Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 198. Kapitel: Lamechs Siegesrede und demütiges Bekenntnis. Kisehels Erwiderung.

   01] Und der Thubalkain ging alsbald fröhlicheren Mutes hin zu seinem Vater Lamech, fiel alldort auf sein Angesicht nieder, überdachte all sein früheres Tun und Treiben und bat nachher in der Fülle der Reue seines Herzens den nun erkannten einig wahren Gott um Vergebung aller jener Handlungen, die er verübt hatte entgegen den wohlvernehmbaren Mahnungen seines Herzens.
   02] Bei einer guten Stunde lang dauerte die Verherrlichung des allerheiligsten Namens, als endlich der sehr erbaute Lamech sich wieder erhob und vor dem Throne ausrief: »Es ist errungen; der große Sieg ist mein!
   03] O höret es, ihr Völker alle! Der Herr, der unendlich allmächtige Schöpfer Himmels und der Erde, der ewig große Gott, gegen den wir alle greuelhaftigst gefrevelt haben, hat uns angesehen und hat um unserer großen Blindheit willen aufgehoben das gerechte Gericht, das uns alle auf ewig in den Tod verschlungen hätte!
   04] Darum will ich frohlocken mein Leben lang, da der Herr also gnädig ist und voll der größten Geduld, Langmut, Liebe und Erbarmung!
   05] Mächtig groß war meine Bosheit, und ich wollte mit derselben in die Himmel des Lebens dringen; aber aus meiner Bosheit hat der Herr erkannt meine Armut und hat Sich meiner erbarmt!
   06] Darum sei Ihm allein ewig nun und fortan all mein Lob!
   07] O Herr, ich will Dich fortan loben mit tausend Zungen, darum Du also gnädig, mild und barmherzig bist!
   08] O du mein armseliger Thron! Du ehemaliger Machtsitz der Gesetze zu Greueltaten, du mein getreuestes Ebenmaß, - was warst du?! Und was bist du jetzt?! - Von dir aus verdammte ich das, das du jetzt trägst!
   09] O Herr, wie groß muß denn doch Deine Güte sein, wie groß Deine Liebe, auf daß Du es geduldest und ertragest, Deinen allerheiligsten Namen vom selben Stuhle tragen zu sehen, welcher Stuhl ein Träger von so vielen, ja zahllosen Greueln war!
   10] Oh, so lobe denn du, mein Geist, den Herrn, da Er von solcher unaussprechlichen Güte ist ewig!
   11] Herr, Du Liebegerechter! Was soll ich denn tun, damit ich dereinst doch nicht gar so greuelhaft vor Dir erscheinen möchte?
   12] O lasse es mir gnädigst durch Deine getreuen Diener kundtun; aber nur, so Dein Wille es wäre! Nach meinem Willen soll von nun an ja nichts mehr geschehen; denn ich habe erkannt die Ohnmacht meines Willens und all seine Bosheit. Daher ekelt es mich nun vor ihm.
   13] Darum habe ich nun keinen Willen mehr; also geschehe allzeit nur Dein allmächtiger und allerheiligster Wille!«
   14] Nach diesen Worten bewegte sich der Kisehel rasch hin zum Lamech, umarmte ihn und sagte dann zu ihm:
   15] »Bruder, lieber Bruder! Wüßtest du, welche innigste Freude wir alle über dich haben, wahrlich, dir würde das Leben schwer werden!
   16] Aber des sei völlig versichert: Wenn du also verharrst, wie du nun angefangen hast, da werden schier die lange andauernden Schranken zwischen der Höhe und der Tiefe verschwinden, und es kann geschehen, daß es dem allerheiligsten Vater wohlgefallen wird, auch euch den von Ihm Selbst bestellten Hohenpriester Henoch zuzusenden, damit er euch lehre den Weg der Liebe gehen!
   17] Bruder, ich sage dir im Namen Dessen, der uns alle zu dir beschieden hat: Wenn der Tempel wird vollendet sein, so wirst du und dein Sohn Thubalkain in unserer Mitte die heiligen Höhen betreten, allwo du erst das wahre Leben für dich und all dein Volk sollst in aller Fülle erkennen und es dir völlig zu eigen machen! Daher beharre in dem, daß des Herrn Wille der allein deinige verbleibe, so hast du somit auch auf deine Frage durch mich des Herrn Willen erfahren, der dir damit antwortet:
   18] ,Also handle, und Ich will dich heiligen auf den Höhen Meiner Kinder!"'
   19] Auf diesen Bescheid ward der Lamech samt dem sich soeben erhebenden Thubalkain außer sich vor Freuden geworden. Lange konnte er nicht reden; denn die zu hehre Verheißung hatte ihm beinahe die Zunge gelähmt.
   20] Nach einiger Zeit erst sammelte er sich wieder und sprach: »O Freund, o Bruder! Was hast du ausgesprochen?! Die Füße eines allergrößten Sünders werden auch einmal die geheiligtesten Höhen betreten dürfen?! Meine von Greueltaten nahe blind gewordenen Augen sollen noch einmal schauen die große Herrlichkeit der Kinder des allmächtigen Gottes?!
   21] Und mit meinen vom Blute meiner Brüder und meines armen Volkes triefenden Händen soll ich den Saum des Kleides derer anrühren dürfen, die da gezeugt sind aus Gott?! Nein, nein, - nimmermehr, Bruder!
   22] Solcher Gnade kann der Lamech ja ewig nimmer würdig werden auch nur im geringsten Teile! Daher, o Freunde und Brüder, erteilt mir eine andere Antwort; denn wahrlich, überwahrlich, diese taugt nicht für einen Sünder, wie ich einer bin!«
   23] Und der Kisehel erwiderte darauf dem Lamech: »O Bruder, - siehe, auch ich war ein großer und grober Sünder vor Gott, in meiner angestammten Lichtsphäre sicher nicht minder denn du in deiner angestammten großen Blindheit!
   24] Als ich aber meine große Schuld vor Ihm, dem liebevollsten Vater, bekannt hatte, nachdem Er mir mit Seiner endlosen Gnade und Erbarmung zuvorgekommen war, da ergriff mich der allerheiligste Vater mit Seinen allmächtigen Händen, richtete den Wurm im Staube vor Sich auf, vergab ihm seine große Schuld gänzlich und erfüllte ihn dafür mit der Kraft des ewigen Lebens!
   25] Siehe, Bruder, also handelt der liebevollste Vater mit dem Sünder, der sich reuigst zu Ihm wendet!
   26] Daher bleibe bei der Antwort, und sei voll des höchsten Trostes; denn es wird daran nicht ein Häkchen verändert werden. Was Gott geredet hat, das wird ewig also verbleiben, wie Er geredet hatte!
   27] Ihm sei darum alle Ehre, alles Lob und alle unsere Liebe ewig; denn Er allein ist würdig, von uns alles Lob, allen Preis, alle Anbetung und alle Liebe zu nehmen, und Sein heiliger Wille geschehe ewig! Amen.«


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