Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 169. Kapitel: Gottes Rede an Ohlad auf dem Tempelberg. Zweck des äußeren Tempels. Gottes Entschwinden. (24.11.1843)

   01] Auf dem Berge, wo der Tempel stand, angelangt, sprach der Herr zum Ohlad:
   02] »Siehe, hier salbte Ich den Lamech mit der Weisheit zum Priester vollkommen, darum er aus großer Liebe zu Mir diesen Tempel erbaut hat und weihte ihn nach Meinem Willen zum Lobe der Weisheit, die ihm da ward aus Mir!
   03] Daher erinnere Ich dich daran, auf daß du in dir lebendig innewerdest, in welchem Sinne geistig dieser Tempel hier steht, und was du und jedermann in ihm tun und suchen sollt!
   04] Es hat zwar ein jeder Mensch einen lebendigen Tempel der Weisheit in sich! Wenn er in demselben Mir das Lob der Weisheit gegeben hat, so kann er dieses Tempels wohl entbehren.
   05] Aber dessenungeachtet habe Ich hier auch einen äußeren, sichtbaren Tempel errichtet zum Gedächtnisse an den inneren, lebendigen, auf daß da ein jeglicher Mensch, der in diesen Tempel eintritt, sich erinnere, daß Ich allein der Herr bin und allein alle Macht habe, wie in und über allen Himmeln, also auch auf, in und unter der Erde!
   06] Wären die Menschen der Tiefe gleich den freilich wohl wenigen mehr Meiner wahrhaftigen Kinder auf der Höhe, da bedürften sie keiner sichtbaren Tempel! Aber sie sind so grob wie diese äußere Materie, aus welcher dieser Tempel angefertigt ist; daher müssen sie auch ein grobsinnliches Zeichen haben und müssen sich stoßen an dieser äußeren, harten Materie und die eigene daran zerschellen, damit dann erst ihr Inneres frei werde und sie dann aus diesem groben, äußern, toten Tempel in den inneren, lebendigen eingehen können, so sie das ernstlich wollen!
   07] Und in diesem Sinne übergebe Ich denn nun auch dir diesen Tempel! Lehre das Volk darum auch in diesem Sinne in diesen Tempel treten und in ihm den wahren, inneren, lebendigen Tempel suchen und finden, - dann wird dir und jedem, der solcher deiner Lehre ernstlich folgen wird, die wahre, innere, lebendige Weisheit aus Mir werden!
   08] Wer aber nur aus einer gewissen Gewohnheit, um sein törichtes Gewissen zu beschwichtigen, in diesen Tempel treten wird, der tut besser, so er draußen bleibt; denn wer sich an diesem Tempel nicht stößt und nicht zerschellen macht seine Materie, der wird darinnen kein Leben des Geistes und dessen Weisheit finden, wohl aber das Gericht seines Geistes in die Materie und durch diese den Tod.
   09] Solches habe Ich dir nun in der Gegenwart deiner Minister und Meiner Knechte kundgetan, und so denn wollen wir nun auch in diesem Sinne mit unserm Eintritte diesen Tempel wieder eröffnen! Amen.«
   10] Hier gingen der Herr, der Ohlad und die zehn in den Tempel. Der Herr segnete sie alle, und den Tempel wieder, und sagte dann:
   11] »Nun ist bisher wieder die alte Ordnung hergestellt! Wacht und seid tätig in Meinem Namen; bekehrt das Volk, und Meine Liebe, Gnade und Erbarmung sei euer Lohn ewig! Amen.«
   12] Darauf verschwand der Herr, und der Ohlad ward voll Geistes und begab sich mit seinen neuen Ministern in die alte Lamechsche Königsburg.
   13] Was aber da weiter geschah, wird die Folge zeigen.


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