Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 2


Von der Weisheit und der Güte Gottes - eine Gleichnisgeschichte (01.06.1847)

   01]Es war ein Hausherr, der hatte einen großen Garten, darin viele und verschiedene Obstbäume standen. Unter diesen waren einige, die ein frühreifes Obst trugen, andere wieder trugen ein etwas später reifendes und wieder andere trugen ein noch späteres. Und endlich waren auch Bäume da, die ihre Frucht nur sehr spät zur mäßigen Reife brachten, und diese mußte darum den halben Winter abliegen, bis sie genießbar war.
   02] Dieser Hausherr hatte aber auch viele Diener und mehrere Kinder. Die Kinder und die Diener aber hielt er gleich und sandte sie fleißig in den großen Garten, zu warten die Bäume und zu sehen, wie die Früchte stehen und ob sich hie und da etwas Reifes zeige?
   03] Die Kinder und Diener erfüllten genau des Hausvaters Willen. Und als sie auf den Frühbäumen etliches reife Obst entdeckten, da rannten sie eilends und voll Freude zum Hausvater und zeigten ihm solches an.
   04] Da ging der Hausvater hinaus und besah die etlichen, schon sehr früh reif gewordenen Früchte der Frühbäume und gebot den Dienern, sie herabzunehmen und sie den Kindern, die sich schon sehr darauf freuten, zu geben.
   05] Und die Diener taten nach dem Worte des Hausvaters. - Als aber die Kinder dieses Erstlingsobst der Frühbäume verkosteten, da machten sie ganz saure und wässerige Gesichter und sprachen zum Vater: »Wahrlich, mit dieser Frucht ist unsere Mühe nicht belohnt! Das Obst sieht wohl recht herrlich und schön aus, aber hier trügt der Schein.«
   06] Und der Hausvater sprach: »So laßt dieses Obst und wartet noch einige Tage, bis die Glut der Sonne es mehr würzen wird! Dann wird es schon wohlschmeckender sein. Denn wir wissen es ja schon seit lange her, daß allenthalben die Erstlinge nicht viel heißen (nütze sind).«
   07] Und Diener und Kinder gaben sich mit diesem Bescheide zufrieden und verließen mit dem Hausvater den Garten. - Nach einigen Tagen aber kehrten sie wieder in den Garten zurück und fanden schon eine Menge wohlreifes Frühobst und gingen und zeigten solches dem Hausvater an. - Und dieser ging sogleich mit ihnen hinaus in den Garten, besah das Obst und sprach zu den Dienern: »Nun geht und holet allerlei Körbe ob der verschiedenen Gattungen, daß sie nicht vermengt werden! Und löst alles Vollreife herab, auf daß wir dann eine rechte Mahlzeit halten!«


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