Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 219. Kapitel: Die Verehrung des heiligen Namens auf der goldenen Tafel im Thronsaal Lamechs. Henochs Rede über die Liebe als einzig wahre Gottesverehrung.

   01] Und alsbald nach diesen Worten Henochs ging der überaus hocherfreute Lamech voraus und geleitete als Führer somit den Henoch zum Thronsaale und sagte allerehrerbietigst zum Henoch an der Türschwelle:
   02] »Mächtiger Freund des allerhöchsten Gottes, siehe, dort in der Mitte ist der Thron; und die glänzende Tafel, die auf demselben ruht, ist diejenige, auf welcher der Name nach unserer Art gezeichnet ist, den auszusprechen meine Zunge nimmerdar würdig sein wird!«
   03] Und der Henoch, seine Hand an seine Brust legend, blieb eine kleine Weile an der Schwelle stehen, und schwieg.
   04] Dann aber streckte er seine Hände aus und eilte hin zum Throne, ergriff die Tafel und drückte sie an seine Brust, küßte sie und stellte sie dann wieder auf am Throne.
   05] Als er nun solche Liebehre dem allerheiligsten Namen dargebracht hatte, da stellte er sich etwas seitwärts vom Throne, und zwar auf die rechte Seite desselben, und richtete dann folgende Worte an alle die Anwesenden - denn es waren auch viele ansehnliche Bürger und Amtsleute Lamechs mit in den Saal hinaufgegangen -, und die Worte lauteten also:
   06] »Brüder und Kinder eines Vaters im Himmel! Es hat diesem über alles guten, liebevollsten und heiligen Vater wohlgefallen, euch Seinen Namen zu geben, welcher in Sich ist heilig, überheilig.
   07] Was aber wollt ihr dafür Ihm, dem alleinigen heiligen liebevollsten Geber aller guten Gaben, bieten?
   08] Eure Gedanken suchen, und ihr könnet nichts finden, was ihr hättet, das ihr nicht zuvor von Gott empfangen hättet!
   09] Ja wahrlich, da ist alle eure Mühe und Arbeit vergeblich!
   10] Wollet ihr den Namen loben, reisen, rühmen und anbeten euer Leben lang?
   11] Ja, solches könnet ihr gar wohl tun; aber merket, ich will euch da etwas sagen, und solches zeigt uns das Firmament und die ganze Erde!
   12] Himmel und Erde sind voll von Seinem Lobe, von Seiner Ehre, und alle endlosen Räume sind voll der höchsten geheiligten Engel, die da allzeit sagen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, unser Gott; Ehre sei Ihm als dem Vater, Seinem Worte und der Allmacht Seiner ewigen Liebe!
   13] Wir loben Dich ewig, o großer Gott, und preisen allezeit Deine endlose Stärke; denn Dir allein ja nur gebührt alles Lob, alle Ehre, aller Ruhm, aller Preis, alle Hochachtung, alle Anbetung und alle unsere Liebe!
   14] Sehet, wieviel der Ehre, des Ruhmes, des Preises und der wahren Anbetung Gott allzeit und ewig dargebracht wird!
   15] Wenn ihr denn auch also den Vater ehren und preisen wollet, um wie vieles wird dadurch wohl Seine unendliche göttliche Ehre und Herrlichkeit größer werden?!
   16] Wahrlich, so der leisest kleinste Tropfen Wassers ins Meer gefallen ist, so hat dadurch das Meer im Vergleiche schon endlos Größeres empfangen, als da wäre eure lebenslange ununterlassene Anbetung und Ehrung gegen die endlose Ehre und ewige Herrlichkeit Gottes, die Er schon eher im allervollkommensten Maße in Sich hatte, als noch irgend etwas erschaffen war!
   17] Was wollet ihr hernach denn tun dem heiligen Vater für solche Gnade, Liebe und Erbarmung?
   18] Ihr saget: ,Wir wollen Ihm danken unser Leben lang!'
   19] Solches tuet auch; denn Ihm, dem alleinigen Geber, gebührt auch allein- nur aller Dank!
   20] Doch, so ihr danken möchtet, daß darob eure Zunge bis an die Wurzel sich verbrauchen möchte, wird Er dadurch wohl reicher und herrlicher werden, als Er es ohnehin schon von Ewigkeit her ist?!
   21] Also sehet, solches alles ist eitel an sich, und der Herr aller Herrlichkeit und Macht bedarf dessen nicht!
   22] So aber da jemand hat eine Braut, der frage sein eigenes Herz, was ihm an ihr wohl das Angenehmste ist, und es wird ihm sagen: ,Ich bin reich an allen Schätzen und bedarf weder des Goldes noch der Edelsteine, noch der Baumfrüchte, noch der zahmen Tiere, noch daß du mich ehrest und mir Brandopfer darbringest!
   23] Nur eines hast du, geliebte Braut, für mich; danach sehnt sich mein Leben! und dieses eine ist - deine Liebe!
   24] Liebe mich, so hast du mir mehr gegeben, als was mir Himmel und Erde bieten können!'
   25] Ist es nicht also, meine Brüder?! - Ihr saget: ,Ja, also ist es ewig wahr!'
   26] Also tuet auch ihr desgleichen! Liebet den Vater; denn Liebe ist Sein Wesen und Liebe Sein unendliches Bedürfnis. So habet ihr Ihm alles gegeben und geopfert, alles, was Er euch gegeben hat! Denn mehr als Sein eigenes Leben konnte Er euch nicht geben; die Liebe aber ist euer Leben und das Leben Gottes in euch.
   27] Wenn ihr sonach Gott, den Vater, liebt, so tuet ihr das, was Er ansieht, und was Ihm allein angenehm ist!
   28] Solches aber ist der Wille Gottes, daß wir Ihn über alles lieben sollen; also tun wir das, so werden wir das Leben haben ewig! Amen.«


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