Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 177. Kapitel: Vernichtung der Götzenbilder im Hause des Wirtes.

   01] Auf diese Meine Worte fingen alle - sogar auch Meine Apostel - an, Mich sehr zu loben, und sagten: »Nun, o Herr, hast Du über verborgene Dinge wieder einmal ganz klar und vernehmlich gesprochen, und wir erfahren ein rechtes Licht über das Fortleben der Seele nach des Leibes Tode, und wie dasselbe beschaffen ist, und alles, was in dieser Art ist und besteht, kann nur durch Dich, o Herr, allein ins klare Licht gestellt werden, und dafür sei Dir unser aller innerster Herzensdank laut und lebendig ausgesprochen!«
   02] Und Ich sagte darauf: »Und nun denn esset und trinket noch, was da auf dem Tische ist; dann wollen wir uns zur Ruhe begeben und sehen, was der morgige Tag uns zuführen wird!«
   03] Darauf aßen und tranken alle und besprachen sich über Mich viel untereinander. Ich aber aß und trank nichts mehr und ruhte gleichsam von der Tagesmühe. Gegen Mitternacht hin fingen auch die andern an schläfrig zu werden, und der Oberstadtrichter, die Pharisäer und die Juden begaben sich in ihre Wohnungen nach Hause. Ich aber blieb wie gewöhnlich mit Meinen Jüngern die Nacht hindurch am Tische sitzen.
   04] Und der Oberstadtrichter sagte beim Fortgehen dem Wirte, daß er sich ja nicht von weitem unterstehen sollte, uns irgendeine Zeche abzuverlangen; denn er selbst werde dem Wirte die Zeche bezahlen für alle.
   05] Der Wirt aber sagte: »Herr Oberstadtrichter! In diesem Punkte hast du mir ganz leicht zu gebieten, - denn bei dieser Zeche bin nur ich der Schuldner, und alle die Gäste sind meine Gläubiger; denn so sie mir das anrechnen wollten, was sie mir getan haben, so würde ich eine schöne Summe Geldes an sie zu bezahlen haben. Daher sei du unbesorgt, denn bei dieser Gelegenheit bin ich kein Wirt, sondern ein Mensch und, dir gleich, ein lebendigster Freund alles Guten und Wahren und Außerordentlichen. Morgen sehen wir uns wieder!«
   06] Darauf trennten sie sich, und unser Wirt begab sich auch zur Ruhe, obschon er, bevor ihm der Schlaf kam, noch vieles über die Erscheinung des vergangenen Abends mit seinem Weibe und seinen Kindern gesprochen hatte.
   07] Sein Weib aber sowie die Kinder waren noch ganz Heiden von echtem Schrot und Korn, und ihr Schlafgemach war, wo es nur ein Plätzchen gab, ganz voll von römischen und griechischen Statuettchen, teils aus Holz, teils bis Stein, teils aus Erz geformt.
   08] Und der Wirt sagte zu ihr: »Höre du, mein sonst braves und treues Weib! Nachdem wir das Glück hatten, den wirklichen, einen und allein wahren Gott leibhaftig und persönlich kennengelernt zu haben, so werden wir morgen Hand an diese Götzen legen und sie samt und sämtlich vertilgen; denn sie haben uns nie etwas genützt und werden uns künftighin noch weniger je etwas nützen.«
   09] Als der Wirt solches zu seinem Weibe gesprochen hatte, wollte sie anfangs nicht einwilligen; aber sein ältester Sohn, der ein Freigeist war, sagte ganz laut: »Vater, das hätte ich mit dir (deiner Zustimmung) schon lange getan, - allein, der Weiber Glaube ist gar hartnäckig wie ein Stein und läßt kein vernünftiges Wort mit sich reden, obschon sie einsehen sollten, daß alle diese Götzen fürs erste nichts als tote Materie sind, und daß sie fürs zweite noch so schlecht und elend geformt sind, daß sie dem menschlichen Kunstgeiste eine barste Schande machen; denn solch eine Diana von Ephesus sieht ja doch nicht anders aus als wie ein ausgetrockneter Frosch, und aus dem Jupiter kann man machen, was man will!
   10] Ich laß mir diese Figuren noch gefallen, so sie Werke wirklicher Künstler sind; aber diese Figuren, die der Mutter Schlafgemach zieren, sind zumeist Werke von griechischen Hirten, die neben ihren Viehherden dergleichen Figuren entweder aus Holz, Lehm, weichen Steinen oder aus Blei formen, sie dann von den Priestern weihen lassen und endlich große Kisten damit vollpacken und sie den gewissen Bilderkrämern um einen wahren Schandpreis zum Weiterverkauf übergeben. Diese kommen dann in unsere Gegenden, und unsere Weiber haben in ihrer dummen Pietät Geldes genug, um den Krämern so einen elenden Quark abzukaufen. Dafür muß dann aber wieder die Küche leiden, und es wird alles magerer und schlechter auf den Tisch gesetzt, und die fremden Gäste haben dann wahrlich keinen Grund, sich für eine zu gute und fette Bewirtung zu bedanken. Daher lieber etwas mehr Fett und Öl für die Gäste am Tisch, als zuviel solcher närrischer und lächerlicher Götter ins Schlafgemach!
   11] Auf den Apollo, der in halber Lebensgröße sich in einem Winkel des Gastzimmers befindet und schon derart schwarz und verschmiert ist, daß es einem ehrlichen Menschen ekeln muß, solch eine Figur anzusehen, habe ich es schon lange scharf abgesehen gehabt, und morgen werde ich dieser elenden Figur einen Garaus machen!«
   12] Sagte die Mutter, halb erschrocken über den Vorsatz ihres Sohnes: »Ja, ja, gib aber Obacht, daß dich hier nicht der Priester des Apollo ersieht und dich dann als Sacrilegus (Gotteslästerer) bestraft!«
   13] Sagte der Sohn: »Ich habe gar keine Furcht mehr vor ihm! Denn Der uns wunderbarermaßen mit Wein und Fischen versah und auch imstande war, denjenigen Juden und ihren Priestern, die Ihm den Weg in die Stadt herein verwehren wollten, augenblicklich vierzehn grimmige Löwen entgegenzustellen, die ich mit eigenen Augen gesehen habe, der wird wohl auch imstande sein, mich vor dem überdummen Apollopriester in Schutz zu nehmen, und das um so sicherer, weil unser Oberstadtrichter kein Freund von unseren Göttern und deren Priestern ist.
   14] Dieser unser Apollopriester ist aber auch in seinem Verstandeswesen so dumm als möglich und weiß sonst nichts zu erzählen als alte, schon über tausend Male abgedroschene Götterfabeln, frißt dabei wie ein Wolf und säuft wie ein Ochs, besonders wenn er sich von irgendwoher einen Wein verschaffen kann. In diesem besteht seine apollinische Weisheit; und vor solch einem Menschen sollte ich eine Furcht und einen Respekt haben? Wahrlich, da müßte ich mich schämen, selbst ein Mensch und dazu auch noch ein Römer zu sein!«
   15] Sagte der Wirt, ganz zufrieden mit seinem Sohn: »Sei jetzt nur ruhig; morgen wird sich schon zeigen, was sich alles wird machen lassen! Lassen wir nun alles Dem über, der heute in unserem Hause ruht! Er wird schon alles recht machen.«
   16] Darauf ward es denn auch ruhig in des Wirtes Schlafgemach bis zum Morgen, an dem der Wirt einer der ersten war, der da aufwachte und sich sogleich zu uns ins Gastzimmer begab.


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