Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 291. Kapitel: Begnadigung der Oberpriester. Entsetzliches Gericht an den tausend Unterpriestern im Speisesaal. (31.05.1844)

   01] Als die Agla und der Drohuit auf diese Weise versorgt waren, da erst wandte sich der Fungar-Hellan an die Oberpriester und sprach zu ihnen:
   02] »Nun, meine Freunde und Brüder, die Speisen sind aufgetragen; also begeben wir uns in den großen Speisesaal, auf daß eure beiden Zöglinge, die sich nun in den Käfigen befinden, nicht ohne Gesellschaft seien! Gehet aber nur gutwillig, sonst wird auch euch Gewalt angetan werden!«
   03] Auf diese todbringende Einladung sprach einer von den Oberpriestern zum Fungar-Hellan: »Oberster Freund und Bruder! Höre mich an! Siehe, - sich verleiten lassen durch allerlei Drohungen und noch anderartige Lockmittel und fehlen darnach, das ist noch immer menschlich; aber in den Fehlern verharren hartnäckig und eigenwillig, das gehört der Hölle an!
   04] Also sind auch wir durch die sehr verschmitzten Unterpriester verleitet worden durch Drohungen zumeist, die da von der entsetzlichsten Art waren. Man sagte uns von einer Macht, die die deinige ums Zehnfache überträfe, und versicherte uns, daß du schon gefangen wärest, und daß nun deine Feinde die Herren der Stadt und des ganzen Reiches seien.
   05] Auf noch hundert derlei Äußerungen mußten wir wohl deine Zimmer öffnen lassen und dann zusehen, wie deine Feinde mit einem neuen Gifte alles, was sich in deinen Gemächern befindet, vergiftet haben, bei welcher Arbeit aber auch schon bei hundert Arbeiter ins Gras haben beißen müssen und dann in verdeckten Wagen irgendwohin zur Seite geschafft wurden.
   06] Siehe, also stehen wahrhaftig die Dinge; vergib uns daher unsere genötigten Fehltritte gegen dich, und nimm die allergetreueste Versicherung von uns, daß wir fortan deine getreuesten und festesten Freunde verbleiben wollen und sicherst werden!«
   07] Auf diese Rede wandte sich der Fungar-Hellan an den Mahal und fragte ihn, was da zu tun sein solle.
   08] Und der Mahal sprach: »Diese nimm gefangen - aber nicht in deine Kerker, sondern in dein Herz -, und vergib ihnen, so wird es auch dir vergeben werden! Aber die in den Kerkern gefangenen Unterpriester laß heraufführen und sie setzen an die Tafel, auf daß sie essen von den Speisen und dann sterben in ihrem Frevel! Die Agla und den Drohuit aber laß nur während der Mahlzeit im Speisesaale, auf daß sie sehen, wie sich der Frevel straft! »
   09] Darauf tat der Fungar-Hellan sogleich alles, wie es ihm der Mahal geraten hatte.
   10] Bei tausend Unterpriester wurden in den Speisesaal getrieben und mußten sich zum Tische setzen; denn da half kein Sträuben mehr! Den meisten kostete schon das Sich-Niedersetzen das Leben unter den furchtbarsten und schmerzlichsten Konvulsionen; nur wenige wurden durch die gezwungen genommenen Speisen getötet.
   11] Die zwei Käfigzeugen dieser Mahlzeit aber wurden ohnmächtig ob des schaudervollen Anblickes und wurden darum hinaus ins Freie gebracht, wo sie sich mit Hilfe des Essigs wieder erholten.
   12] Das Weitere in der Folge.


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