Leopold Engel (1858-1931): 'Das große Evangelium Johannes', angeblicher 'Band 11', Achtung! krit. Anmerkungen

Kapitelinhalt 025. Kapitel

   01] (Jesus:) »Gott Selbst aber wollte auch ein Ziel, das heißt, eine Norm setzen, die vollendet in sich ist, so daß aus ihr alle unteren und höheren Formen abgeleitet werden können, und so schuf Er die Menschenform als Ausgangspunkt einer auf- und absteigenden Linie.
   02] Betrachtet ihr die Menschenform, so könnt ihr die Tierform daraus ableiten, und betrachtet ihr die Embryonen der Tierformen und des Menschen, so gleichen sie sich im Anfangsstadium völlig und entwickeln sich nach ihrer Seelenintelligenz erst zu dem Geschöpf, das werden soll. Diese anfängliche Gleichheit ist aber auch gleichzeitig der Beweis, daß in jedem Embryo das Bestreben liegt, die Menschenform zu erreichen, da es sonst nicht dieses selbe Aussehen hätte. Gehindert daran wird es nur durch die noch nicht genug hochstehende Seele, welche diese Entwicklung zu besorgen hat.
   03] Im Menschen selbst liegt aber nun diejenige Form, welche von den griechischen Künstlern schon längst als die harmonischste, das heißt die in allen ihren Teilen gleichmäßig zueinander veranlagte, erkannt worden ist.
   04] Es sind in ihr aber nur die Linien angedeutet, welche innegehalten werden müssen, um zweckmäßig als Körper zu dienen, - das heißt nun wieder: Arme, Beine, Kopf, Rumpf bilden ein Ebenmaß, das der Erhaltung des Körpers entspricht und auch dem Empfinden des Seelenmenschen.
   05] Aus dem Betrachten des menschlichen Körpers allein wird jemand ganz leicht die Begriffe schaffen können, ob ein Gebäude zu hoch, zu breit, zu schmal gebaut ist, - was nicht möglich wäre, wenn in ihm nicht die Form gegeben ist, die maßgebend auch für andere Dinge und Geschöpfe sein muß.
   06] In der rein geistigen Welt nun bilden sich aber, je nach dem Fortschreiten der Seele, diese Formenmaße bis zur genauesten Harmonie aus, so daß hier die wahre Schönheit erst recht sichtbar ist. Wer reinen Geistes ist, kann daher in einer Schönheit erstrahlen, die euch geradezu vernichten würde; denn diese ist nur ein Ausdruck der innersten, reinsten Vollkommenheit.
   07] Da jedoch das höchste Gut, außer der Liebe zu Gott, noch die Demut ist, so verschmähen die Geister sehr oft dieses strahlende Äußere und verbergen diese äußere Hülle unter dem Mantel der liebevollen Demut, gleichwie auch Ich als Gott Selbst das Fleisch des Menschen anzog, um einesteils den Geschöpfen den Weg zu zeigen, den sie zu wandeln haben zur Freiwerdung der Seelen, andernteils aber auch aus einem Grunde, der in der Erlösung der Form liegt, weswegen Ich auch gekreuzigt werde.
   08] Ihr seht also, daß in dem Sicherfreuen an der Schönheit und dem Streben der Künstler nach dem Schönen nichts Unrechtes liegt, sondern daß das Empfinden für alles, was schön ist, auch ein Gradmesser sein kann für die Entwicklung der Seele, - stets vorausgesetzt, daß dieses Streben sich in den gerechten Bahnen bewegt. Habt ihr das verstanden?«
   09] Sagten Meine Jünger: »Ja, Herr und Meister, das wohl, wenn das auch ganz anders klingt, als was wir bisher von Dir vernommen haben! Jedoch begreifen wir jetzt immer mehr, welch ein inniger Zusammenhang zwischen Materie und Geist besteht.«
   10] Sagte Rael zu Mir: »Herr und Meister, Du sagtest, daß Du der Erlösung der Form wegen gekreuzigt werden würdest. Wie ist denn das zu verstehen? Doch nicht, daß Du wahrhaft am Kreuze den Tod des Verbrechers erleiden wirst?!«
   11] Sagte Ich: »Mein lieber Rael, lasse dich das jetzt nicht kümmern; denn darüber wirst du noch klarst unterrichtet werden, sondern wisse nur, daß, da Ich die Menschen zu erlösen niederkam, diese Erlösung nicht nur geistig, sondern auch ganz grob materiell geschehen wird, weil, wie die Jünger soeben sagten, Materie und Geist innig zusammenhängen und erstere erst aus letzterem entstanden ist! Der Geist will aber in der ersteren untergehen; daher muß die Materie gesprengt und, um errettet werden zu können, wieder geistig werden. Und das ist die Erlösung der Form, die auch nach bestimmten Gesetzen nur vor sich gehen kann, widrigenfalls die Gottheit Ihre bisherige Schöpfung vernichten müßte, während Sie sie doch erhalten und erlösen will. - Doch, wie gesagt, lassen wir das jetzt, es wird dir das noch alles sonnenklar werden, zwar nicht hier, sondern drüben in Meinem Reiche!«

Krit. Anmerkungen zur Person und den Werken von Leopold Engel


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