Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 290. Kapitel: Aglas freche Frage an Fungar-Hellan und dessen klare Antwort. Aglas vergebliche Ausflüchte. Agla und Drohuit im Käfig auf dem Mitteltisch der Tafel. (30.05.1844)

   01] Als die Agla des Fungar-Hellan ansichtig wurde, da trat sie, wie ganz festen Mutes, zu ihm hin und fragte ihn in einem sehr festen Tone: »Fungar-Hellan! Was willst du mir tun, daß du mich wie eine allerniedrigste Sklavin hierher hast schleppen lassen? Ist es denn hier bei euch auch Sitte, eine Königin zu knebeln und vors Gericht zu führen?!«
   02] Und der Fungar-Hellan sprach hier ganz gelassen und gutmütig und sagte: »Liebste, holdeste Königin Agla! Du weißt ja, daß ich deine Schwestern zu Weibern nahm und will eben heute die Hochzeit feiern; und da ist es hier wenigstens üblich, daß man zum Hochzeitsmahle alle die Verwandten und sonstigen Freunde ladet! Ich habe ehedem meine glänzenden Herolde ausgesandt, daß sie ladeten die Gäste; allein mir ganz unerklärlicherweise entschuldigten sich alle die Geladenen, mir die gebührende Ehre zu geben!
   03] Da dachte ich mir: 'Was soll denn das? Das sieht ja gerade also aus, als hätten sich meine intimsten Freunde gegen mich verschworen, und als wollten sie zu Meuterern werden an meinen Rechten?!'
   04] Und siehe, das war dann sogleich der Grund, warum ich nach der höflichen ersten eine unhöfliche zweite Einladung an euch absandte! Und ich meine, als ein Generaloberpriester sollte ich denn doch wohl dieser Ehrung von eurer Seite würdig sein, indem doch euer Wohl und Wehe von mir vorderhand weltlich genommen ganz außerordentlich stark abhängt!
   05] Zudem war meine Küche noch allezeit die beste im ganzen Reiche, und meine Freunde waren noch nie Verächter derselben! Und wahrlich, ich sehe es nicht ein, warum diesmal ein solcher Spott auf sie gelegt werden soll?!
   06] Hast du, schönste Königin etwa einen Grund dazu, so gib mir ihn nur kund, und ich werde ja alles aufbieten, um jeden verdächtigen Schein vor deinen schönsten Augen von mir zu entfernen!«
   07] Diese Rede wollte der Agla und ebenso auch dem Drohuit gar nicht munden; sie sprach daher Fungar-Hellan! Hättest du irgendeinen Funken Achtung vor mir, da würdest du mich nicht zum Essen herschleppen lassen, da ich dir nun sagen muß, daß ich unwohl bin und nichts genießen kann, und wenn du mir schon die besten Speisen von der Welt hersetzen möchtest!«
   08] Und der Fungar-Hellan sprach: »Ah, - da muß ich dich schon um Vergebung bitten! Wenn ich das zuvor gewußt hätte, da wäre ich mit der zweiten Einladung freilich wohl nicht zu dir gekommen! Warum hast du mir aber auch so etwas nicht durch die ersten Herolde bekanntgegeben?!
   09] Gehe aber doch wenigstens in den Saal nun und ruhe während der Mahlzeit auf einem sehr feinen Lotterbette aus, wonach ich dich schon in einer Sänfte werde nach Hause tragen lassen!«
   10] Und die Agla sprach nun ganz bebend: »Lieber Fungar-Hellan, willst du mich denn schon heute töten?! Ich darf ja in keine Zimmerluft, wenn ich nicht alsbald ersticken will!«
   11] Und der Fungar-Hellan sprach: »O du arme Agla, wie bedauere ich dich um solcher deiner Schwäche wegen!«
   12] Hier ward die Agla durch Verstellung ohnmächtig.
   13] Und der Fungar-Hellan sagte zu seinen Dienern: »Bringt schnell ein Wasser von meinem Goldbrunnen, und labt die Königin!«
   14] Hier sprang die Agla auf und schrie: »Nur kein Wasser! Das würde mich auf der Stelle töten!«
   15] Und der Fungar-Hellan sprach zu den Dienern: »So lasset es gut sein! Bringet mir aber dafür meinen großen, goldenen Käfig her; der soll die Königin wieder gesund machen! Und dann einen ehernen für den Drohuit; denn auch er scheint etwas krank zu sein!«
   16] Die beiden Käfige wurden sogleich hergeschafft und geöffnet.
   17] Und der Fungar-Hellan sprach zur Agla: »Gehe nun gutwillig in dies zierliche Häuschen, - sonst wird dir Gewalt angetan werden! Und du, Drohuit, ebenfalls!«
   18] Hier fingen die beiden an zu zagen und wurden mit Gewalt in die Käfige gesteckt und also in den Speisesaal gebracht und auf den Mitteltisch gestellt.
   19] Was weiter, - in der Folge!


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