Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 244. Kapitel: Die Rückkehr der Gesellschaft in die Stadt und ins Haus Lamechs. Der Volksauflauf. Henochs guter Rat und Lamechs wirksame Erklärung ans Volk.

   01] Nach dieser Rede Henochs begaben sich alsbald alle die Anwesenden - als: der Lamech, der Thiubalkain, der Mura, der Cural, die sieben Boten und also auch der Henoch - aus dem weiten Vorhofe in die Stadt und allda in das Haus Lamechs.
   02] Als diese Gesellschaft aber aus dem Garten Gottes (also wurde später der Vorhof des Tempels genannt) trat und sich zur Stadt begeben wollte, siehe, da wurde sie vom Volke aufgehalten!
   03] Denn dieses vermißte den früher gesehenen jungen, herrlichen Mann, und da es ihn nicht sah weder früher aus dem Tempel treten, noch jetzt unter der Gesellschaft, so war es der Meinung, Lamech und seine Gesellschaft hätten ihn etwa gar in den Tempel ein gesperrt, allwo er dann verhungern und zugrunde gehen müßte.
   04] Da aber der Lamech sah, daß das Volk stets ungestümer ward und in den Lamech drang und schrie: »Lamech, du alter Wüterich, du alter Tyrann, gib uns den herrlichen Mann wieder, sonst reißen wir dich in Stücke!", da ward es ihm überaus angst und bange, daß er darob zum Henoch schrie:
   05] »Henoch, du mächtiger Freund des Herrn! Siehst du denn nicht die große Kalamität, in der wir uns befinden?!
   06] Muß ich denn nun zugrunde gehen? Ich bitte dich, rate, wie wir uns hier aus den Händen des wütenden Volkes zu retten werden imstande sein!«
   07] Und der Henoch wandte sich darauf zum Lamech und sagte zu ihm: »O du Kleingläubiger! Hast denn du nicht die Schlüssel in der Hand?!
   08] Sage dem törichten Volke, es solle hingehen mit dir und sich den jungen herrlichen Mann aus dem Tempel holen! Wenn es sich überzeugen wird, daß in demselben kein Mann mehr vorhanden ist, so wird es sich wohl zur Ruhe begeben, und wir werden dann ganz ungehindert nach Hause ziehen können; also tue solches! Amen.«
   09] Hier bekam der Lamech wieder Mut und sagte zu den Hauptschreiern: »Hört, der junge herrliche Mann läßt Sich von uns durchaus nicht einsperren; denn Er ist ein allmächtiger, alleiniger Herr!
   10] Sein heiliger Name nur ist lebendig in diesem Tempel geblieben; Er aber ward zu unserem größten Leidwesen alsbald unsichtbar, als Er uns Seinen heiligen Willen zu erkennen gab und dann allerwunderbarst lebendig gesegnet hatte den Altar und den ganzen Tempel!
   11] Solches ist wahrlich wahr geschehen, und die mächtigen lebendigen Cherube auf lichten Wolken zu beiden Seiten des Altars, auf dem der allerheiligste Name des herrlichen Mannes ruht, bezeugen solches, und die lichte große Wolke über dem Altare zeigt auch solches an!
   12] Wollet ihr meinen Worten nicht glauben, so sind hier die Schlüssel! Nehmet sie, und gehet hin, durchsucht den Tempel, und bringt dann hierher den herrlichen Mann, und Dieser soll Sich dann vor euren Augen Selbst rächen an mir! Werdet ihr Ihn aber nicht finden, so werdet ihr etwa doch wohl glauben, daß es also ist, wie ich es euch nun gesagt habe, und werdet mir nichts mehr anhaben können?!
   13] Sehet aber zu, daß euer Herz rein ist, - sonst würde es euch bei der Annäherung zum Tempel gar übel ergehen!«
   14] Als die Schreier nun solches vom Lamech vernommen hatten, da fingen sie an, ganz gewaltig zu stutzen, und es hatte keiner den Mut, den Schlüssel anzugreifen, und auch keiner von ihnen wußte dem Lamech etwas zu erwidern auf seine Anrede.
   15] Der Lamech aber fragte sie nun ganz ernstlich, sagend nämlich: »Nun, was zaudert ihr denn noch? Ist das des Beweises noch nicht genug, so ich euch das eigene Untersuchungsrecht einräume?!«
   16] Hier wichen die Schreier zurück und sprachen: »Nun glauben wir, daß es also ist, wie du uns gesagt hast! Vergib uns aber unsere grobe Zudringlichkeit; denn jener junge Mann hat also ja unsere Herzen für sich gestimmt!«
   17] Und der Lamech erwiderte dem Redner: »Ich sage euch aber noch hinzu: Bleibet ihr alle allzeit in dieser lebendigen Stimmung für den jungen Mann, so werdet ihr den gerechten Weg ziehen; denn dieser Mann ist Gott von Ewigkeit, - Er ist der Gott Faraks!«
   18] Hier schauderte alles Volk zurück, und unsere Gesellschaft zog wie schon anfangs gezeigt wurde - ungehindert in die Stadt und also auch ins Haus Lamechs.


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