Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes' (Band 1)

Kapitelinhalt 105. Kapitel: Jareds Fragen über Asmahaels Wesen.

   01] Der Zug ging nun waldeinwärts und alles war still; nur der Jared konnte nicht schweigen und fragte den Henoch: »Höre, mein Sohn, haben wir ein Gebot, auf dem Wege zu schweigen?«
   02] Henoch aber entgegnete: »Ich entsinne mich keines, als nur eines Rates, daß man allzeit stille wandeln soll; allein ich nehme aber den Wandel als Leben, aber nicht das Gehen mit den Füßen!«
   03] Und Jared erwiderte: »Wenn es also ist, dann hat auf dem Wege unsere Zunge, wie die Füße, kein hinderndes Band, und wir können ja reden nach Lust; und so gestehe mir, deinem Vater, was an dem Asmahael ist! Ist er ein verkörperter Engel, ausgerüstet mit aller Macht, oder ist er - halt, nicht weiter! - kurz, was du nun meinst, das sage mir! Amen.«
   04] Henoch aber entgegnete kurz: »Lieber Vater, ich sage dir: Er ist - halt, nicht weiter! - und so ist Er vorderhand ein Mensch wie wir, aber voll göttlicher Kraft und Macht - halt, auch da nicht weiter! - Amen; verstehe es! Amen.«
   05] Und wieder begann Jared: »Mein lieber Sohn Henoch, gut wäre es, wenn ich es verstünde! Aber das ist es ja eben, darum ich dich frage, weil ich es nicht « erstehe und doch über alles gern verstehen möchte, was denn so ganz eigentlich an dem Asmahael gelegen ist! Denn siehe, ich war nach deiner früheren Rede ganz beruhigt und war zufrieden mit allem; aber nachdem Asmahael zu uns kam und zu Ende seiner Rede gewisserart herausbrachte, daß, wenn jemand ihn in der eigenen Wohnung aufgenommen habe, oder so er in jemandes Wohnung einziehe, der Ursache habe, sich überglücklich zu fühlen - denn wo er einziehe, da sei auch das ewige Leben eingezogen -!?
   06] Siehe, also in diesem Sinne hat er Worte besonders - wie ich es gemerkt habe - an mich gerichtet! Nun sage mir aber, lieber Henoch, oder begreife es selbst, ob ein aufrecht stehender Mensch nicht mit dem Kopfe auf der Erde herumhüpfen müßte, um solcher Worte Sinn nicht auf ein höher daseiendes Wesen auf der Stelle zu beziehen?!
   07] Welcher Mensch vermöchte solches auch nur gleichnisweise von sich, ja unabgesehen gerade von sich, auszusagen, gerade als wäre er unmittelbar Gott Selbst?
   08] Asmahael aber tut solches, ohne daß er es bezöge auf Gott, sondern gerade nur auf sich! Mag solches auch ein Mensch tun, ohne sich zu fürchten, die Erde müßte aus Zorn und höchster Verachtung den Frevler auf ewige Zeiten übel rächend verschlingen hinab in ihren großen Feuerbauch?!
   09] Siehe, du bist gewiß erleuchtet wie sonst keiner von uns allen; aber getraust du dich, etwas solches gerade von dir auszusagen?
   10] Sicher, du würdest eher den Mund mit Kot dir verstopfen, als daß du mit deiner Zunge möchtest solchen Frevel treiben!
   11] Wer also ist der, der von sich aussagen kann: ,Ich bin das Leben ', oder: ,Wo Ich einziehe, da ist das Leben, ja das ewige Leben eingezogen!'?
   12] Henoch, ich sage dir, wer solches von sich aussagt, und die Erde zürnt ihm nicht, und der mächtige Tiger wird unter ihm zum Lamme, der ist und muß ja so gut, wie ich in meiner Furchtsamkeit ein Mensch nur bin, in seiner sich selbst bewußten Kraft und Macht Gott sein; sonst wäre die ganze Erde selbst nichts als eine zusammengesetzte Lüge, so sie einen Menschen tragen möchte, der sich also für Gott ausgäbe und wäre doch sonst nur ein schwacher Mensch gleich uns, - dessen Gegenteil gleichwohl Asmahaels lebendig machendes Wort schon zur Übergenüge bezeugt.
   13] Nun, so du kannst und magst, widerlege mir meine Aussage; ich aber glaube, solches wirst du gar fein bleibenlassen! Aber um des Wortes willen möchte ich nun von dir eine kurze Meinung vernehmen, und somit rede! Amen.
   14] Henoch aber entgegnete: »Lieber Vater, wenn es also ist, wie du es glaubst, und wie es auch nicht anders sein kann vermöge deiner Erklärung, die auf bestem Grunde gebaut ist, als darin ist ja jedes meiner Nachworte rein überflüssig! Oder sollte ich aus Asmahael das machen, was Er nicht ist, oder machen, daß Er das sei, was Er ohnedies ist? Siehe, solches wäre rein unnütze!
   15] Ich meine aber, wer Gott liebt im Herzen geistig und wahr, wie mag der sich kümmern, ob Asmahael Gott oder ob Gott mit Ihm ist?!
   16] Aber jeder kümmere sich, daß Gott mit ihm selbst sei durch die wahre, reine Liebe zu Ihm!
   17] So du aber Gott liebst, - des sei versichert, daß dir Asmahael nicht gram wird! Und liebst du aber den Asmahael Gott gleich, so wird Gott darob in Seiner Liebe dich nicht vergessen; des sei auch völlig versichert, - du verstehst es doch? Amen.«


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