsten Hofstaate jährlich nur in Wien und sonst nirgends wenigstens fünfzig Millionen verzehrte, wofür ihm dann bei verschiedenen Gelegenheiten papierne Triumphbogen und mehrere Schusterbubenvivats zuteil würden nebst mehreren patriotisch klingenden Gedichten. - So ein Kaiser wäre den Wienern wohl am meisten erwünscht.
   03] Da sie eben aus diesem Kaiser einen solchen machen wollten, der nichts mehr zu reden hätte, sondern nur zu gehorchen dem souveränen Volke, - so tat der Kaiser recht, daß er sich aus dem Staube machte, da er zu einer Null herabgemacht wurde! Dieses übermütige Wienervolk muß ein Gericht bestehen und in eine große Not versinken, sonst wird sein Geist nie zu einem folgerechten Gemeinwirken sich erheben.


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