Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 96. Kapitel: Zug zur Hütte der Purista. Empfang der Gäste durch Purista. Bewunderung der Schönheit der Purista durch Lamech. (17.08.1843)

   01] Als die Gesellschaft unter vielen Verwunderungen die Grotte durchschritten und also erreicht hatte den Ausgang gen Morgen, da sprach der Henoch:
   02] »Lasset uns nun gen Morgen ziehen, auf daß der Lamech und seine Gefährten dort erschauen möchten die Herrlichkeit unseres heiligen Vaters! In der Hütte der Purista wollen wir das Mahl des Herrn halten, welches Er Selbst uns allen zu den gerechten Zeiten verordnet hat zur Stärkung unserer Liebe und dadurch unseres Geistes!«
   03] Und der Adam erwiderte: »Ja, mein Sohn Henoch, du hast wohl geredet; das wollen wir tun und wollen bei dieser Gelegenheit auch sehen, was da mit dem hochzeitlustigen Muthael zu machen sein wird!«
   04] Und der Henoch sagte darauf: »Ja, ja, Vater Adam, das wird sich bei dieser Gelegenheit ganz besonders zeigen! Aber lassen wir für hier jede weitere Bestimmung beiseite; an Ort und Stelle wird sich alles zeigen, was da zu machen sein wird! - Und so denn gehen wir im Namen des Herrn!«
   05] Hier verließ die Gesellschaft die Grotte und begab sich eilends gen Morgen.
   06] Allda angelangt, eilten alsbald ganze Scharen den hohen Gästen entgegen und grüßten sie mit dem Gruße der Liebe.
   07] Die Purista aber war die erste, welche ihren Gruß den hohen Gästen darbrachte und darauf sagte:
   08] »Erhabene Väter, große Freunde des allmächtigen Gottes, ihr kommet nun wie allzeit in großen, heiligen Absichten hierher; daher sei jetzt wie ewig mein tiefstes Lob dem heiligen, ewig liebevollsten Vater, der da wohnt in Seinem ewig heiligen Lichte und, durch unsere Liebe zu Ihm uns belebend, in unserm Herzen!
   09] Seid, o liebe, erhabene Väter, mir armen Dienerin des Herrn unaussprechlichmal willkommen! Wie lechzt meine Seele nach Worten des Vaters aus dem Munde dessen, den Er als der Herr Selbst gestellt hat zu einem wahrhaftigen Hohenpriester!
   10] O kommet mit mir in die Hütte des Herrn, die Er Selbst erbaut hat durch Seinen allmächtigen Willen, und die Er verordnet hat zu einer Speiseküche, allwo alle Seine Kinder die gerechte Stärkung zum ewigen Leben finden sollen.«
   11] Der Henoch aber, als er den ganz zerflossenen Lamech ansah, sagte zu ihm: »Nun, Bruder, wie gefällt dir diese Rednerin? Was sagst du zu ihren Worten?«
   12] Und der Lamech, sich kaum fassend ob der unbeschreiblichen himmlischen Anmut und Schönheit der Purista, sagte: »O Bruder, der Anblick des Erzfeindes bei der flammenden und zerstörten Kluft hat meiner Zunge im Augenblicke der Erscheinung ein mächtiges Band angelegt; aber diese Tochter der Himmel scheint noch hemmender auf meine Sprachorgane einzuwirken! O Gott, o Gott, was doch alles meinen Augen begegnen muß!
   13] Nein, Bruder, der Anblick solch eines Himmels könnte einem armen Sünder fürwahr das Leben kosten! Solch eine Schönheit, verbunden mit solcher Liebe und Weisheit! Das ist mehr, als was ein armer Sünder in Ewigkeit wird zu fassen imstande sein!
   14] Bruder, erlasse mir für jetzt die weiteren Bestimmungen und Urteile; denn ich muß mich vorerst an diesen Anblick gewöhnen! Ist das geschehen mit der Gnade des Herrn, dann erst werde ich zu reden imstande sein; daher erlasse mir nun das weitere Reden!«
   15] Und der Henoch erwiderte ihm: »Nun gut, in der Hütte der Herrlichkeit des Herrn wird dir die Zunge schon gelöst werden; daher wollen wir nun auch alsbald in die große Hütte treten!«
   16] Hier führte die herrliche Purista alle in die Hütte und legte frisches Holz auf den Herd der Liebe.


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