Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 237. Kapitel: Lamechs neue Verlegenheit wegen der ihm vorausziehenden Volksmenge. Vom Fröhlichsein und von der Seligkeit als Bestimmung des Menschen.

   01] Als dieser erhabenste Zug durch die Gassen der großen Stadt sich bewegte, da drängte sich das Volk allenthalben dem Zuge nach, und eine große Menge eilte aber auch vor dem Zuge hinfort.
   02] Lamech aber ward eingedenk der Worte des Herrn, welche da lauteten: »Vor dir aber soll niemand einherziehen!", und verfiel darauf schon wieder in eine große Verlegenheit, getraute sich aber nun wegen der Störung der Ordnung nicht umzukehren, auf daß er fragte den Herrn, was da zu tun sein dürfte.
   03] Es fing aber in einer breiten Gasse, die sie nun erreicht hatten, stets eine größere Menge Volkes sich hinvorzudrängen an; das ward dem Lamech denn doch zuviel.
   04] Er blieb darum stehen und ward sehr bewegt in seinem Gemüte.
   05] Der Herr aber sah, wie es mit dem Lamech stand, und tat darum, als merkte Er nicht die Not des Lamech.
   06] Da aber der Lamech sich nicht weiterzubewegen getraute, so fragte ihn endlich doch der Herr: »Lamech! Warum bleibst du denn stehen?
   07] Siehe, wir haben noch den halben Weg, und Meine Zeit ist nahe!
   08] Darum solltest du wandeln, aber nicht stehenbleiben!«
   09] Hier erst faßte der Lamech wieder Mut und sagte zum Herrn: »O heiliger, liebevollster Vater, siehe, ich habe mich erinnert, daß Du ehedem verordnet hast, es solle vor mir niemand einhergehen! Und da siehe: Tausende sind vor uns!«
   10] Der Herr aber erwiderte darauf dem Lamech und sagte: »Das sehe Ich auch, Mein Lamech! Hast du aber wohl ehedem verkünden lassen, daß da vor uns niemand einhergehen soll?
   11] Du sprichst: ,Ach! Daran habe ich nicht gedacht!'
   12] Nun, wenn also, warum ärgert dich demnach die vortrabende Menge?
   13] Ich aber habe nicht diesen Gang gemeint, den wir jetzt tun, sondern nur den Amtsgang deines Priestertums.
   14] Daher sei nun völlig ruhig, und wandle vorwärts; denn also ist es ja recht, und also soll es auch bleiben, daß das Volk allzeit vor unserem Angesichte wandeln soll!
   15] Bei dieser Ordnung soll es fürder auch allzeit verbleiben leiblich und geistlich!
   16] Behalte du demnach das Volk allzeit im Angesichte, so wirst du Mir ein rechter Hirte dieser Meiner Herde sein! Amen.«
   17] Solche Rede beruhigte den Lamech, und er ging nun munter vorwärts.
   18] Als sie nun aus der Stadt kamen, und der Lamech in der Nähe erschaute den prachtvollen Tempel da ward er überfröhlich und fing beinahe aus lauter Freude zu hüpfen an.
   19] Solches hätte er auch getan, wenn er sich nicht gescheut hätte vor dem Volke.
   20] Der Herr aber sagte zu ihm: »Höre, Lamech, Meine Kinder dürfen in Meinem Namen schon auch ganz nach reiner Herzenslust fröhlich sein! Daher magst du auch hüpfen wie ein Hirsch; denn Mir ist der in Meinem Namen Heitere lieber als einer, der da trauert an Meinem Herzen!
   21] Denn Ich habe euch für die Seligkeit nur, aber nicht für die Traurigkeit geschaffen!«
   22] Hier fing der Lamech im Ernste zu hüpfen an.
   23] Da solches aber das Volk sah, so fing es gar gewaltig sich zu wundern an, und einige aus dem Volke lobten und priesen Gott darum und hüpften mit vor großen Freuden in die Höhe.
   24] Andere aber sagten: »Sehet, sehet, unser ehemaliger Würgekönig ist ein Tänzer geworden!
   25] Solches haben ihm gewiß die aus der Höhe angetan; denn es sollen lauter mächtigste Magier sein also, daß ihnen sogar die Steine gehorchen!«
   26] Wieder andere aber verwiesen ihnen solche Reden und sagten: »Sehet ihr nicht die Tafel mit dem Namen Gottes geziert und die Mächtigen einhergehen?!
   27] Daher redet nicht scheeles Zeug, sondern betet an das Heiligtum des ewigen, allmächtigen Gottes, den uns gelehrt hat einst der große Seher Gottes, der Fürst Farak.«
   28] Und unter solchen Begebnissen erreichten sie nun auch das goldene Tor der Ringmauer.
   29] Und der Mura öffnete die Tür, und der Zug bewegte sich zum Tempel; aber das Volk wagte die Füße nicht mehr über diese Schwelle zu setzen sondern blieb ganz ruhig außerhalb der Mauer.


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