Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 140. Kapitel: Liebe als die rechte Anbetung Gottes. Puras Liebesprobe und Worte vom rechten Vater.

   01] Nun erst fingen allen die Augen so recht aufzugehen an, und sie begriffen das, wie Gott unendlich und dabei aber dennoch ihnen auch ein sichtbarer Vater sein kann!
   02] Der Jared aber wollte nun vor lauter Dankgefühl aus dem tiefsten Lebensgrunde niederfallen vor Abedam und Ihn anbeten nach der möglichsten Kraft seines Geistes; allein der Abedam sagte zu ihm:
   03] »Jared, Ich sage dir, es hat dessen, was du nun tun möchtest, zwischen uns zweien durchaus nicht vonnöten! Denn du weißt ja, daß bei Mir das Mund- und Gebärdengebet nichts gilt, sondern allein das Gebet der Liebe im Herzen; daher unterlasse das, was Mir zuwider ist!
   04] Denn wer Mich in seinem Herzen über alles liebt, und liebt aus dieser Liebe heraus auch seine Brüder und Schwestern mehr denn sich, der ist es ja auch, der Mich allzeit, beständig und ohne Unterlaß wahrhaft im Geiste und in aller Wahrheit anbetet. Siehe, solches ist aber bei dir ja schon gar lange der Fall; wie möchtest du Mich denn nun auch noch mit Mund und Gebärde anbeten?!
   05] Würde das nicht eben also heißen, als so du jemandem gäbest tausend Körbe der schönsten und edelsten Früchte, damit aber nach deiner Meinung die Gabe vollkommen wäre, du dann nach einer zeremoniellen Sitte auch noch hinzulegen möchtest ein dürres Baumblatt?!
   06] Sage Mir aber, wozu hier dies dürre Blatt hinzu?! Wahrlich, es wird der Empfänger darum nicht reicher und wird diese Hinzugabe nur als läppisch betrachten und wird sie auch bei der Verzehrung der Früchte sicher nicht mitspeisen, sondern wegwerfen als ein völlig unnützes Ding; denn was da an und für sich keinen Wert hat welchen Wert sollte das haben dann mit der wahrhaftigen Gabe?!
   07] Daher sei auch du vollkommen versichert, daß Ich bei dir durchaus nicht darauf anstehe, daß du Mir hier zu deinem beständigen Gebete im Geiste und aller Wahrheit noch hinzufügen möchtest ein dürres Blatt, sondern Ich sage dir, wie auch allen: Bleibe allzeit bei dem Gebete, und Ich werde für dieses stets Meine Ohren und Mein Herz offen halten!
   08] Nun aber vernimm du, Mein lieber Jared, etwas ganz anderes!
   09] Siehe, dies Mädchen hier, wie du es bereits vernommen hast, ist irdischerweise vater- und mutterlos und hat nun auf der ganzen Erde keine näheren Anverwandten, außer nach Mir und dem Adam Brüder, Schwestern, Väter und Mütter; nun aber habe Ich es völlig zu einer Tochter angenommen und will es somit auch in Mein Haus aufnehmen!
   10] Siehe, es ist aber dein Haus eben auch das Meinige; daher wollen wir es eben auch in dieses Haus aufnehmen und wollen da sein Herz also ausschmücken, daß es ein vollkommenes Ebenbild sein soll des höchsten und des reinsten aller Himmel, allda Ich mit Meinen vollkommensten Engeln beständig zu wohnen pflege!
   11] Und so denn übergebe Ich es dir; nimm es auch du an zu einer Tochter deines Herzens, und wie Ich es dir verheißen habe wahrhaftig und getreu, so auch werde Ich Wohnung nehmen in deinem und also auch allzeit in Meinem Hause. Amen.«
   12] Nach diesen Worten aber ergriff Er die Hand der Pura und sagte zu ihr: »Mein Töchterchen! Siehe an den Mann hier, - siehe, er ist ein Mann vollkommen nach Meinem Herzen! Sein ganzes Wesen ist Meine Liebe in ihm. Dieser ist auf der Erde dein wahrer Vater, wie Ich dein lieber und allein rechter bin; daher folge ihm, und er wird sorgen für dein ganzes Leben auf Erden, wie Ich für dein ewiges! Amen.
   13] Mit diesen Worten segnete Er das Mädchen und übergab es dem vor Freuden weinenden Jared.
   14] Der Jared aber empfing dies Kind mit der größten Zärtlichkeit, Dankbarkeit und Liebe und sagte zu ihm: »Komme, komme, du reinstes Töchterchen des allerliebevollsten und über alles heiligen Vaters; bei mir sollst du ja alles, alles wiederfinden, was du je auf der Erde trauernd verloren hast!
   15] Siehe, wie du es selbst vernommen hast, so ist mein Haus eigentlich nur ein Haus des allerheiligsten Vaters, der dahier nun sichtbar vor uns steht!
   16] Wo aber Sein Haus ist, da ist auch er ein allzeit liebevollster Hausvater und alles, was Er erschaffen hat, wunderbarster Weise mit Ihm; daher sei frohen und dankbar heiteren Mutes und komme zu mir! Wahrlich, du kannst es glauben; so wie du ist noch nie ein Mensch auf dieser Erde versorgt worden!«
   17] Da die Pura aber solches vernommen hatte, da wandte sie sich schnell zum Abedam und fragte Ihn: »O heiliger, liebevollster Vater! Habe ich Arme denn etwa gesündigt vor Dir, daß Du mich nun von Dir entfernen willst?
   18] Nein, nein, Jared kann ja ein Mann sein nach Deinem Herzen und ist wahrhaft auch ein guter Vater, was ich soeben vernommen habe aus seinem Munde - denn solche Worte könnte ja niemand führen vor Deinem Angesicht, wenn sie nicht wahrhaftig und getreu wären! -, aber Du ist er denn doch nicht, und wird es ewig nicht sein! Daher weiche ich auch nicht von Dir; denn mein Herz sagt es mir, daß nur Du der allein wahre Vater bist und es gibt außer Dir keinen wahren Vater mehr, und ein Sünder soll der sein, der sich diesen Deinen allerheiligsten Namen zueignet und sich auch Vater nennt!
   19] Nein, nein, mich trennt nichts mehr, ewig nichts mehr von Dir, Du mein lieber, heiliger Vater
   20] Hier ward der Jared verlegen und wußte nicht, was er nun reden und tun solle.
   21] Der Abedam aber sagte zu ihm: »Mein Jared, siehe, also soll alle rechte Liebe beschaffen sein! Jetzt erst soll dies Mein wahrhaftiges Töchterchen zwischen Mir und dir verbleiben und morgen auch also in Mein und dein Haus ziehen!
   22] Denn Ich tat solches nun zu einer Probe für sie und für euch alle! Daher sei du, Mein lieber Jared, nur ganz vollkommen ruhig; denn es geht nichts außer Meiner vorbestimmten Ordnung.
   23] Das Wort der Pura über den rechten Vater aber soll jedermann zur tüchtigen Lehre dienen, damit er vollends wisse, wer da allein dieses Namens vollwürdig ist; und so denn verbleibe auch du hier bis zum morgigen Tage bei Mir - und dann aber auch ewig! Amen.«


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