Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 175. Kapitel: Sethlahems Rede und Auftrag an die geretteten Mägde. Die drei Boten dringen zu Lamech vor. Wut des machtlosen Lamechs.

   01] Die Weiber räumten alsbald die Treppe und eilten mit den Kindern heulend hinaus. Die Mägde aber gingen, um sich anzukleiden, in ihre Gemächer, kamen dann alsbald festlich und züchtig gekleidet zu den dreien, fielen da vor ihnen nieder, baten sie um Vergebung ihrer vorigen Bosheit, in der sie wohl mehr gezwungen denn frei tätig waren, dankten ihnen für die Gnade der Rettung und baten sie dann um einen allzeit stärkenden Segen; und die drei trösteten, segneten und stärkten sie in Meinem Namen. Nach dieser Handlung aber sagte dann der Sethlahem zu den Mägden:
   02] »Höret nun, ihr Mägde, die ihr schon bei fünf Tage lang dem Lamech gedient habet, - das heißt nicht dem Lamech in der Person, sondern vielmehr seinen Dienern, indem der Lamech seit dem dreifachen Verluste seines Weibertums mit keinem weiblichen Wesen mehr etwas zu tun hatte, da es ihm zu einem Fluche in seinem Munde ward!
   03] Ihr seid jetzt gereinigt und frei gemacht worden und habet empfangen den Segen Jehovas von uns, Seinen Dienern und Boten; dadurch ist euch die Kindschaft der Hölle benommen und die des Himmels erteilt worden.
   04] Da ihr aber nun Kinder des Himmels geworden seid, so betraget euch aber auch allzeit danach, damit ihr stets dieses Segens werdet teilhaftig verbleiben können!
   05] Gehorsam ist die erste Stufe in des ewigen Lebens Wohnung. Wollet ihr sonach auch das ewige Leben erreichen, so seid jeglichem Worte gehorsam, das ihr aus unserm Munde vernehmen werdet, und tuet aus stets wachsender Liebe zu Jehova alles, was wir euch zu tun werden auferlegen! Werdet ihr solches alles tun treulichen Herzens aus Liebe zu Jehova, da wird sich dann auch eure Kraft zu mehren anfangen, und ihr werdet dadurch wahre Heldinnen - nicht mehr des Lasters, sondern des göttlich-ewigen Lebens und dadurch auch des ewigen Wohlgefallens Gottes werden!
   06] Das erste, was wir von euch verlangen, ist, daß ihr uns zu dem Gemache Lamechs bringet!
   07] Nach dem aber gehet hinaus, und sammelt dürres Holz, und traget es zu den Pfützen, und leegt es daselbst an trockene Orte; traget solches aber so lange zusammen, bis wir zu euch kommen werden!
   08] Wenn euch aber die draußen sich mit der Kloake beschmierenden und waschenden Weiber fragen werden oder auch jemand anders, warum ihr solches wohl tuet, da saget nichts als bloß nur,
   09] Wir Boten Jehovas hätten euch solches zu tun geboten; und wehe dem, der wagen sollte, seine Hand entweder an euch oder an das von euch zusammengetragene Holz zu legen!
   10] Nun wisset ihr vorderhand alles, was ihr zu tun habt, und so denn führet uns zum Gemache Lamechs! Amen.«
   11] Und alsogleich ging ein Teil der Mägde voran, und ein Teil folgte den dreien. Als sie gar bald zur Türe des Gemaches Lamechs gelangten, da zeigten sie solches an, daß dies die Türe sei zum Leibgemache Lamechs, und sagten: »Dies ist das Gemach; ob er sich darinnen befindet oder nicht, solches können wir bei verschlossener Tür unmöglich wissen! -Jehova mit euch und mit uns!«
   12] Und der Sethlahem belobte ihre Treue und ließ sie sodann hinausgehen, Holz zu sammeln.
   13] Der Kisehel aber berührte die Türe, welche überfest verriegelt und verrammt war, und sie sprang jählings auf; und im tiefen Hintergrunde des Gemaches saß Lamech grimmsprühend und zornglühend auf einem großen Throne, umgeben von tausend mit langen Spießen bewaffneten Knechten, Schergen und Dienern.
   14] Sein erster Gruß war: »Knechte, ergreift die drei Freveltiere aus den Bergen! Bindet sie fest, damit ich sie dann mit höchsteigener Hand zerfleische; ihr Blut soll mir das Blut meiner Weiber Ada und Zilla und das Blut meiner schönsten Tochter Naeme sühnen! Gehet und vollziehet meinen allmächtigen Willen!«
   15] Der Kisehel aber hob alsbald seine Hand auf und sprach mit einer Donnerstimme: »Halt - Bis hierher, und nicht um ein Haar weiter!
   16] Wer von euch Knechten nur eine Hand oder einen Fuß rühren wird, soll augenblicklich des Todes sein
   17] Der Lamech aber, da sich niemand rühren wollte, sprang selbst vom Throne, riß einem Knechte die Lanze aus der Hand und wollte damit die drei durchstoßen. Aber die Lanze war alsbald glühend, und der Lamech schleuderte sie fluchend von sich, ergriff alsbald eine andere - und verbrannte sich damit die Handfläche.
   18] Da er nun sah, daß er so gut wie verloren war, so fragte er die drei, bebend vor Grimm und glühender Wut:
   19] »Was wollt ihr Gebirgsbestien denn hier? Redet, damit euch der Lamech den verlangten Tribut zolle! Redet, - redet, - redet!«


Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers