Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 71. Kapitel: Die Deutung des von Juribael Geschauten durch Abedam d. H. Das Lebensgeheimnis der Demut und Liebe zu Gott.

   01] Nach diesen Worten aber fiel der Juribael, von seiner mächtigen Liebe gedrungen, hin zu den Füßen des Abedam und machte auf diese Art seiner mächtigen Liebe gewissermaßen Luft.
   02] Und so lag der Heißliebende in der vollsten Demut und tiefsten Dankbarkeit seines Herzens zu den Füßen seines Gottes, seines Schöpfers und seines Vaters.
   03] Aber der Vater beugte sich gar bald zu ihm nieder und erhob ihn hinauf zur heiligen Brust, damit er da einatme das wahre, ewige Leben aus derselben Urquelle alles Lebens, aus welcher alle endlosen Ewigkeiten ihr Sein und ihr Leben gesogen haben und auch ewig saugen werden.
   04] An diese heilige Brust also drückte nun der heilige, liebevollste Vater den Juribael, darum sogar dessen Fleisch erfüllt mit der Liebe zum heiligen, liebevollsten Vater ward.
   05] Da ihn aber der ewige, heilige Vater also umfangen hielt mit den Armen der ewigen und unendlichen Vaterliebe, da auch richtete er folgende Worte an ihn, sagend nämlich:
   06] »Juribael, siehe, nun lebst du erst wahrhaft, und dieses Leben wird nimmer können von dir genommen werden; denn jetzt habe Ich es dir gegeben, und du hast es jetzt wahrhaft genommen aus Mir, deinem ewigen, heiligen, liebevollsten Vater.
   07] Siehe, das ist aber der ewig lichte Ring in deinem Herzen, daß du nun lebst aus Meiner Liebe in dir! Denn Meine Liebe im Herzen Meiner Kinder ist ein Kreis, der sich stets vervielfältigt und vergrößert ins Endlose; und diese Kreise, die da geworden sind durch diese ewige Vervielfachung des einen Kreises, hängen aneinander wie die Glieder einer Kette oder wie das Gewinde einer Schnecke, wo jedes Gewinde größer wird und geräumiger und freier, und jedes näher und näher, und stets näher der großen Ausmündung in den ewigen, unendlichen Raum, welcher im Geiste ist der allerhöchste Vollgenuß Meiner ewigen unendlichen Vaterliebe und aller Gnade und Weisheit aus ihr.
   08] Und dieser Vollgenuß ist das allereigentlichste ewige Leben in aller Freiheit des Gnadengebrauches nach der urewigen Weisheit aus Mir, welche da wird jedem zu eigen, der Mir ward ein gerechtes Kind Meiner Liebe durch seine Liebe, welche da ist vom Grunde aus Meine Liebe in ihm und macht ihn zum Kinde Meiner Liebe durch diese Meine Liebe in ihm.
   09] Siehe nun, Mein geliebter Juribael, das ist alles dein Gesicht, welches dir gezeigt hat den rechten Weg zu Mir, deinem und euer aller heiligstem Vater! Diesen Weg sollen alle wandeln, und der hohe Sinn Meiner Absicht mit und in euch würde da bald gar helle leuchtend vor euch enthüllt werden, und ihr würdet da nicht fragen: ,Wo, woher und von wannen?', sondern in sich würde es jeder finden, wie die Liebe, so den Geist, welcher ist ein Träger der Liebe, und so das ewige Leben, welches ist die Liebe, und also auch den hohen Sinn Meiner Absicht, welches alles da ist die ewige, allervollkommenste Freiheit zufolge Meiner ewigen und unendlichen Weisheit, welche da ist die urewige Ordnung aller Dinge und alles Seins.
   10] So aber da jemand nicht wandelt diesen Weg, wahrlich, sage da Ich euch, er wird sich zu Tode suchen und wird aber doch nimmer den rechten und kürzesten Weg finden, darum (weil) dieser ist ein Weg der Liebe und alles Lebens aus ihr, aber nicht ein Weg des finstersten Eigensinns, in dem auch nicht ein allerleisester Funke Meiner Liebe waltet.
   11] Und wenn darin schon irgend eine Liebe waltet, so ist sie aber doch nur eine geraubte Liebe, welche sich da irgendein Dieb zu eigen gemacht hat und lebt dann aus dieser geraubten Liebe, welche da ist eine barste Eigenliebe.
   12] Aber das Leben einer solchen Liebe dauert nicht ewig, sondern nur sehr kurz diese Zeit hindurch, in der sich solche Liebe bald verzehren wird da sie von Meiner Vaterliebe abgetrennt wurde und somit keinen Zufluß mehr hat.
   13] Ja, es verhält sich mit solcher Eigenliebe also wie mit einem Öllichte, wenn da jemand nimmt in ein Gefäß einiges Öl, das da an den verschiedenen Punkten der Berge aus kleinen Quellchen des fetten Gesteines aufsteigt zur heilenden Düngung des mageren Erdreiches, und zündet es an! Es wird zwar wohl alsbald zu brennen anfangen, wenn es sich aber verzehren wird durch das Brennen, wird da das leergewordene Gefäß wohl auch fortbrennen, wenn kein neues Ölhinzugetan wird?
   14] O mitnichten, sondern da wird mit dem Öle auch die Flamme ausgehen, und es wird finster werden das Gefäß und kalt und tot.
   15] Wenn du aber an der Quelle das Öl anzündest und verwahrst den Ort, da das Ölquellchen in lichter Flamme lodert, vor argen Winden und einer Wasserüberflutung, so wird die Flamme ewig nimmer erlöschen, sondern nur stets herrlicher fortlodern dieweil solche Flamme nach und nach die Stelle weit um sich mehr und mehr erwärmen und daher auch stets mehr Öl dem inneren Urborne entlocken wird!
   16] Siehe nun, Mein geliebter Juribael, wer demnach seine Liebe im Herzen zu Mir wendet und Mich für ewig in dieser seiner Liebe ergreift, der hat das Ölseines Lebens an der Quelle entzündet, und diese Flamme wird nimmerdar erlöschen, sondern ihm sein ein ewiges lebendiges Licht!
   17] Du hast aber jetzt das Öl deines Lebens an der Quelle angezündet: darum sei froh, denn in diesem Lichte hast du den Vater als das urewige Licht gefunden!
   18] Und so lasse uns denn nun auch den Oalim befragen und dann vernehmen sein Gesicht! Amen.«


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