Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 204. Kapitel: Kampf mit den Rebellen.

   01] Es hatte aber der Kisehel kaum noch den Lamech darauf aufmerksam gemacht, daß er merken solle auf die Rebellen, wann sie zur Tür hereinbrechen würden, so waren sie auch schon da, in aller Wut entbrannt.
   02] Als der Lamech solche grimmsprühenden Gesichter sah und ihr furchtbares Geheul vernahm, da entsetzte er sich abermals also heftig, daß er darob nahezu bewußtlos auf den Boden dahinfiel und kaum noch während seines Hinstürzens ausrief: »Wehe mir Ich bin verloren!«
   03] Nur der Thubalkain blieb diesmal standhaft, stellte sich der eindringenden Masse standhaft entgegen und schob sie kräftig zu mehreren Malen zurück.
   04] Da sich aber die Masse durchaus nicht besiegen ließ, so fragte sie der Thubalkain ganz donnerernstlich und sagte: »Was wollt ihr denn haben von uns? Warum dringt ihr also auf uns ein?«
   05] Die Masse aber schrie: »Nichts als euch und euer verfluchtes, schändliches Leben!«
   06] Nach solcher Äußerung erhob der Thubalkain seine Hände, wie sein Herz, empor zu Gott und sprach: »O du allmächtiger, gerechter, heiliger Gott, Vater und Schöpfer aller Dinge! Verleihe mir jetzt die rechte Kraft und Stärke, auf daß ich dadurch vermöchte, diese Ruhestörer wieder zur gerechten Ordnung zurückzutreiben!
   07] Nach solchem gewaltigen Ausrufe trat alsbald der Kisehel an die Seite des Thubalkain und sprach zu ihm: »Thubalkain, mein Bruder Höre, der liebevollste, heilige Vater hat wohl vernommen dein Flehen und hat erhört deine Bitte! Darum sei voll Trostes und Mutes; denn bald wirst du die Kraft Gottes in uns und in dir erfahren!
   08] Nun aber ziehe aus gegen die argen Meuterer, und schlage sie mit deinem Worte aufs Haupt! Amen.«
   09] Der Thubalkain aber hatte gar wohl gemerkt, wie die Kraft aus Gott über ihn ist gekommen; und so denn richtete er sich auf und sprach mit starker Stimme zu den Rebellen:
   10] »Höret, ihr Meuterer an den heiligen Rechten Gottes! Gegen wen habt ihr euch entboten zu kämpfen? Gegen Gott ist euer böses Herz gerichtet; gegen Ihn seid ihr mit Keulen, Spießen und Knitteln ausgezogen!
   11] O ihr armseligsten Kämpfer! Habt ihr je schon erfahren die Macht des allerhöchsten, allmächtigen Gottes?
   12] Ihr schreiet: ,Nein, was haben wir mit der zu tun?! Wir wollen nur euch und euer Leben!' Ich aber sage euch: Jetzt habet ihr es mit der Kraft und Macht Gottes zu tun; darum bedenket euch wohl, bevor ihr vollends eure Mordwerkzeuge gegen und über uns erhebet!
   13] Denn wahrlich, wahrlich, sage ich euch allen im Namen des allmächtigen Gottes, so ihr nicht alsbald euch umkehrt, da wird es euch ergehen wie jemandem, der da gefallen wäre in den Trichter eines wütendst stark brennenden Berges; zu Staub und Asche soll der werden, der als erster wagen wird, seine Keule gegen uns zu erheben!
   14] Nun wisset ihr, gegen wen ihr zum Kampfe ausgezogen seid, und was für ein Los euer harrt! Tuet nun, was ihr wollt, - ihr habt den freien Willen; nach der Tat aber wird auch genau euer Kampfpreis bemessen sein!«
   15] Nach diesen Worten fingen die Rebellen erst recht an, zu toben und zu fluchen, so daß solcher Lärm den Lamech wieder erweckte.
   16] Als er aber wieder zu sich kam, da erst ergrimmte er über die Rebellen und schrie laut: »Mächtige Brüder und Freunde! Vernichtet sie, diese Wüteriche gegen Gott!«
   17] Der Kisehel aber sagte ganz gelassen darauf zum Lamech: »Bruder, ereifere dich nicht vergeblich; denn Gott ist nicht wie ein Mensch, daß Er möchte alsbald vernichten Seine Werke, - sondern das ewige Gesetz Seiner ewigen Ordnung lautet und heißt: ewige Erhaltung aller geschaffenen Dinge!
   18] Diese aber haben nun vom Thubalkain ein Gesetz empfangen, und solches wurde geheiligt von oben. Wer von ihnen dem zuwiderhandeln wird, der wird auch alsbald sein Gericht finden; daher magst du ja ruhig sein! Amen.«
   19] Ein Meuterer aber schwang alsbald seine Keule über den Kisehel; aber im Augenblicke ergriff ihn ein Feuer und verzehrte ihn im Angesichte aller zu Asche. Dieses machte alsbald alle die anderen stutzen, und einer um den andern fing an, sich ganz bescheiden zurückzuziehen.
   20] Einige fluchten noch; andere aber ermahnten sie zur Reue. Und so hatte dieser Aufstand bald ein Ende, und Ruhe trat wieder an seine Stelle.


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