Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 358. Kapitel: Näheres über die große Sündflut. Winke zum Verständnis diesbezüglicher Schrifttexte. Die Örtlichkeit der Flut. (30.08.1844)

   01] Warum ward denn hier gesagt, die a Flut ergoß sich dahin und dorthin? Regnete es denn nicht auf der ganzen Erde? Und war die Flut nicht überall von gleicher Stärke? (a 1. Mose.08,03)
   02] Da sage Ich: Die Flut ergoß sich dahin und dorthin, weil es nicht über die ganze Erde geregnet hatte und daher die Flut auch nicht von gleicher Stärke sein konnte, - und das darum, weil es nicht überall regnen konnte und die Flut auch nicht überall vonnöten war.
   03] Hätte es wohl in den überkalten Polargegenden regnen können, wo sogar die Luft gefriert?! Und wozu wäre der vierzigtägige Regen in jenen Gegenden gut gewesen, wo noch kein Mensch wohnte und auch wenig oder gar kein Getier?! Oder was hätte der Regen über dem Weltmeere bewirken sollen? Etwa die Fische ersäufen? Und endlich, wenn das natürliche Flutgewässer auf der ganzen Erde über jedem Punkte gleich eine Höhe von dreitausend Klaftern erreicht hätte, wohin hätte es dann wohl abfließen und sich verlaufen sollen?!
   04] Man könnte wohl sagen: Es hat sich verdunstet zum Teile und ist zum Teile von der Erde eingesogen worden!
   05] Wenn das aber zur Verminderung solch eines Gewässers genügte im Verlaufe von einem Jahre, da wäre das Weltmeer schon lange bis auf den letzten Tropfen von der Erde verschwunden, da es doch nicht einmal den zehntausendsten Teil jener Wassermasse ausmacht, so die ganze Erde eine Wassererhöhung von beinahe viertausend Klaftern erhielte!
   06] Zudem geht durch das Verdunsten nichts verloren; denn das verdunstete Wasser sammelt sich ja wieder in den Wolken und fällt allzeit wieder in einem gleichen Quantum zur Erde zurück. Der gleiche Fall ist es aber auch mit dem eingesogenen Wasser in die Poren der Erde; es sammelt sich da das eingesogene Wasser in den gewissen Behältern und tritt dann teils durch Nebel und teils durch periodische Quellen auf die Erdoberfläche.
   07] Aus diesem Grunde stünde dann eine solche allenthalben gleich hohe Flut Noahs noch heutzutage in derselben Höhe, als wie da das gesamte Meer noch bis zur Stunde mit wenigen örtlichen Variationen dasselbe ist, wie es zu Adams Zeiten war.
   08] Darum war die Flut wohl nur dort in ihrem verderblichen Auftritte, wo die arge Menschheit zu Hause war, und bedeckte da besonders Mittelasien wohl auf eine Höhe von viertausend Klaftern über dem Meeresspiegel, von wo aus sie sich dann wohl sehr weit und breit hin nach allen Seiten ergoß!
   09] Wenn es aber in der Schrift auch heißt: a »Über alle Berge der Erde, und außer, was die Arche trug, blieb nichts Lebendiges auf dem Erdboden!", - so muß das nicht wörtlich auf die Naturerde selbst bezogen werden; denn unter ,Berge' wird nur der Hochmut und die Herrschsucht verstanden von Seite der Menschen. Und daß b auf der Erde kein Leben übrigblieb, außer in der Arche, besagt, daß Noah allein ein geistiges Leben in Gott und aus Gott getreuest behielt. (a 1. Mose.07,19; b 1.Mose.07,23)
   10] Wer das wohl beachtet, der wird es wohl einsehen, daß die Flut Noahs wohl eine großörtliche, aber deswegen dennoch keine völlig allgemeine war, und das darum, weil nur in Mittelasien die Menschen durch Tollkühnheit dazu selbst die Hauptveranlassung waren, was in den anderen Weltteilen nicht der traurige Fall war.
   11] Was weiter, - in der Folge!


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