Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 209. Kapitel: Besuch auf dem Tempelplatz. Gesegneter Fleiß der Goldarbeiter Thubalkains. Tätigkeit als Mittel zur Erhaltung und Stärkung des Lebens.

   01] Beim Anbruche des nächsten Tages noch viel vor dem Sonnenaufgange begab sich alles in den Thronsaal und gab allda Gott die Ehre.
   02] Nach beendigter Verehrung und Anbetung des allerheiligsten Namens, welche bis zum völligen Aufgange der Sonne angedauert hatte, begab sich dann alles wieder in den Speisesaal, allda schon ein reichliches Morgenmahl bereitet der Gäste harrte.
   03] Dieses wurde nach einem rührenden Lobgesange eingenommen.
   04] Und nach dem dargebrachten Danke für solch ein gutes Morgenmahl sagte der Kisehel: »Nun, liebe Brüder, lasset uns hinausgehen zu unseren Arbeitern und sehen, was alles sie schon zuwege gebracht haben!
   05] Die Weiber und Mägde aber sollen nach einiger Zeit einige Körbe voll Speisen hinausbringen als gute Stärkung für die kommenden Arbeiter.«
   06] Nachdem begaben sie sich alle hinaus. Als sie aber allda anlangten, wie staunten da der Lamech und der Thubalkain, als sie fürs erste nicht nur einen beinahe berggroßen, glänzenden Goldklumpenhaufen entdeckten, sondern auch schon eine Menge Streckhämmer in der größten Tätigkeit erblickten und dazu schon eine ganze große Menge allerschönster, überaus stark glänzender Goldblechtafeln, und fürs zweite, daß sie von den Pfützen und Morästen weit und breit keine Spur mehr zu entdecken imstande waren!
   07] Nach solchen Betrachtungen wandte sich der Lamech zum Kisehel und fragte ihn: »O mächtiger Freund und Bruder, - sage mir doch, wie solches möglich war! Denn mit menschlichen Kräften ist solches wohl nicht zu gedenken!
   08] Ich lasse mir mit der allergenauesten Not das Erz gefallen; aber die Austrocknung der Pfützen, Sümpfe und Moräste, die sich mehrere Stunden weit nach allen Seiten ausbreiten, ist mir rein unbegreiflich!
   09] Sage mir doch: Wie ging denn solches zu?«
   10] Und der Kisehel antwortete dem Lamech und sagte: »Lamech, weißt du wohl, wie es zuging, daß es heute wieder Tag wurde?
   11] Du sagst, solches sei dir völlig fremd; und doch will solches unendlich viel mehr gesagt haben als da diese Pfützenaustrocknung, - und da mag um das Größere niemand fragen!
   12] Weißt du denn nicht, daß bei Gott alle Dinge möglich sind?!
   13] Siehe, auf der Höhe hat der große nächtliche Sturm in der Nacht vor dem Sabbate einen ganzen Kristallberg von großer Herrlichkeit nahezu zu Staub zertrümmert!
   14] Am Morgen sahen alle stark geprüften Bewohner mit großem Bedauern diese große Höhenpracht wie völlig vernichtet in einem noch dampfenden Schutthaufen; mehrere Trümmer lagen zertrümmert und kleinst zersplittert auf dem weiten Gebirgsboden in krasser Unordnung zerstreut,
   15] Und siehe, es kostete den Herrn einen leisesten Gedanken, einen Hauch kaum, ein Wörtlein, und die ganze zerstörte und zerstäubte Grotte, ein der Erde sicher wunderbarst größter, erhabenster und prachtvollster Palast, stand im Augenblicke wieder also da, als wäre sie nie von irgendeinem leisesten Winde auch nur angehaucht worden!
   16] Siehe nun, lieber Bruder Lamech, wenn dem Herrn eines gar so leicht möglich ist, da wird Ihm wohl auch ein anderes sicher nicht weniger möglich sein!
   17] Dem, der die Erde erschaffen konnte, wird es wohl nicht eben zu schwer fallen, diese Sümpfe trocken zu machen, so Er es nur will! Solches aber hat Er gewollt, - und siehe, darum ist es also, wie Er es gewollt hat! Bist du nun zufrieden mit dieser Beleuchtung?«
   18] Und der Lamech erwiderte: »Freund und Bruder, - ganz vollkommen; aber nur möchte ich dich noch um eines fragen, und dieses eine ist und besteht darinnen, nämlich:
   19] Wie der allmächtige Gott doch mag Seine Geschöpfe tätig sein lassen in den verschiedenen Dingen - und bedarf genau genommen doch ihres Dienstes nicht im allergeringsten?!
   20] Und der Kisehel sagte darauf zum Lamech: »Solches geschieht alles aus dem endlos weisesten Grunde, damit dadurch alles von Ihm ausgehende Leben so oder so eine genügende und notwendige Übung seiner Kräfte finden soll, ohne welche es aufhören würde, ein Leben zu sein!
   21] Die Tätigkeit ist die Erhaltung und stete Stärkung des Lebens; darum sind alle Dinge tätig, und der Mensch soll darum überaus tätig sein, weil er am meisten von Gott mit dem Leben beteilt ist.
   22] Da aber der Mensch vorzugsweise ein geistiges Leben hat, so soll er auch dasselbe vorzugsweise üben in der Liebe zu Gott, damit er es nicht verliere!
   23] Siehe, darum läßt der allmächtige Gott uns arbeiten!
   24] Doch siehe, dort kommen schon von allen Seiten her Arbeiter für den Bau des Tempels; daher mache dich nun gefaßt, und teile sogleich jedem seine Arbeit zu!
   25] Doch vor dem Beginne der Arbeiten sollen sie essen und trinken!
   26] Und so denn lassen wir das Werk beginnen! Amen.«


Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers