Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes' (Band 1)

Kapitelinhalt 140. Kapitel: Emanuel rügt Mathusalahs Scheindank.

   01] Es sah aber Mathusalah, wie sein Sohn Lamech aufgenommen wurde, und freute sich dessen ungemein und ging darob hin zum Emanuel und dankte Ihm für eine so große Gnade, die da widerfahren sei seinem Sohne.
   02] Emanuel aber entgegnete ihm: »Warum bedankst du dich für das, woran du keinen Anteil hast? Warte bis an dich die Reihe kommen wird; dann erst komme und danke!
   03] Hieltest du nicht deinen Sohn am Rocke zurück, als er zu Mir wollte?! Und es hätte dir Freude gemacht, so Ich ihn von Mir gewiesen hätte! Allein da Ich solches nicht tat, sondern behielt den Lamech, so kommst du nun und dankst Mir wider dein Herz!
   04] Siehe, ein solcher Dank ist nicht frei, sondern notgedrungen! Wer aber Mir ein Dankopfer bringen will, des Herz muß frei sein also wie die Liebe da er (der Dank) eine Blüte und eine Frucht der Liebe ist.
   05] Wer somit aber andersartig dankt, als er liebt, dessen Dank ist gleich einer hohlen Frucht, darin kein Kern des Lebens wohnt!
   06] Daher gehe zuvor hin und ordne dein Herz; dann erst komme und opfere deine Gabe, daß Ich sie ansehen und, wenn sie ohne Makel sein wird, auch annehmen werde! Amen.«
   07] Es wurde aber darüber der Mathusalah traurig und sagte bei sich: »O Emanuel, mit Dir ist hart und überschwer auszukommen; denn Du verlangst eine Reinheit des Herzens von mir, die da übersteigt alles, was je die höchste menschliche Weisheit ersinnen möchte!«
   08] Und der Emanuel sprach zu ihm: »Mathusalah, jetzt hat dein Herz wahr gesprochen, und solches ist mehr wert denn deine unzeitige und wurmstichige Dankesfrucht!
   09] Wahrlich, die Weisen und Verständigen der Welt werden an Mir allzeit die größte Not finden und werden sich gewaltig an Mir stoßen! Aber die Kinder werden mit ihrem Vater spielen, und es wird das Spielzeug dem Vater angenehmer sein allzeit und ewig denn alle wenn auch noch so abgemessene Weisheit der sonst überaus trockenen Weisen der Welt!
   10] Verstehe es wohl, und gehe und tue, wie dir geraten! Amen.«
   11] Und der Mathusalah ging und fing an, sein Herz zu durchsuchen, und fand es voll Unrat, daß er sich darob entsetzte, und wollte davonfliehen und sich verbergen in irgendeinem Winkel der weiten Erde.
   12] Da trat ihm aber alsbald der Emanuel in den Weg und sagte: »Mathusalah, du willst fliehen vor Mir und dich verbergen vor Meinem Angesichte; Ich sage dir aber, du wirst keinen Ort finden in der ganzen Unendlichkeit, der da fremd wäre Meinem Auge! Gehst du ans Ende aller Welt, - wahrlich, du wirst Mich finden!
   13] Möchtest du dich versenken in die Tiefe des Meeres, meinst du etwa, daß Ich da nicht sein werde? Oh, du irrst dich gewaltig; siehe, auch die Kreatur des Meeres empfängt die Kost aus Meiner Hand!
   14] Oder wohin möchtest du fliehen, daß Ich auf deiner Flucht dich nicht verfolgen möchte von Schritt zu Tritt?!
   15] Siehe, daher ist dir alles umsonst; und also bleibe, wo du bist, und läutere dein Herz, damit Ich dir dann helfen kann! Amen.«
   16] Und der Mathusalah blieb und beweinte seine Torheit.
   17] Im Verlaufe dieser Reden, welche bei all den Kindern eine große Änderung in ihren Herzen bewirkt hatten, wurde auch der Opferaltar fertig errichtet; und das Holz war auch schon übers Kreuz daraufgelegt, und ein Lamm als Brandopfer war bereitet.
   18] Und so näherte sich voll der in brünstigsten Liebe der Henoch dem Emanuel und sagte: »Herr, unser aller liebevollster Vater, siehe, es ist alles bereitet! Wie willst Du, daß zum sichtbaren Zeichen fürs sündige Fleisch Dir dieses Opfer soll dargebracht werden?'
   19] Und der Emanuel sagte: »Das Holz ist gelegt, wie es sich geziemt, und das Opferlamm, wie es sich geziemt; aber Ich sehe, noch etwas geht ab! Daher, lieber Henoch, gehe hin und hole Mir das Abgängige; denn daran liegt Mir am meisten! Ich sage dir ohne das hätte das Opfer keinen Wert darum gehe, und hole es behende! Amen.«


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