Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 348. Kapitel: Mahals Murren und Hadern wider die Engel und Gott wegen seiner vermeintlichen Vernachlässigung. Aglas belehrende und tröstende Worte und ihre plötzliche Heimholung durch den Engel Waltar. (19.08.1844)

   01] Als Noah Gott gelobt und gepriesen hatte, da begab er sich dann auch in die Arche und besah, wie da die Tiere eingezellt waren, und suchte dann im mittleren Stockwerke eine passende Stelle für die anbefohlene Wasserpipe.
   02] Als er diese fand, da bestieg er auch das dritte Stockwerk und fand hier seinen Bruder Mahal, der gerade einen Rat mit seinen Kindern hielt darum, weil die Engel seiner mit keiner Silbe erwähnt hatten, sondern alles nur dem Noah anbefohlen hatten, und war voll Ärgers darob ganz besonders, da die Engel dem Noah wohl zur Unterhaltung der Tiere genaue Weisungen gegeben hatten, zu seiner und seiner Kinder Unterhaltung (Erhaltung) aber auch nicht eine Silbe fallen ließen!
   03] Und er sprach in der Gegenwart des Noah, den er aber jedoch nicht bemerkte, weil dieser hinter einer Zellenwand stand: »Bin ich denn weniger vor dem Herrn als die Tiere?! Diese haben ihre Zellen und ihr hinreichendes Futter, und es war für ihre Erhaltung gesorgt; was haben denn wir?
   04] Also sprachen die Engel auch immer von der Erhaltung Noahs und der Seinigen; aber von unserer Erhaltung war nicht die allergeringste Rede! Was ist das wohl anders, als daß uns die Engel zu verstehen gaben: für uns ist die Arche nicht erbaut, sondern allein nur für Noah und für die Seinen und für die Tiere!
   05] Ich weiß aber, was ich tun will! Sehet, es ist ja noch eine Menge behauenen Holzes da; ich werde mit den Knechten Noahs reden und mit Noah, daß mir ein eigener Kasten erbaut werde, in dem wir Platz haben werden, und Noah kann dann gleichwohl allein den großen Kasten bewohnen!
   06] Will uns der Herr erhalten, so ist's wohl und gut, - und will Er das nicht, wie es sich zeigt, so werde ich Ihn nicht darum bitten; denn mir ist nun schon das ganze Wesen des Lebens unter solchen bedrängten Umständen ohnehin zum Ekel geworden!«
   07] Hier sprach die Agla: »O Vater, ich meine, du redest zu viel! Denn siehe, ich habe ja auch den Waltar gesehen und er mich, und er hat mich nicht getröstet; und dennoch murre ich nicht wider den Herrn! Warum tust du denn das, der du doch vom Herrn Selbst den allerhöchsten Trost erhieltest?!
   08] ich aber sage bei mir: 'O Herr, mir, der größten Sünderin, geschehe nach Deiner Erbarmung!' Und muß ich schon auch eine Beute des Todes werden, so sei der Herr auch darum gelobt und gepriesen!«
   09] Mahal staunte über diese Rede der weinenden Agla, und Noah trat hervor und lobte die Agla ob solch rechter Rede vor Gott.
   10] Im Augenblicke aber stand ein lichter Engel vor der Agla und sprach zu ihr: »Agla, siehe, du sollst nimmer eine Beute des Todes, sondern nur eine Beute des Lebens werden für ewig! Und so reiche mir deine Hand, und folge mir, deinem Bruder Waltar!«
   11] Hier reichte die Agla dem Engel die Hand und verschwand im Augenblicke; und es blieb von ihr nichts zurück als ihre Kleider und in selben ein wenig Asche.
   12] Diese Erscheinung setzte alle ins größte Erstaunen, und sie wußten nicht, wie solches geschah.
   13] Noah allein faßte sich und fiel aufs Angesicht und lobte und pries wie solches geschah, Gott über die Maßen.


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