Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 66. Kapitel: Abedams Rede über die wahre Verehrung Gottes und vom rechten Geben.

   01] Nach dieser Rede und heiligen Lehre Abedams fiel der Horidael, vom übergroßen Dankgefühle ergriffen, vor dem Abedam nieder und weinte da aus großer Liebe und Freude aus ihr; und da war niemand auf der Höhe, der da in diesem Momente trockenen Herzens und trockener Augen geblieben wäre.
   02] Der Abedam aber hieß dessenungeachtet den Horidael doch alsbald wieder erstehen, und zwar unter folgenden Worten:
   03] »Horidael, erstehe So du im Herzen voll Liebe und demütig bist, so ist das der Dankbarkeit über und über genug, und das Auf-der-Erde-Liegen kann da ganz ratgehalten (entbehrt) werden.
   04] Denn was da betrifft die Gebärdung des Leibes, so ist sie eher ein Greuel vor Mir als eine Mir wohlgefällige Tugend, besonders, so da jemand glauben möchte, daß da Mir schon genügen möchten des Auges Tränen, welche ein etwas schmerzlicher Augenblick hervorgerufen hat, da doch zuvor das Herz sich ganz wenig mit Mir beschäftigt hatte, oder andere frömmlich aussehenden Gestionen (Gebärden) des Leibes, von denen das Herz der Seele und der lebendige Geist in ihm oft nicht die allerleiseste Kenntnis haben und somit auch nicht die geringste Notiz nehmen, geschweige dann erst die wahrhaft lebendig-demütige Ursache solcher frömmlicher Leibesgestionen sind.
   05] Ich sage dir aber und sage es allen, daß Ich ein allervollkommenster Geist bin.
   06] Wer demnach nicht im Geiste seiner Liebe zu Mir kommt und Mich bittet und dankt im selben Geiste der Liebe, wahrlich, den werde Ich eher nicht ansehen und erhören, als bis er sich völlig gebrochen hat und eingegangen ist in seine innere Welt und Mir da gebracht hat ein neues, lebendiges Opfer der reinen Liebe im Herzen seiner Seele, in welchem da wohnt der lebendige Geist, ein alter Abstämmling Meiner ewigen Liebe!
   07] Da aber bei dir der Fall nicht ist, als wäre dein Geist ein Laie von allem dem, was da nun vorging und nun noch vorgeht, sondern gerade das Gegenteil, wodurch du als Geist nun ganz vollkommen ein Herr in deinem Hause (Leibe) bist und somit auch Liebe zu Mir in allen deinen Teilen hast, was soll da demnach das Erdliegen für eine Bedeutung haben?!
   08] Ich sage dir, Mein geliebter Horidael, lasse solche alten, nichtssagenden Gewohnheiten, welche nur in die Tiefe hinab gehören, und erhebe dich zu einem freien Menschen!
   09] Wer da aber seine Knie beugt vor Mir, der beuge sie im Geiste und aller Wahrheit, was da bezeichnet die allzeit gerechte Demut des Herzens, - aber nicht die Knie seines Leibes, an denen wenig gelegen ist, ob sie gerade oder krumm gehalten werden!
   10] Denn daß jeder sein fleischliches Knie beugen kann, wann er will, das zeigt er ja beim Gehen; wenn es sonach Mir gedient wäre mit dem Beugen der fleischlichen Knie, da wäre ja des Gebetes in großer Genüge, so jemand hin und her ginge, ohne sich dabei um etwas Weiteres bekümmern zu dürfen.
   11] Aber was soll das Kniebeugen und das Erdliegen denn Mir sein von euch Kindern, denen allen Ich gegeben habe einen lebendigen Geist?!
   12] Sehet, auch die Tiere können die Gelenke ihrer Füße gar wohl beugen und können sich auch auf die Erde niederlegen!
   13] So ihr Mich aber damit ehren wollt, darinnen kein Unterschied ist zwischen euch und den Tieren, welch Unterschied ist dann wohl zwischen euch und den Tieren selbst?!
   14] Siehe somit, du Mein lieber Horidael, und sehet ihr alle, wie eitel töricht ist da nicht solch ein äußerer Dienst Mir, dem lebendigen, ewigen Gotte; eine tote Verehrung, Liebe- und Anbetung Mir, eurem heiligen, liebevollsten Vater, der Ich Selbst euch gab eine lebendige Seele und in die Seele einen ewigen Geist aller Liebe und Wahrheit aus ihr!
   15] Daher unterlaßt also das in alle Zukunft, das zu nichts taugt, gebraucht weise euren Leib und all seine Glieder zu eurer Notdurft; aber wenn es sich um Mich handelt, da lasset ihr eure Glieder ruhen, als hättet ihr keine!
   16] Mir könnet ihr mit eurem Leibe nichts Wohlgefälliges tun; denn Ich bin ein Geist.
   17] So ihr aber schon auch euren Leib samt eurem Geiste zu Mir erheben wollt, da gebraucht eure Glieder aus Meiner Liebe in euch zum Mir allein wohlgefälligen Bruderdienste, und Ich werde da die Werke eures Leibes ansehen als Werke der Liebe eures Geistes und werde euch dafür geben den verdienten Lohn!
   18] Aber des seid vollkommen versichert: Mit euren Gliedern allein möget ihr alle nichts tun, das Mir wohlgefällig wäre, sondern nur allein mit eurem Herzen und dem lebendigen Geiste im selben!
   19] Wahrlich, sage Ich nun euch allen, wer aber da gibt seinem Bruder ein Stück Brot, oder einen Apfel, eine Birne, eine Nuß, eine Traube, oder ein Schaf, oder eine Kuh, oder einen Stier, oder einen Esel, oder ein Kleid, oder ein Haus, gibt ihm aber dieses nicht aus dem Herzen, sondern aus einer gewissen notwendigen Pflicht, der hat vor Meinen Augen seinem Bruder nichts gegeben, und Ich werde seiner nimmer achten, noch seiner Gabe, - und wäre diese größer denn ein Berg!
   20] So aber jemand wenig hat, gibt aber das aus der Fülle seiner Liebe übergerne dem Bruder, - Ich sage euch, und wäre es nur eine halbe Nuß, so will Ich sie ansehen, als wäre sie eine Erde!
   21] Jetzt wisset ihr alle zur Genüge, was da zu tun ist in dieser Mich ehrenden Hinsicht; kehret euch danach, so werdet ihr euch ewig nimmer zu beklagen haben, als ließe Ich jemands Bitte unerhört!
   22] Und so laßt uns denn den Purhal rufen und vernehmen, was alles er in der Zeit gesehen und treulich vernommen hatte! Amen.«


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