Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 2


   07] Durch diesen puren Gnadenakt der Händeauflegung ohne vorhergehende Anspützung wurde der Blinde erst völlig hergestellt. - Als er aber also hergestellt war, da sprach Ich zu ihm: »Gehe nun in dein Haus«, d.h. in das Haus deines Geistes, deines inneren Lebens. Wenn du aber in den Flecken gehest, d.h. wenn du in der Welt etwas zu tun hast, so lasse sie es nicht merken, daß du von Mir aus sie nun in ihrem wahren Höllenlichte beschauest, auf daß du Ruhe habest vor ihr und sie dir kein Leid zufügen könne. Dies besagt das freundliche Verbot: »und sage es niemand, sondern behalte es in dir!« Denn die Zeit der Ausbreitung Meines Reiches in der Welt ist noch nicht da, darum, weil die (Erden-) Welt noch immer »Welt« ist und (die »Welt«) solches in sich bleiben wird ewig!
   08] Siehe nun, also ist dieses evangelische Faktum zu verstehen und läßt eine andere Deutung nicht zu, außer eine rein himmlische, darnach der Weltblinde die Seele des Menschen, der Flecken Bethsaida sein Leib und das Haus des Weltblinden sein eigener Geist ist, und zwar unter entsprechenden gleichen Verhältnissen.
   09] Da Ich dir nun aber dies gewichtige Bild enthüllt habe, so verstehe es auch also tatsächlich! Denn du weißt es, daß das Wissen allein niemand etwas nützt, sondern lediglich das Tun. Also tue du zuerst darnach stets gleichfort wie bis jetzt. Denn siehe, noch ist die Welt stetsfort gleich dem Flecken Bethsaida. Daher enthalte sich jeder in allem von ihr und lasse es sie nicht merken, daß er sie kennt in ihrer wahren Gestalt, auf daß er von ihr keinen Schaden bekomme, weder leiblich und noch viel weniger geistig! Das sage Ich, der wahre Augenarzt, dir für ewig! Amen.

Von den Politikern (im Sinne unredlicher Geschäftemacher) (23.07.1847)

   01] Also schreibe auch du heute etwas Humoristisches, aber es versteht sich von selbst: in re vera (im Sinne unredlicher politischer Geschäftemacher)!
   02] Politik ist eine Hülle, durch welche sich selbst am meisten berücksichtigende Menschen so manche Unternehmungsaktionen zu ihrem eigenen Besten so viel als möglich zu verbergen suchen, weil sonst bei deren Bloßheit denn doch ein der Wahrheit und Rechtlichkeit beflissener Menschenfreund sich die Freiheit nehmen könnte, so einen industrieösen Sichselbstliebhaber zu fragen: Qied agis, amice (Was treibst du Freund)? - und, so der Gefragte keine Antwort gäbe, der Menschenfreund ihn dann wie einst Kisehel den Lamech (s. »Haushaltung Gottes, Band 2.Kap.179 jl.HaG2.179) beim Schopf nehmen könnte, welches Begebnis dem politischen Sichselbstliebhaber freilich etwas unangenehmer sein könnte, als so er ganz fein politischerweise oder fast ganz inkognito jemandem einige Scheffel Goldstücke herauszupraktizieren vermöchte.


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