Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 129. Kapitel: Des Sängers Kenans Lied über das Leben.

   01] Diese kurze Vertröstung genügte vollkommen, nicht nur den andern Abedam, sondern auch alle anderen aufgeregten Gemüter wieder zur vorigen Ruhe und Ordnung zu bringen.
   02] Nachdem sich somit wieder alles gegeben hatte, berief der hohe Abedam alsbald den Kenan zu Sich und sagte zu ihm:
   03] »Kenan, du wohlgeordneter Sänger Meiner Tage, Ich erblicke schon seit längerer Zeit ein gutes Lied in deiner Seele, und sehe, wie es dich drängt, darob du es von dir geben möchtest Mir zum freien Preise; siehe, jetzt ist die Zeit da, und also gib es von dir! Amen.«
   04] Diese Aufforderung war für den Kenan mehr, als so er alsogleich wäre von Mir zum ersten Lichtengel aller Himmel erhoben worden, und so fing er denn auch alsbald an, folgendes in ihm schon lange ruhende Preislied von sich zu geben, welches also lautete:
   05] »Heiliger Vater, Du ewige Liebe, Du endloser Gott, Du, ein Herr aller Stärke und Macht und der Kraft, welche endlose Fülle des Lebens in reinster Liebe bist Du!
   06] O Du heiliges Leben, Du reinste Wonne der Wesen, der Menschen und Engel, Du bist zu erhaben, zu herrlich, zu selig, als daß Du mit menschlicher Zunge gepriesen und würdig mit unseren kreischenden Worten gelobt könntest werden!
   07] Daher nimm auch dieses mein Loblied so auf, wie es ist gleich dem der es hier, nichtig vor Dir, Dir zum Lobe und Preise darbringet!
   08] Das Leben, das Leben, wie süß ist das Leben, wie wundervollst herrlich für den, der es würdig und dankbarst genießet also, wie es Deine endloseste Liebe, o heiliger Vater, ihm treu'st hat gegeben!
   09] Welch endlose Freiheit, und welche von jeglichem Zwange und Drucke befreiete Fülle in jedem Gedanken und jeder Empfindung und Wendung des Geistes!
   10] Wo ist wohl der Ort, ja wo irgendein Punkt im unendlichen Raume, der fremd meinem Geiste soll bleiben, der nicht zu erschauen da wäre und nicht zu begreifen und fassen in all seinen Teilen?!
   11] Wo leuchtet die Sonne, wo schimmert aus endlosen Fernen ein leisester Strahl ihres leuchtenden Seins das mein Geist erst in lange gemessenen Räumen der Zeit möcht' erreichen?!
   12] O Menschen, o Brüder und Väter und Kinder! Versucht es einmal, seht dort hinten gar tiefst an des Firmaments Ende, da schimmert ganz leise ein winzigstes Sternchen!
   13] Versucht es mit euerem Geist' zu erreichen, und prüft dann die Zeit eurer geistigen Mühe, - ich sage: Mit eins werd't ihr's haben und innerlich schauen die herrlichsten Wunder des lieblichsten Lichtes!
   14] Dies Pünktlein dem fleischlichen Auge, wie groß ist's dem Geiste, dem Leben aus Gott! Eine mächtige Sonne, voll Wunder des Lebens der Liebe des heiligen Vaters!
   15] O sehet, wie frei und wie leicht hat der ewige Geist uns'rer Herzen, dies wunderbar Leben in uns, all die endlosen Räume besieget; da stand er, in furchtbarer Tiefe ein mächtiger Held, und erschaute mit heiliger Scheue das schimmernde Pünktchen zu einer unnennbar erhabenen Sonne voll Wunder des Lebens der Liebe des heiligen Vaters erwachsen!
   16] O was ist das Leben?! - Du göttliches Leben, du schauest und denkest und empfindest die Wunder der göttlichen Milde und bist hier in aller der endlosen Fülle der Wunder gar selbsten der Wunder allgrößtest und schauest und fühlest und liebest den Vater, den ewig unendlich allmächtigen Schöpfer vor dir und in dir!
   17] O du herrliches Leben, welch heilig's Geschenk bist du dem, das nicht war und nun ist und sich wonnevollst freut im Angesicht Dessen des Seins, ja des ewigen Seins, der es unnennbar liebend für ewige Dauer aus Sich hat gestaltet!
   18] O Väter und Brüder und Kinder, hier ist Er, der Vater, der heilige Geber des Lebens; hier fallen wir nieder vor Ihm, vor dem Schöpfer, dem heiligen Vater, und danken und preisen in reinester Liebe der Herzen wir Ihn, da so liebvollst gegeben Er hat uns das herrliche, heilige Leben der Liebe aus Ihm!
   19] Sprecht Amen mit mir all ihr Väter und Brüder und Kinder!
   20] Und Du, o mein heiliger Vater, nimm gnädig dies kärgliche Liedchen so auf, als wär's etwas vor Dir, und laß allzeit mich loben und preisen das herrliche Leben der Liebe aus Dir!
   21] O Du heiliger Vater, Dir Ehre und Lob ewig! Amen!«


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