Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 2


   04] Da sage Ich: Das tut Meine Barmherzigkeit allezeit vor einem allgemeinen Übel der Welt, welches sich allezeit die dummen Menschen selbst bereiten infolge ihrer großen Unkenntnis in allen Dingen der Welt! Bei und vor jedem Unglücke werden die Menschen allzeit durch außerordentliche Vorerscheinungen gemahnt, den Ort zu verlassen und sich traulich unter Meinen Schutz zu begeben, wo ihnen gewiß nichts von einem Leide zustoßen würde.

Der reiche Fürst - ein Gleichnis zur Frage der Vorexistenz (15.08.1844)

   00] Frage Ans. Hüttenbrenners: »O Herr, hatte ich schon irgendwo ein Dasein? - Dachte, fühlte und handelte ich nicht schon, ehe mich meine Mutter empfing?«
   01] Höre du, Mein lieber Freund A.H.-W., ihr sagt öfter: »Das ist eine kitzliche Frage!« - Und siehe, also muß da auch Ich zu dir sagen: Das ist eine sehr kitzliche Frage!
   02] Ein Ja, ein Nein, beides wäre hier gleich, denn du möchtest das eine so gut wie das andere glauben, da dir in diesem deinem irdischen Zustande durchaus weder für noch gegen (solche Annahme) irgendein einleuchtender Beweis gegeben werden kann und in Rücksicht auf dein freies geistiges Wohl auch nicht gegeben werden darf!
   03] Ich aber werde dir dafür ein Bild geben! - So du Weisheit besitzest, da wirst du vieles daraus entnehmen können! - Und so höre denn:
   04] Siehe, es war irgendein großer Fürst, dieser hatte ein überreiches Land an Gold, Silber, Edelsteinen, Äckern, Wiesen, Tieren und Wäldern von der besten Art. Und dieses Land hatte auch eine gerechte Bevölkerung.
   05] Daneben aber war ein anderer Fürst, dessen Land bei weitem ärmer war an allen angezeigten Schätzen. Und so gab es noch eine Menge kleinerer Fürstentümer rings umher, und alle waren an allem dem um sehr vieles ärmer als das Land des einen reichen Fürsten.
   06] Dieser Fürst aber achtete seiner Schätze nicht, so groß sie auch waren, sondern sein Augenmerk war stets auf die Güter der viel ärmeren Fürsten gerichtet und darauf, wie er solcher habhaft werden könnte!
   07] Mitten unter diesen Fürsten lebte ein überaus weiser Mann, der nichts als seine hohe Weisheit besaß. Aber er war dennoch darum der Reichste unter allen, denn ohne seinen Rat getraute sich keiner der Fürsten etwas zu tun.


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