Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 238. Kapitel: Verhör der 30 Hohenpriester durch den General und ihre Begnadigung. (05.03.1844)

   01] Als der König auf diese Art versorgt und mit bürgerlichen Kleidern angetan war, da wandte sich der General an die dreißig Hohenpriester und sprach:
   02] »Sehet, euer Gott ist bereits versorgt und euer König gekrönt mit der Bürgerkrone, die ihm viel besser stehen wird als diese Schein- und Trugkrone, unter der er viel zu sein wähnte, aber dennoch weniger als nichts war!
   03] Nun handelt es sich um eure Versorgung, ihr alten gewissenlosen Menschenbetrüger! Worin soll diese bestehen? - Ich will euch eine Frage stellen; aus ihrer Beantwortung soll es sich dartun, was ihr zu erwarten haben werdet! Und so höret mich denn an!
   04] Also lautet die Frage: Waret ihr wissentliche oder unwissentliche Betrüger des Volkes, wie auch dieses von euch kreierten Königs? Glaubtet ihr, daß dieser Schwächling der Menschheit in allen Teilen ein Gott sei, - was ihr das Volk wie diesen König glauben machtet? Glaubtet ihr in und bei euch selbst ernstlich an einen oder mehrere Götter? Oder glaubtet ihr solches nie und habt die alten Mythen aus den Büchern Kinkars nur - wider euren eigenen Glauben! - zum schändlichsten Truge des Volkes umgearbeitet und entstellt benützt?
   05] Diese Frage beantwortet mir ganz gewissenhaft! Jede Zauderung und etwaige geflissentliche Zurückhaltung werde ich mit dem Schwerte an euch züchtigen! Und so fanget an zum ersten Male in eurem Leben, die Wahrheit mit dem Munde offen zu bekennen! Es geschehe!«
   06] Diese Frage versetzte die dreißig in alle Farben; und da auf die Zögerung gewisserart der Tod gesetzt war, so begann einer von ihnen sogleich sogestaltig zu reden und sprach:
   07] »Mächtiger Herr General! Du als ehemaliger Unterpriester weißt es so gut wie wir, wer unsere Herren waren! Waren wir nicht mit eherner Gewalt genötigt, all diesen Trug zu unterhalten?! Was nützte uns da unser Gewissen?!
   08] Der Druck für den Magen ist empfindlicher als der des Herzens! Mit dem elendesten Gewissen läßt sich immer noch leben; aber mit dem leeren Magen nicht! Darum beschwichtigten auch wir das Herz, damit wir dadurch etwas für den Magen bekamen! Und du als ein Unterpriester mußtest ebenso tun, so dir die tägliche Füllung des Magens doch unmöglich - so gut wie uns unerläßlich war!
   09] Du wußtest es lange gleich uns, wie viel Wahres an unserer Götterlehre sich vorfand! Du wußtest, daß diese Lehre ein allerbarster und schändlichster Betrug des Volkes war! Warum gingst du als ein wahrer Philantrop denn nicht zu den Oberpriestern und hieltest ihnen ihre himmelschreiende Ungerechtigkeit vor?
   10] Siehe, auch du hattest dein Gewissen beseitigen müssen, damit fürs erste deine Haut ganz blieb und fürs zweite dein Magen keinen Leerheitsdruck zu verkosten bekam! Ich und wir alle sprachen gar oft unter uns: 'Es ist schändlich, wie das Volk von uns betrogen wird!' Aber was nützte das? Konnten wir's ändern?!
   11] Wenn es dir aber nun gelungen ist, die Macht der Oberpriester zu brechen und dich zum Herrn aufzuwerfen, so gedenke, daß auch wir Menschen sind, und daß wir, was wir taten, zu tun genötigt waren!«
   12] Der General war mit dieser Antwort zufrieden und sprach: »Gut, ihr habt die Wahrheit geredet; so will ich euer auch schonen! Ich habe die Oberpriester zu Unterpriestern gemacht und die Unterpriester zu Oberpriestern durch die mir vom neuen Könige Gurat verliehene Gewalt, und so mache ich als Generaloberpriester nun auch euch zu Unterpriestern ersten Ranges! Es sei!«
   13] Damit waren die den Tod erwartenden Hohenpriester zufrieden und wurden sogleich mit Sack und Pack in die Unterpriesterliche Wohnung befördert.


Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers