Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 103. Kapitel: Speisung von Armen. Seths Doppelgängerschaft. Gottes Segensworte zum Mahl und Horadals Dank.

   01] Nach dieser Rede aber wandte sich der Abedam an den Seth und sagte zu ihm: »Bruder, laß durch deine Kinder Speise und Trank holen für diese dreifach Armen und ebenso vielfach Hungrigen und Durstigen, damit sie zum Weiterziehen in das für sie bestimmte Land gestärkt werden in gerechtem Maße!
   02] Denn siehe, bis auf die Helfershelfer des Befehlshabers samt ihren Weibern und Kindern haben alle andern, einige Tausende an der Zahl, seit drei Tagen nichts gegessen außer etwas saures Gras und einige bittere, wilde Waldwurzeln!
   03] Mich dauert daher dieses Volkes; darum wollen wir sie sättigen.
   04] Du besorgst die Speise und den Trank, und machst davon zehn Körbe voll; für den gerechten Segen aber werde dann schon Ich Sorge tragen. Also geschehe es!
   05] Mit dem allergerührtesten Herzen dankte der Seth dem Abedam für diesen Auftrag und ging dann alsbald, zu vollziehen den Willen des Abedam.
   06] Wie aber erstaunte er, als, wie er kaum einige Schritte über die Höhe hinab tat, ihm schon seine Kinder mit zehn voll beladenen Körben entgegeneilten!
   07] Hier blieb er stehen und legte vor übergroßen Freuden weinend seine Hände kreuzweise auf seine Brust; in dieser Stellung erwartete er seine Kinder.
   08] Als diese aber vollends zu ihm gelangten, da fragte er sie voll Liebe und Freude in seinem Herzen:
   09] »Meine lieben Kinder Wahrlich,' meine Freude hat vor lauter himmlischer Fülle keine Grenzen mehr, darum ihr mir zuvorgekommen seid in dem, weshalb Ich vom überheiligen Vater hierher beschickt wurde.
   10] Aber nur das sagt mir, welcher Engel des Himmels euch solches zu tun beheißen hatte, darob ich euch erst kund geben wollte den Willen des Allerheiligsten?!«
   11] Und die Tragenden antworteten: »Höre, Vater, wie ist solche Frage möglich von dir an uns nun, während doch du selbst es warst und hast uns die Weisung gegeben, solches zu tun?
   12] Nachdem du aber solches uns anbefohlen hast, da gingst du ja vor uns hierher, wo du uns erwartet hast, wie du es genau gesagt hast!«
   13] Bei dieser Antwort schlug der fromme Seth die Hände aus übergroßen Freuden über dem Haupte zusammen und sagte mit lauter, gerührtester Stimme:
   14] »O Du heiliger Vater Abedam Jehova der Allerhöchste! Welche Dinge und Erscheinungen sind Dir doch alles mit der allergrößten Leichtigkeit möglich!
   15] Du kannst den Menschen teilen sogar, also, daß kein auch völlig ganzer Teil von dem andern etwas weiß, und dennoch handeln die also getrennten Teile in einem und demselben Geiste!
   16] Kinder, sehet, das ist schon wieder eine neue Wundertat des allerhöchsten, allerheiligsten und liebevollsten Vaters!
   17] Daher lobet, liebet und preiset Ihn aus allen euren Kräften; denn Seine Güte hat keine Grenzen, und Seiner Erbarmungen ist kein Ende!
   18] Himmel und Erde sind voll Seines Segens und Seiner Gnade; daher sei hochgelobt Sein allerheiligster Name!
   19] O Vater, Vater, wie unendlich gut bist Du!«
   20] Als der Seth diesen Ruf tat, da auch war schon der Abedam bei ihm und sagte zu ihm mit einer ergreifendst sanften Stimme:
   21] »Geliebter Bruder Seth, siehe, die Armen harren schon unserer Gabe; daher laß uns eilen dahin!
   22] Daß du Mich nun vollkommen recht liebest, des sei versichert; denn Ich ja gebe dir dieses Zeugnis!
   23] Und so bist du ja vollkommen ein Mann nach Meinem Herzen; daher laß uns jetzt vorderhand unser Liebesgeschäft verrichten!
   24] Ist das alles geschlichtet, sodann erst wollen wir uns gegenseitig eine ganz vollkommen lebendigste Liebeerklärung machen! Amen.«
   25] Und sofort begaben sie sich mit den Trägern hin zu den Kindern aus der Tiefe.
   26] Daselbst angelangt, ließ der Abedam die Körbe vor dem Horadal niederstellen und segnete sie.
   27] Nach dieser Handlung aber übergab Er ihm die Körbe und sagte zu ihm, dem Horadal nämlich:
   28] »Nehmet hin diese Speise und diesen Trank, und esset und trinket alle davon; was ihr nicht werdet aufzuzehren imstande sein, das möget ihr mit euch nehmen, damit ihr für heute versorgt seid!
   29] Für morgen und alle Zukunft aber wird euch die Erde versorgen aus Meinem großen Vorrate in ihr, solange ihr verbleiben werdet in Meinem Gebote, das Ich euch in das neue Land mitgeben werde; und also esset und trinket nun! Amen!«
   30] Der Horadal aber, als er solche große Freundlichkeit an dem Jehova entdeckte, fiel alsbald hin zu den Füßen Jehovas und schrie:
   31] »O Gott, Du großer Gott, wie ganz anders bist Du, als ich Dich durch so viele harte und grauenhafte Lehren habe müssen kennenlernen!
   32] Als einen unerbittlichsten Tyrannen aller Tyrannen mußte ich Dich erschauen also, daß sich das Gefühl jeder einzelnen Fiber dagegen empörte und ich solch einem Gotte fluchte in mir, statt Ihn zu lieben; darum auch wurde ich selbst ein Tyrann!
   33] Aber wie so ganz anders bist Du! Anstatt mich, der Dich so oftmals verlästert hatte, samt meinem Heere zu vernichten, reichest Du uns gesegnete Speise und Trank!
   34] O wie ganz anders bist Du, als ich Dich habe müssen kennenlernen!
   35] O Gott, Du ewige Liebe! Welch ein sanftes Gericht hältst Du über unsere gänzliche Verworfenheit!«
   36] Der Abedam aber sagte darauf zu ihm: »Horadal, jetzt iß und trink; nach der Mahlzeit aber wollen wir erst zu einer Rede übergehen! Amen.«


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