Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 2


Nochmals: Kaiser und Gott (10.06.1849)

   01]Als Mich die Pharisäer durch ihre und durch die von Herodes an Mich in den Tempel gesandten Diener mit allerlei verfänglichen Fragen fangen wollten, um einen Grund zu Meiner Gefangennehmung zu bekommen, da fragten Mich eben diese pfiffigen Apostel, ob es recht wäre, daß die Juden an den Kaiser nach Rom, trotzdem sie ohnehin dem Landespächter Herodes einen kaum erschwinglichen Tribut zahlen mußten, auch den verlangten Zins zahleten; denn der Kaiser habe ja ohnehin vom Herodes den ganzen Landestribut zu erheben, wofür dem Herodes dann das Recht eingeräumt sei, das Land nach seiner Willkür zu besteuern und Erpressungen zu bewerkstelligen, die den Juden kaum den Bettelstab übriglassen. Dazu komme nun noch der Kaiser selbst und verlange einen eigenen Zins!
   02] Deshalb handle es sich nun darum, daß Ich, als der bezeichnete Messias, es endlich bestimme, ob man dem Kaiser noch den außerordentlichen Zins zahlen solle oder nicht. - Die Frage war somit im Ernste eine sehr verfängliche, da der Kaiser, der dem Herodes alle Rechte gegen einen großen Pachtzins abgetreten hatte, nun auch mit einer außerordentlichen, aber freilich rechtlichen Zinssteuer zum Vorscheine kam.
   03] Jedem, der alle Verhältnisse nicht Mir gleich durchschauen konnte, die da zwischen den Juden, dem Pächter Herodes und dem Kaiser bestanden, wäre da eine rechte Antwort, um sich nicht ein- oder anderseits verfänglich zu machen, sicher im Halse stecken geblieben. Aber das konnte bei Mir nicht der Fall sein, da Ich alle die Verhältnisse nun zu klar kannte, die da in Meiner irdischen Zeit zwischen Volk und Kaiser sowohl im geheimen, als auch zwischen dem Pächter und Kaiser und Volk offenkundig bestanden.
   04] Der Pächter Herodes hatte unter vielen Rechten auch das, Geld unter seinem Namen und Bilde zu prägen. Das Geld war damals, wie nun, ein Tauschmittel; und alle Geschäftsleute, alle Händler und Wechsler gebrauchten dasselbe als eine »conditio sine qua non« (als ein Unumgängliches). Um aber dieses Tauschmittels habhaft zu werden, mußten sie es entweder gegen rohes Metall oder gegen andere Stoffe guter und edler Art in der Herodianischen Münze kaufen, in welchem Falle sie dann auf fünfzig Jahre vollkommen Eigentümer des Herodischen Geldes wurden.


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