Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 27. Kapitel: Die gottgewollte Beschränktheit der menschlichen Erkenntnis. Das Männliche und das Weibliche in Gott und Mensch. Die Erschaffung Luzifers. (28.04.1843)

   01] Darauf zogen sie fürbaß, und keiner getraute sich, ein Wort an den Herrn zu richten, obschon diesmal alle drei - also auch der Henoch nicht ausgenommen - einen neu vorgefundenen Knoten in sich trugen, der sie in seiner Unentwirrtheit mehr drückte denn ein viele Zentner schwerer Stein.
   02] Da der Allwissende aber solches doch gar wohl merkte, so wandte Er Sich auch alsobald an den Henoch und sagte zu ihm: »Auch dir können noch Dinge vorkommen, über welche du wie eine Henne über hohle Eier brüten kannst?!
   03] Ich sage dir aber, es soll nicht also sein, daß der Mensch in jegliche Tiefe Meiner Weisheit dringe in der Zeit; denn dazu ist euch von Mir ein ewig's Leben ja bereitet!
   04] Euch wohl will Ich lösen, das euch schwer bedrücket; doch nur euch und niemand and'rem weiter sei's gesagt! Und so denn höret Mich:
   05] Ich bin ein Mann und Weib zugleich in Meiner Gottheit Tiefen; nicht also doch, wie ihr's pflegt zu nehmen, sondern also nur:
   06] Als Mann bin Ich die Liebe ewig selbst, das freie Leben selbst und alle Macht und Tatkraft selbst, darum in jedem Mann als Meiner Liebe vollem Ebenmaße sich die echte Liebe kündet, deren des eitlen Weibes Brust wohl ewig nimmer fähig wird.
   07] In solchem Meinem männlich Liebe-Ebenmaße ist der Mann denn kräftig auch, Mir gleich, und mächtiger in seiner Brust, denn alle Weiber sind in ihren losen Brüsten, die wohl Säugemilch dem Kindesfleische bieten, doch des inn'ren Lebens Milch dem Geist' nicht bieten können, da des hohen, starken Mannes Liebe nicht einwohnt ihrer Brust, obschon sie wohl einwohnen könnte, wär' das Weib aus sich so eiteltöricht nicht!
   08] Also bin Ich als Mann von Ewigkeit bestellt aus Mir; ihr möget solches fassen!
   09] Da Ich aber auch im Weibe bin zu Hause, muß Ich da nicht auch das Weib ganz völlig in Mir fassen - Sicher; hört, wie konnt' Ich sonst ein Weib erschaffen?!
   10] Wie denn aber solches möglich sei, will Ich sogleich euch etwas weise künden; denn im Weibe liegt ja List und Witz, ein scharfer Sinn und Schlauheit stets begraben; also (ebenso) spricht das Weib auch offen nie und pflegt stets ihr Licht und Herz zu bergen, darum auch der locker baut, wer sich der Weiber Brust vertraut.
   11] Also kann Ich aus Meiner Weibessphäre nicht auch gleich verständig reden wie aus der des Mannes, da der weiblich Teil dem Liebelicht entstammt aus Mir und als die Weisheit, wennschon nicht in sich, so aber dennoch gleich dem Strahlenlichte ist, das hehr dem Urstammlicht entströmt.
   12] Demnach ist denn das Weib in Mir der Weisheit ewig strahlend Licht, das ewig fort und fort in gleicher Kraft und Stärke in der Liebe wird erzeugt.
   13] Diese Weisheit ist der Liebe Gottes ewig eigentümlich unzertrennlich rechtes Weib, mit dem Ich ewig ein'ger Gott doch alle Dinge hab' gezeugt und geschaffen, - und kein and'res Weib war ewig je vonnöten Mir, dem ein'gen, ewig wahren Liebegott, dem Mann' von Ewigkeiten her, dem Ersten ewig und dem Letzten ewig!
   14] Ewig zeugte Ich mit diesem Meinem treu'sten Weibe zahllos Milliarden Wesen, die da Mir beschaulich waren, wenn auch keines sich da noch in sich beschauen konnt' und durfte.
   15] Doch auch ewig war in Mir beschlossen, einstens all die endlos viel in Meinem Geist' gezeugten Wesen frei zu stellen, zu erkennen sich und Mich!
   16] Ein Wille ward aus Mir getrieben, und ein übermächtig ,Werde!' drang ihm nach durch all die endlos weiten Tiefen Meiner ew'gen Gottheit Macht und helle leuchtend Walten.
   17] Da ward aus all den ewig vielen ausgegang'nen Strahlen - hört und faßt! - ein wesenhaftes Eins, ein Träger alles dessen, was von Ewigkeit aus Mir, dem Mann und ew'gen Weib, in Eins ist je geflossen in den wesenhaften Strahlen geistig tief, endlos und ewig klar.
   18] Der Träger ist das neugeschaff'ne Weib und ward gestaltet frei zu einem großen Sammelplatze alles wesenhaften Lichtes, das von Ewigkeiten Mir in wesenhafter Fülle ist entströmt, damit in ihm die ausgegang'ne Wesenfülle sich ausreife unter Meiner steten Gnadenstrahlenwärme frank und frei, Mir schaulich gegenüber angenehm durch freies Leben und also auch Mich beschaulich (das heißt beschauend) aus dem ihm von Mir gereichten Liebelicht.
   19] Und hört, die Zeugung ist gelungen; ihr beschaut und faßt Mich euren Schöpfer, schon!
   20] Doch noch ist nicht die Zeit der vollen Reife und der Ernte voll gediehen; große Dinge brauchen große Zeiten auch!
   21] Darum erfaßt solches, - aber schweiget; denn in solchem Werdungsstreit' zur einst'gen großen Reife ist nicht gut zu schwätzen!
   22] Denn zu seiner Zeit werd' Ich wie euch, schon wieder Meiner Erde neu es künden, und aus euch gar späte Kinder werden es in sich gar finden und der Erde es entbinden! Amen.«
   23] Hier schlugen sich die drei auf die Brust und sprachen: »O du unendliche Weisheit Gottes! Wer wird dich ewig je erfassen?!'
   24] Der Herr aber sagte: »Schweigt nun von allem; denn sehet, die Kinder eilen Mir schon entgegen mit ausgestreckten Armen! Daher eilen auch wir ihnen entgegen! Amen.«


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