Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 183. Kapitel: Ohlad berichtet Danel und den Räten den Willen Gottes. Danels Verwunderung wegen der scheinbaren Kleinlichkeit Gottes. Zustimmung der Männer und Vorbehalte der Weiber. (14.12.1843)

   01] Auf diese Rede schlug sich der Ohlad auf die Brust, verneigte sich dann tiefst vor dem Altare und ging dann sogleich hinaus zu den neunundneunzig harrenden Brüdern, berief da sogleich den Danel zu sich und sagte zu ihm alles, wie er es vom Herrn vernommen hatte.
   02] Danel aber sprach dagegen: »Fürwahr, so du mir diese Sachlage nicht mit einem so erhabenen Ernste nun dargetan hättest, ich könnte es kaum glauben, daß der große, erhabene, heilige Gott Sich mit solchen Kleinigkeiten abgäbe!
   03] Es muß aber dennoch etwas daran gelegen sein, da uns der Herr bei Nichtablegung dieses also offenbaren Lasters Seine Gnade vorenthalten will und will uns dafür geben nur ein bitteres Gericht!
   04] Ich werde sogleich des Herrn Willen bekanntmachen! Für mich und mein Haus stehe ich gut; da wird sicher keine Gesellschaft mehr gegeben und eine mehr besucht außer in der Art, wie es der Herr haben will, in Seinem allerheiligsten Namen nämlich nur!
   05] Aber was da die übrigen betrifft, so kann ich natürlich nicht gutstehen, was sie darauf machen werden!«
   06] Und der Ohlad sprach: »Das kümmere vorderhand weder dich, noch mich; da wird schon der Herr das Seinige tun!«
   07] Darauf kehrte sich der Danel sogleich zu den achtundneunzig, wie zu deren Kindern und Weibern, und machte ihnen den Willen des Herrn bekannt gerade also, wie er ihn vom Ohlad vernommen hatte.
   08] Die Männer kehrten sich bald darnach; aber die Weiber und die erwachseneren Kinder fingen an zu schluchzen und mitunter heimlich gar zu weinen und zu schmähen und sprachen:
   09] »Das kann Gott nicht geredet haben! Das ist eine Erfindung des Ohlad, der zehn Zauberer von der Höhe und nun auch des berühmten Danel, der seinen Mantel allzeit gehörig nach dem Winde zu drehen versteht!
   10] Warum sollen uns denn nicht auch in einer Gesellschaft mehrere Männer lieben?
   11] Warum sollen wir denn nur für einen Mann allein dasein und uns allein für einen putzen und schönmachen?
   12] Warum sollen unsere Töchter nicht die Gelegenheit haben, allerlei Bekanntschaften mit der jungen Männerwelt zu machen, auf daß sie sich daselbst den ihnen am meisten zu Gesichte stehenden Mann erwählen möchten?
   13] Und warum sollen unsere Söhne nicht die Mädchen kennenlernen? Sollen sie denn am Ende weiberlos verbleiben? Wo aber, außer in gesellschaftlichen Zirkeln, bietet sich wohl eine Gelegenheit dazu?!
   14] Zudem besuchen wir ja ohnehin nur lauter honette, altadelige Häuser und werden von ihnen wieder besucht!
   15] Gott kann gar nicht weise sein, wenn Er so etwas von uns verlangt! Täten wir dabei etwas Schlechtes, so wäre das etwas anderes; aber wir vergnügen uns dabei ja nur allzeit auf die unschuldigste Weise von der Welt! Wie soll, wie kann das einem weisen Gott zuwider sein?!
   16] Der Danel aber sprach zu ihnen: 'O ihr Weiber, ihr murrt über die Anordnungen Gottes! Wisset ihr nicht, wie Er noch allezeit die Widerspenstigen gezüchtigt hat?! Zu kleinlich kommt euch hier die Sache vor, um die Sich hier Gott annimmt; deshalb sagt ihr, Gott müsse nicht weise sein!
   17] O ihr blinden Törinnen! Wer erschuf denn das kleine Mücklein, wer die Blattmilbe, wer die zahllosen Würmchen in einem Sumpfe, wer die Haare eures Hauptes? Sind das nicht lauter höchst unbedeutend scheinende Dinge?! Und dennoch gibt Sich der große Gott mit ihnen ab!
   18] Wer außer dem Werkmeister aber weiß es besser, was seinem Werke frommt?! Wenn uns aber hier der große Werkmeister Selbst die Lebensregeln gibt, sollen wir sie da nicht sogleich allerdankbarst annehmen und befolgen?!
   19] Scheint euch das Übel auch klein und nichtig zu sein, weil ihr euch daran schon gewöhnt habt, soll es darum auch bei Gott also sein?
   20] Oh, der Herr wird Sich ewig nie nach unserer großen Torheit richten wohl aber liegt es an uns, Seinen Geschöpfen, daß wir uns richten nach Seinem Willen, - denn Er allein weiß es nur, was uns frommt!
   21] Vergiftet aber nicht ein Tropfe Giftes schon zehn Maß Wassers also daß wir es nimmer heilsam und unschädlich genießen mögen?! So man aber einen gesunden Wassertropfen zehn Maß Giftes täte, wird dieser da Gift auch also entgegen unschädlich machen?
   22] Also ist der Tod mächtiger den das Leben, und wir können es gar leicht verlieren! Daher heißt es, die Regeln wohl betrachten und danach leben, wie es der Herr des Lebens will Verstehet mich, und murret nimmer Amen.«


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