Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 2


   08] Darum aber heißt es denn auch: Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt!
   09] Siehe, also geht es mit alledem, was des Geistes ist! Ich sage dir: Da ist das Sehen und Hören zu wenig! Dem Künstler genügt das wohl zu seiner Stärkung, aber der Laie wird (für sein eigenes Können) in einem Konzerte wenig ernten!
   10] Und also ist es auch mit Meinen Gaben! Sie müssen nicht nur gelesen, sondern werktätig geübt werden! Dann werden sie dem Leser und Hörer erst den wahren lebendigen Nutzen bringen.
   11] Übe du dich daher nur fleißig in der lebendigen Liebe zu Mir und werde darin eine wahre Virtuosin, so wirst du dann erst lebendig in dir erschauen, wie groß jede Meiner Gaben ist für ewig!
   12] Das ist Mein Wunsch an dich, Mein Töchterlein! Befolge ihn lebendig, so wirst du leben ewig! Amen.

Geben ist seliger als Nehmen (06.07.1844)

   00] O Herr! Als Dein Paulus eine Abschiedsrede zu Miletus hielt, da sagte er zu den Ältesten, man müsse eingedenkt sein des Wortes des Herr Jesu: »Seliger ist Geben als Nehmen.« (Apgsch. 20,35)
Da nun dieses überherrliche Wort in den vier Evangelien nicht vorkommt, so bitte ich Dich, Du allerliebevollster Herr, daß Du uns kundgeben möchtest, bei welcher Gelegenheit Du dies himmlische Vaterwort ausgesprochen hast!
   01] (Jesus:) »Mein lieber A.H.-W.! Wie magst du fragen darum? - Das muß dir ja doch klar sein, daß Ich im Verlaufe von dreiunddreißig Jahren sicher mehr werde geredet haben, als da enthalten ist in den vier Evangelien! - Also kann Paulus gar wohl igendein Wörtlein von Mir genommen haben, das Ich geredet habe, obgleich es nicht in den vier Evangelien zu finden ist, wohl aber in Taten und Gleichnissen.
   02] Damit du aber dennoch deine Wißbegierde befriedigest, so wisse, daß dies Sätzlein mein gewöhnlicher Wahlspruch war, der einer jeden Handlung wie auch so mancher Rede voranging. Daher kann Ich dir hier auch nicht irgendeine bestimmte Gelegenheit anzeigen, bei der ein solches Sätzlein eigens wäre ausgesprochen worden. Denn bei Mir war ja alles, was Ich sprach und tat, eine reichlichste Gabe an die Menschen. Daher ging auch dieses Sprüchlein allezeit voran. Und die Evangelisten nahmen es eben darum nicht (in ihren Bericht), weil es ihnen zu alltäglich aus Meinem Munde war!


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