Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 3, Seite 045


   04] (16) Allein sie hatte den festen Entschluß gefaßt, in ihrer frommen Einfalt ihres Herzens eher zu sterben, als ihn in seiner Hurerei zu unterstützen. (17) Deshalb hat er sie auch bis in die Mitte der Nacht gewürgt, allwann sie unter vielen Schmerzen sich Mir anbefehlend ihren Geist aushauchte.
   05] (18) Als er nun sah, daß sie wirklich tot war, (19) so erschrak er, daß er auf eine Zeitlang seine Besinnung verlor. (20) Endlich aber faßte er aus Furcht vor dem Gericht den pfiffigen Entschluß: (21) nahm Licht, Krampe und Schaufel, (22) machte eine 5 Schuh tiefe Grube, (23) warf sie hinein, wie sie angezogen war, (24) und verschonte sie daselbst, (25) und zwar das alles gerade unter der Weinpresse, (26) da am wenigsten jemand hingelangen konnte. (27) Seinen Bekannten aber log und erzählte er trauernd vor, daß ihm sein Weib abhanden gekommen sei.
   06] (28) Es wurden wohl auch von dem damals sehr lauen Gerichte nur auf sein Begehren hie und da briefliche Nachforschungen angestellt; (29) allein die Tote war unter den Sterblichen freilich nicht mehr ausfindig zu machen. (30) Und diese Tat hat zu dieser Zeit um so leichter können verheimlicht werden, (31) da man, wie ihr zu sagen pflegt, ohnedies in diesem Lande nicht recht gewußt hatte, wer der Herr oder der Diener, oder wer der Koch oder der Kellner ist.
   07] (32) Nun da habt ihr auch diese Begebenheit. (33) Jedoch was die Namen dieser Personen betrifft, daran soll euch wenig gelegen sein; (34) denn in Meinem Buche ist alles aufgezeichnet, (35) und auch der Flügel einer Mücke geht ewig nicht verloren. Amen. Ich die ewige Weisheit Amen.
   08] Notabene. Diese Zeilen enthalten Großes; aber sie sind hart zu kauen. Darum sparet eure Zähne - und übereilt euch nicht an dieser Nuß - nur noch eine kleine Zeit, bis die Zähne stark werden. Amen. Ich die ewige Weisheit amen, amen, amen.


Kapitelinhalt Erklärung der Parabel (24. August 1840)

   01 ff] (1) Notabene besagt - Merke wohl; wenn Ich nun sage: notabene, so will Ich dadurch nicht die Aufmerksamkeit auf irgend ein lange verübtes Verbrechen von euch leiten, sondern nur die Gelegenheit und die Ähnlichkeit eines solchen auf euch mitzend anwenden. - Untat zeigt hier euer erstes Weltleben, welches große wohlbezügliche Ähnlichkeit hat auf euren Geist. Hier besagt eure doppelte Gegenwart, nämlich naturmäßig und geistig; - 30 Jahre bezeichnen einen zurechnungsfähigen Zustand eurer Seele, der das Tor des Lebens wie das des Todes geöffnet wird, welches besteht in der Erkenntnis von Gut und Wahr und Böse und Falsch. Verübt bezeichnet, Falsches in sich aufnehmen und daraus schlecht handeln; - die halbvergangene Zeit besagt, daß ihr noch nicht in der Ordnung seid.


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