Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 234. Kapitel: Lamechs vergeblicher Versuch, die für ihn zu schwere heilige Tafel zu tragen. "Ohne Mich vermöget ihr nichts, mit Mir aber vollkommen alles!"

   01] Auf diese Anordnung und Beheißung des Herrn verfügte sich der Lamech alsogleich in den Thronsaal, um zu holen die Tafel.
   02] Mit der größten Andacht begab er sich hin zum Throne, gab Gott die Ehre und griff dann mit der höchsten Ehrfurcht nach der Tafel, welche da auf dem Throne aufgestellt war.
   03] Als er sie aber nun heben und forttragen wollte, siehe, da ward die Tafel plötzlich also schwer, daß es ihm zur allerreinsten Unmöglichkeit ward, dieselbe weiterzuschaffen.
   04] Als er mehrere Versuche machte, die heilige Tafel aufzuheben und sie dann nach dem Willen des Herrn in den Speisesaal zu tragen, daß Er sie dort anhauche, und er - der Lamech nämlich - sie dann trage in den Tempel, und trotz aller der Versuche dennoch nichts auszurichten vermochte, da fing er darüber ernstlich an nachzudenken, und es kam ihm vor, als ob er einmal schon entweder vom Kisehel, vom Henoch oder vom Herrn Selbst vernommen hätte: »Ohne Mich vermöget ihr nichts, mit Mir aber vollkommen alles!«
   05] Nach diesem glücklichen Einfalle verließ er, sich vor der mächtigen Tafel allerehrerbietigst verneigend, alsbald den Thronsaal und kam somit wieder unverrichteterdinge zu der erhabensten Gesellschaft in den Speisesaal.
   06] Es fing aber alles sich zu verwundern an und fragte ihn emsigst von allen Seiten: »Aber Bruder Lamech, was ist denn mit der heiligen Tafel!
   07] Hast du sie etwa gar nicht mehr vorgefunden, darum du also leer wieder zurückkommst?«
   08] Der Lamech aber sagte zu all denen, die ihn also fragten: »O liebe Brüder, nehmet euch samt mir ob dieser Erscheinung diese kurze, aber sonst wohl allerwichtigste Lehre zu Herzen:
   09] Wenn der allmächtige Herr und allerliebevollste, heilige Vater mit uns ist, dann vermögen wir in Ihm und durch Ihn alles; ohne Ihn aber vermögen wir nichts!
   10] Ich war ein Tor; darum ging ich ohne Ihn in den Saal, um zu holen das Heiligtum! Aber die Erfahrung hat es mir da hinreichend gezeigt, was der Mensch ohne den Herrn vermag!
   11] Daher eile ich nun zum Herrn, auf daß Er mit mir sein möchte, und ich werde sodann sicher nicht wieder mit leeren Händen hierher gelangen!
   12] Solches also werde allzeit von mir, wie von euch allen gar wohl und gar tief gemerkt und allzeit alltreulichst beachtet!«
   13] Hier ging der Lamech hin zum Herrn, der Sich unterdessen mit dem Henoch und mit den anderen sieben besprochen hatte, fiel vor Ihm nieder und sprach:
   14] »O Herr und heiliger Vater, siehe gnädigst auf mich, einen allergrößten Toren, herab! Ich, ein allergrößter Dummkopf, wollte ohne Dich Dein Heiligtum heben und es nach Deiner allergnädigsten Beheißung hierher bringen; aber als ich armseligster Tropf solches versuchte und die heilige Tafel nicht von der Stelle zu bringen vermochte ihrer unendlichen Schwere zufolge, da erst ward es mir klar, daß man ohne Dich nichts vermag - und schon am allerwenigsten, was da unmittelbar Dich betrifft -, wohl aber alles mit Dir in Dir und durch Dich, o Du heiliger, allerliebevollster Vater!
   15] Daher komme ich denn auch nun unverrichteterdinge wieder zu Dir und bitte Dich aus dem Grunde meines Herzens, daß Du mit mir gehen möchtest in den Thronsaal, und mir helfest, Dein Heiligtum von der Stelle zu schaffen!
   16] Denn sonst wird es unmöglich je in den Tempel zu bringen sein!«
   17] Hier bog sich der Herr zur Erde nieder, hob den Lamech wieder auf und sagte zu ihm: »Ja, also ist es, Mein Lamech: mit Mir vermagst du alles, ohne Mich aber nichts!
   18] Wer vermag sich auch nur um den zehnten Teil einer Handspanne in seiner Leibesgröße zu erhöhen?! Wer kann sagen: solches oder anderes geschehe, auf daß es alsbald werde nach seinem Willen?!
   19] Mir allein nur sind alle Dinge ewig untertan!
   20] Wer aber demnach mit Mir ist der ist auch mit Meiner Kraft - denn Ich Selbst bin ja die ewige unendliche Kraft - und kann demnach in und mit Mir alles vermögen!
   21] Nun also gehe denn mit Mir, und Ich werde mit dir sein; da werden wir denn sehen, ob die Tafel wohl noch also unüberbringlich schwer sein wird!«
   22] Und so denn ging der Lamech mit dem Herrn wieder in den Thronsaal, und alles folgte diesen und sah allda erheben die heilige Tafel und dann wieder tragen in den Speisesaal, allwo sie der Lamech auf den Hauptspeisetisch aufstellte und sie sodann der Herr anhauchte.


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