Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 170. Kapitel: König Ohlads Begegnung mit den 99 Räten Hanochs. Vorwitzige Rede eines Rates und Ohlads kräftige Antwort. (25.11.1843)

   01] Daheim in der alten Lamechsburg angelangt, teilte er den zehn Ministern sogleich ihre Wohnungen zu und begab sich dann eben wieder mit den zehn in die neue große, goldene Residenz der ehemaligen tausend Räte, um dort den noch übrigen neunundneunzig Räten das Consilium abeundi (Rat, abzugehen) zu geben, so sie sich nicht dem göttlichen Gesetze unterziehen möchten.
   02] Ohlad, den die neunundneunzig für verloren hielten, aber trat gerade mit den zehn in den großen Ratssaal, als die noch übrigen neunundneunzig um ihren Scheinkönig versammelt waren und untereinander einen Rat hielten, ob sie den Rat der Tausend wieder komplettieren (vervollständigen) sollten oder nicht. Oder sollten sie bei den hundert verbleiben und nur an die Stelle Ohlads einen Mann aus den Bürgern wählen? Oder sollten sie gar nur bei ihrer gegenwärtigen Anzahl verbleiben?
   03] Die plötzliche Erscheinung Ohlads aber in der Mitte der zehn Schreckensmänner brachte die neunundneunzig Räte samt ihrem Scheinkönige in die größte Verlegenheit und nicht geringe Angst nebenbei.
   04] Sie hoben daher auch sogleich die Beratung auf, erhoben sich von ihren Plätzen und empfingen anfangs den Ohlad samt den zehn mit der größten Scheinfreundlichkeit, - fragten ihn aber dabei dennoch sehr neugierigen Geistes, wie seine gute, aber höchst gewagte Sache an der Seite solch unerhörter Elementarkalamitäten ausgefallen sei, und was da die Folge sein werde.
   05] Ohlad aber sprach: »Hier sind nun meine Minister! Diese werden euch die rechte Antwort geben!«
   06] Als die neunundneunzig solche Worte aus dem Munde Ohlads vernommen hatten, da wußten sie schon ungefähr, wie die Sache ablaufen werde, und einer von ihnen sprach etwas witzig:
   07] »Wenn die zehn deine Minister sind, da haben wir die Antwort schon, und ich sehe meinen alten Grundsatz bestätigt, demzufolge sich das Glück allzeit die dümmsten Individuen aussucht und die Weisen sitzen läßt!
   08] Denn dein Unternehmen mit der Wiederöffnung der Tempel ist zu tollkühn, als daß ein wahrhaft nüchternweiser Mann darüber auch nur ein unnützes Wort verlieren sollte!
   09] Daß es dir aber, wie einer blinden Henne, gelungen ist, mit heiler Eselshaut durchzukommen und dir die zehn Feuertiger gleich einem taumelnden Esel zu Freunden zu machen, das gehört in die Annalen (Jahrbücher) der Welt unter der Aufschrift mit goldenen Zeichen: Höchster Kulminationspunkt eines Eselsglücks!'
   10] Daß du unter uns allgemein anerkannt der dümmste Rat warst, wird dir hoffentlich nicht unbekannt sein, und zwar aus dem Umstande, weil du und dieser unser gegenwärtiger Scheinkönig, der ebenfalls samt dir das Goldmachen nicht erfunden hat, um diese Würde gelost habt; denn es war ausgemacht, daß der Dümmste ein König sein solle!
   11] Kurz und gut, was dir damals das Los versagt hat, das gab dir jetzt deine Eselshaut! Du bist König, und die zehn Feuerfresser sind deine Minister! Im Winter werden sie dir aber offenbar die besten Dienste leisten! Daß wir aber unter deiner Königschaft nicht hier verbleiben werden, das wird etwa doch auch gewiß sein!«
   12] Und der Ohlad sprach: »Ja, ihr werdet hinausgestäupt werden; aber zuvor werdet ihr von mir noch einige Gesetze auf die Reise mitbekommen! Diese werdet ihr allenthalben streng zu beachten haben, - widrigenfalls euch Gott, der Herr, züchtigen wird mit flammenden Ruten!
   13] Sehet, auch das gehört zum Eselsglück, daß mir der Herr einen Züchtiger an den Frevlern meiner Gesetze in jedem Augenblicke abgibt!
   14] Und so machet euch bereit zum Empfange meiner Gesetze! Amen.«


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