Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 65. Kapitel: Berufung Horidaels zum Schreiber der Entsprechungszeichen.

   01] Und der Abedam reichte dem Horidael Seine Hand hin und hieß ihn sie ergreifen, und der Horidael ergriff sie mit beiden Händen und drückte sie mit aller ihm nur immer möglichen Liebegewalt an seine Brust.
   02] Darauf aber richtete der Abedam alsbald folgende Worte an ihn und sagte: »Horidael, du hast Mir getreu gegeben, was du in dir gefunden hast; so will Ich dich denn zu einem Sucher der verborgenen Schätze des inneren Lebens machen.
   03] Und also sollst du die Zeichen der Entsprechungen haben und durch sie bezeugen jedes Dinges inneren und auch innersten lebendig geistigen Sinn!
   04] Das aber besagt dein Gesicht, daß die Liebe zu Mir soll das Herz stets mehr und mehr erfüllen und es auch alsonach ausdehnen durch die geistige Wärme, und zwar also, wie du es gesehen hast, da du eine Unzahl zuckender Sterne erblicktest, die sich nach und nach zu einem allgemeinen Lichte verbanden und erweiterten dein Herz erst vollkommen dann, da sie in dir eins geworden sind.
   05] Und da in dir ein solch großes Werk vollbracht wurde, siehe, da ward es ruhig in dir, und du sahst die Sterne wieder, und die Sterne erleuchteten deine innere Welt, daß du dich selbst finden mochtest in dir als einen vollkommenen Menschen; und als aber du dich gefunden hast, da wußtest du nicht, wo du warst, daß du darum fragtest.
   06] Und drei Sterne deines eigenen Himmels lösten sich und schwebten vor dein Angesicht hin überhelle leuchtend; aber du verstandest dieses Zeichen noch nicht und fragtest wieder.
   07] Da traten tief zurück die drei Sterne, und der mittlere öffnete sich und verschlang die beiden äußeren; dann vernahmst du erst eine große, donnerähnliche Stimme in dir, welche dir die erste Grundlehre gab über dich selbst und über das, was du werden sollst, und was du tun sollst.
   08] Nun aber fragst du wieder in dir: Aber die Sterne, Sterne, was sind denn die Sterne in mir? Warum zuckten sie anfangs also gewaltigst? Warum und wie wurden sie eins, und wie und warum hernach wieder in einzelne gesondert und zur Ruhe gebracht?'
   09] Siehe, die Sterne sind anfangs nichts als die in die Seele von der Außenwelt aufgenommenen Wißtümlichkeiten oder der Verstand im engeren Sinne des Wortes und der Bedeutung.
   10] Das Hinundherzucken der Sterne aber bezeichnet das Suchen der Seele in sich nach den Wegen der Wahrheit und des Lebens.
   11] Das Einswerden des Lichtes der Sterne bezeichnet, daß die Seele aus allen ihren Kräften Mich ergriffen hat.
   12] Das darauf dann wieder erfolgte Einzel- und Ruhigwerden der Sterne aber besagt, daß sich durch die alleinige Liebe zu Mir das sich selbst suchende Leben in seinem Urgrunde gefunden hat, der da unendlich ist wie das sich in Ihm wiedergefundene Leben in Ihm und durch Ihn.
   13] Darum hast du dich daselbst ermannt und fragtest aus dem Grunde deines Seins: ,Wo bin ich?'
   14] Und die drei gelösten Sterne gaben dir die Antwort; aber du verstandest sie noch nicht. Die Antwort der Sterne vor dir aber besagte, und zwar vom Mittelsterne aus, daß du nun inmitten deiner eigenen Liebe bist selbst Liebe und Leben, zur Aufnahme bereitet alles Lichtes aus Mir, was du daraus ersehen konntest, als da bei deiner zweiten Frage die Sterne endlos erweitert vor dir zurückwichen, darum du ihren endlosen Umfang bemessen konntest, und darauf der mittlere Stern, der da bezeichnete die reinste Liebe, die beiden äußeren in sich aufnahm, die da waren gleich deinem Glauben und gleich deiner früheren Weisheit.
   15] Da aber diese eins wurden, da auch vernahmst du das erste große, lebendige Wort in dir; und das Wort erst lehrte dich erkennen das große Gesicht deines eigenen Lebens in dir selbst.
   16] Dieses Wort aber war Mein Wort in dir oder dasjenige wesenhafte Wort, durch welches du, wie alle Dinge, dereinst geworden bist; und dieses Wort lehrte dich, daß du verstehen sollest die großen, inneren Entsprechungen der Außenwelt zur inneren, lebendigen, ewigen.
   17] Demnach also sollst auch du ein Schreiber werden, aber nicht gleich den übrigen, sondern ein Schreiber der entsprechenden Zeichen des Lebens im Menschen aus all den sichtbaren und unsichtbaren Dingen, welche vom kleinsten bis zum größten die ganze Unendlichkeit erfüllen.
   18] Daher aber werde Ich dir auch andere Zeichen geben; ja ganz freie Zeichen sollst du haben, durch welche an den übrigen Zeichen der anderen soll angedeutet werden, was darinnen des Geistes ist und somit des inneren, ewigen Lebens, oder: was da die anderen aufzeichnen werden für das Auge des Fleisches, und hier und da auch für das der Seele, aber nicht also auch für das des Geistes, da soll von dir der Geist der inneren Wahrheit bezeugt werden.
   19] Also du hast die freien Zeichen der Entsprechungen überkommen! Nun weißt du sie zwar noch nicht zu gebrauchen und kennest nicht einmal die Zeichen selbst; aber alles des sei unbesorgt!
   20] Siehe, in der Schule deines eigenen Herzens, welche du heute zum ersten Male gesehen hast, wirst du alles finden! Der Geist der Liebe in dir wird dich in alle Geheimnisse leiten und dir offenbaren, was bis jetzt vor allen Augen verschlossen war; des sei völlig gewiß! Amen. »


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