Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 2


   03] Wirst du aber nicht gut und genau erfüllen, was dir deine gegenwärtigen Studierpflichten zu erfüllen auferlegen, und wirst also nicht fleißig reinigen deinen Lebens- und Erkenntnisbaum von der äußersten, toten Rinde, vom Moose und von den Raupennestern, darunter verstanden werden die eigenen Geister der Trägheit - da wird dann der Kern deines Baumes schwach und matt verbleiben, und du wirst kein Auserwählter werden und verbleiben, sondern bloß nur ein ganz einfach Berufener, wie es deren gar viele Tausende gibt.
   04] Siehe, wenn im Winter ein Brunnen stark gefroren ist, so muß die Eisdecke zuerst durchgebrochen werden, ehe man zum Wasser gelangen kann. Ebenso mußt auch du zuerst durch einen rechten Fleiß das Eis deines Verstandes durchbrechen. Dann erst muß es sich zeigen, ob dein inneres Lebenswasser entweder zum Kochen oder allein zum Waschen der schmutzigen Wäsche taugt. - Das Kochwasser ist ein »Erwähltes«, und das Waschwasser ein »Berufenes«. - Schaue demnach, daß du ein »Kochwasser« wirst!
   05] Es gibt aber noch gar vieles Wasser, das da weder zum Kochen noch zum Waschen taugt, sondern allein zum Tragen großer Lasten und zur Aufnahme alles Weltunflates, wie exempli gratia (zum Beispiel) das Meerwasser. Daher schaue ja und sieh dich gut vor, daß sich in deinem Lebensbrunnen nicht ein »Meerwasser« ansammle! Denn das ist vorderhand weder berufen und noch weniger erwählt, sondern allein nur gerichtet.
   06] So viel es dir nun vonnöten ist, deinen angeführten Text zu verstehen, habe Ich dir jetzt zu verstehen gegeben. Wenn du aber reifer wirst, dann wirst du eine reifere Erläuterung erhalten. - Das also zu deiner Darnachachtung! Amen.

Einem Gottesliebling zum Namenstag (18.02.1849)

   01] Meine kleine »Martha« (gemeint ist Julie Hüttenbrenner mit dem Beinamen Martha)! - Nicht deine irdische Mutter, die allerseligst bei Mir, sondern Ich Selbst, als dein liebevollster Vater aus allen Himmeln, gratuliere dir ausnahmsweise zu deinem Namenstage, und das darum, weil du Mich lieb hast mehr denn deine Geschwister und mehr als dein irdischer Vater, der Mich wohl viel besser kennt als du Meine liebe kleine Martha, aber sein Herz ist dem Meinen bei weitem nicht so nahe wie das deinige. Denn er läßt sein Herz nun zu sehr von allerlei weltlichen Eindrücken hin und her lenken, auf daß es dann ja nicht zu jener gemessenen Ruhe gelangen kann, in der allein Meine wahre Liebe im selben auch die wahren Lebenswurzeln schlagen kann.


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