Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 135. Kapitel: Ordnungsgemäße und ordnungswidrige Zeugung.

   01] Als der Mahalaleel diese Lektion vom hohen Abedam vernommen hatte, war er auch vollends zufriedengestellt, dankte mit dem gerührtesten Herzen und wollte sich entfernen; aber der Abedam sagte zu ihm:
   02] »Mahalaleel, Ich sage dir, bleibe noch: denn dein Herz ist noch nicht völlig erleuchtet, darüber du hast gestellt deine Frage! Also aber, wie du bist, möchtest du aus dir noch in so manche Irrtümer geraten; darum soll dir noch mehr Licht werden!
   03] Siehe, du bist zwar mit allem einverstanden, was Ich dir kundgab über deine Frage; aber nur in dir selbst erschaust du noch den rechten Grund dessen nicht, darum Ich dir die blinde oder ungeordnete Zeugung als sündhaft dargetan habe, und so will Ich dir denn auch diesen Grund zeigen.
   04] Also aber lautet dieser: Alles, was da Seele heißt und im freien Zustande die ganze unendliche Räumlichkeit erfüllt und im Geisterreiche eine zu bewohnende Unterlage ist für alle zahllosen Heere der Engel und Geister aller Arten, sind Meine freien, noch ungefesteten Gedanken; diese Meine stets lebendigen Gedanken erfüllen aber nicht nur alles das bereits Gesagte, sondern sie sind auch die lebendigen Gefäße oder Träger des Lebens aller Wesen aus Mir.
   05] Nun achte wohl: Wenn Ich da will einen Meiner Gedanken fangen und dann festhalten, so umfasse Ich ihn mit Liebe! Wenn solches geschehen ist, dann auch kann der von Meiner Liebe ergriffene Gedanke sich nicht mehr gleich den zahllos anderen nicht ergriffenen aufschwingen in die unendlichen Kreise Meines eigentlichen göttlichen Seins und Wirkens, sondern er bleibt dann schon als eine beständige Form lebendig wie vor Mir; soll dann aber diese Form sich selbst vor Mir bewußt werden, so wird diese also gestellte Form nicht nur von Meiner Liebe umfangen, sondern auch allenthalben durchdrungen.
   06] Dadurch geschieht dann ein Drängen und ein Reiben zwischen der Form und der Liebe. Was aber ist die natürlichste Folge solchen Drängens?
   07] Nichts anderes, als daß die durch die Liebe von allen und in allen Teilen bedrängte Form anfängt, einen Widerstand zu leisten, wenn sie von der Liebe zu sehr in Beschlag genommen.
   08] Da aber ferners bei jeder Nötigung und Drängung hauptsächlich der Mittelpunkt doch sicher die zumeist bedrängte Stelle jeder vollkommenen Form ist, so leistet sie auch allda in der ganzen Form sicher den größtmöglichsten Widerstand.
   09] Wo aber der größte Widerstand ist, da ist auch die Tätigkeit am größten.
   10] Ihr wisset aber alle schon aus eigener Erfahrung doppelt, daß da bei allen übermäßig starken Drängungen Entzündungen bewirkt werden, wie zum Beispiel wenn jemand zwei Stücke Holz sehr fest aneinander reiben möchte, da (wobei) sie sich dann bald entzünden würden, oder zwei Steine.
   11] Oder wenn jemand von euch da wird von etwas befangen, entweder von der Widerspenstigkeit eines andern oder von irgendeinem Anblicke, der ihm äußerst angenehm ist, und so auch noch entweder von etwas arg Gehörtem oder von vorteilhaftest Vernommenem, wodurch doch sicher ein jeder bei solcher Gelegenheit ein gewisses Erbrennen seines Herzens notwendig gewahren muß!
   12] Siehe, jetzt haben wir die Sache schon! Da eben solches Erbrennen allzeit mit einer leuchtenden Flamme verbunden ist, welche da gleich ist dem Leben Meiner ewigen Liebe Selbst, da wird ja die von der Liebe gefangene und gedrängte Form doch notwendig durchleuchtet, geht endlich selbst in allen ihren Teilen in die Bewegung der vom Mittelpunkte aus emporlodernden Flamme über, wird dadurch lebendig und im eigenen Lichte sich selbst frei bewußt.
   13] Will Ich dann auch, daß ein solcher auf diese Art gehaltener Gedanke fortbestehe, so wird er alsbald solid und bleibt immerdar dann wie vor Mir.
   14] Will Ich aber nicht, so ziehe Ich Meine Liebe wieder hinweg aus und von der Form; diese wird dann wieder frei und flott und steigt wieder, freilich dann nur allein Mir sichtbar bewußt wie dir dein eigener Gedanke, empor in die unendlichen Kreise Meiner Göttlichkeit!
   15] Siehe, das ist Meine Ordnung, aus welcher alle Dinge hervorgegangen sind! Wenn du nun zeugst deinesgleichen aus dieser Ordnung heraus, aus der du von Mir Selbst bist geschaffen und gewisserart gezeugt worden, so ist deine Zeugung ja gerecht, da sie ist in der Ordnung, in welcher Ich Selbst bin.
   16] Zeugst du aber nur blind oder taub, dann zeugst du nicht, sondern zerstörst nur, was Ich Selbst fürs ewig freie Sein geschaffen und gezeugt hatte, und das ist dann doch natürlich wider Meinen Willen, welcher - wie Ich ehedem gezeigt - ja nur allein ist das eigentliche fest bestimmte Sein jedes von Mir gezeugten und geschaffenen Wesens.
   17] Solchem Meinem Willen entgegenhandeln aber ist ja die Sünde oder der Tod des von Mir gezeugten Wesens!
   18] Daher muß die Zeugung in aller Ordnung geschehen!
   19] Nun erst hast du Licht und kannst dich begeben auf deinen Platz! Amen.«


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