Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 156. Kapitel: Abbas Rede über die Vater- und Kindschaft. Nur ein Gott und ein Vater!

   01] Alsbald fielen alle vor dem erkannten Fremden nieder und lobten und priesen in Ihm den heiligsten Vater, darum Er ihnen so viel Gnade und Erbarmung erwies, daß Er auch diesmal gewollt hatte - also, wie Er es verheißen hatte - auch am Streittage noch unter ihnen zu verweilen.
   02] Und der Fremde aber hieß sie alsbald alle wieder erstehen und sagte darauf zu ihnen: »Kindlein, Abba ist Mein Name; also sollt ihr Mich allezeit in eurem Herzen rufen!
   03] Wenn ihr Mich im Geiste und aller Wahrheit also rufen werdet, so werde Ich euren Ruf allzeit erhören; so ihr Mich aber mit was immer für einem andern Namen rufen werdet, da werde Ich euren Ruf nicht anhören, sondern werde hinwegwenden Mein Ohr von eurem Munde, und mit Meinen Augen werde Ich nicht ansehen eure Werke!
   04] Der Sklave hat einen Herrn, die Natur hat einen unerbittlichen Gott zum Schöpfer und zum Richter; vor Jehova muß alles vergehen, denn der Ewige und Unendliche duldet nichts in und außer Sich - denn Seine Heiligkeit ist unantastbar -, nur allein der Vater kennt Seine Kindlein, und diese sollen allein Ihn erkennen und rufen: ,Abba, lieber Vater, so wird Er sie allzeit hören und wird ihnen geben alles, was Er Selbst hat, nämlich das vollkommene, ewige Leben und alle endlosen Schätze desselben.
   05] Ihr sagt zwar in euren Herzen und fragt: ,Wie werden wir denn das wohl tun können? Denn der Vater ist ja auch der alleinige ewige Gott und ist unendlich und überheilig! So wir den Vater rufen, da rufen wir ja auch verborgenermaßen das, was wir nicht rufen sollen!
   06] Wie können wir ,Vater' rufen, ohne uns dabei doch allzeit zu erinnern, wer der Vater ist?!
   07] Ich aber sage euch allen und gebiete euch sogar, daß ihr allzeit wohl bedenken sollet, wer da ist euer Vater; denn Er hat auch euch, wie die ganze Unendlichkeit, erschaffen. Aber alle Geschöpfe hat Er belassen also, wie sie sind erschaffen worden; euch aber hat Er aus Seiner ewigen Liebe umgewandelt zu Seinen Kindern!
   08] Daher sollet ihr Ihn denn auch allzeit ,Vater' rufen, aber dabei auch allzeit wohl bedenken, wer der Vater ist, so wird Er euch allezeit hören!
   09] Als Gott bin Ich ein ewiger Richter nach Meiner unendlichen Weisheit und Heiligkeit - denn Gott kann sich nichts nahen und leben -; aber in Meiner eben also unendlichen Liebe bin Ich ein Vater und will alle Meine Kinder um Mich versammeln!
   10] Fraget nicht, wer da der Mächtigere ist, ob Gott oder der Vater; denn es ist nur ein Gott und ein Vater, und dieses alles bin Ich nun ersichtlich vor euch.
   11] Haltet euch aber alle an den Vater, so werdet ihr nimmerdar gerichtet werden und zugrunde gehen; denn der Vater richtet niemanden - und am allerwenigsten Seine Kinder, die Ihn da allzeit wahrhaftig und getreu als den allein wahren, guten Vater in ihren Herzen bekennen und also auch lebendig anrufen!
   12] Wie aber ihr eure Kinder nicht richtet, sondern nur ziehet, lehret und führet, desgleichen tue auch Ich.
   13] Daß Ich aber also tue, dessen könnet ihr euch eben jetzt überweisen, indem Ich zu euch gekommen bin und lehre euch Selbst, zu wandeln auf den Wegen des Lebens!
   14] Würde Ich wohl solches tun, wenn ihr nicht Meine Kinder wäret und Ich euer guter Vater?!
   15] O sicher nicht! Denn es wäre Mir ja ein viel Leichteres, euch zu halten in einer gerichteten Ordnung gleich allen anderen Geschöpfen; allein, da Ich aber solches nicht tue, so ist es ja klar, daß ihr Meine Kinder und Ich euer aller guter Vater bin!
   16] Ich kam heute wieder als ein Fremdling zu euch, und ihr habt Mich nicht erkannt, - darum ihr ,Jehova', aber nicht wahrhaftig ,Vater' gerufen habt.
   17] Bleibt daher beim Vater vollkommen, so werde Ich euch hinfort kein Fremdling mehr sein!
   18] Da Ich aber nun bei euch bin, so freuet euch, und kommet alle zu Mir! Amen.«


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