Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 140. Kapitel: Jesu Gleichnis vom Gutsherrn, der seine Kinder bedürftig in die Welt sandte.

   01] (Jesus:) »Die Pharisäer, diese Wucherer, die ihr vieles Gold und Silber stets für hohe Zinsen an andere große Makler und Wucherer sicher darzuleihen verstehen und ihre hohen Zinsen dann mit Huren und meineidigen Ehebrecherinnen vergeuden und arg verprassen, so aber Arme und Notleidende zu ihnen kommen, zu ihnen sagen: "Wendet euch zu Gott, der wird euch schon helfen; denn wir sind selbst arm und müssen betteln!", - werden vor Mir dereinst schlecht bestehen!
   02] Solche falschen Gottesdiener, die dem Volke wohl auch von der Gottes- und Nächstenliebe predigen, aber sie selbst noch niemals ausgeübt haben, stehen vor Mir als die ärgsten Sünder und Verbrecher da und werden dafür jenseits auch ihren Lohn bei dem Fürsten der Hölle finden, dem sie gedient haben. Denn derlei Hurer, Ehebrecher, Wucherer, Prasser und hierdurch die wahrsten Gotteslästerer werden in Mein Reich nicht eingehen; darum richtet euch nicht nach ihrem Beispiel!
   03] Wer von euch kann da zu seinem Nächsten sagen: "Wende du dich in deiner Not an Gott, den du über alles zu lieben hast, Er wird dir helfen!", - so er doch selbst an Gott nicht glaubt und Ihn um so weniger über alles liebt!
   04] Wer da schon seinen notleidenden Nächsten nicht liebt, den er doch sieht, wie wird er dann Gott über alles lieben, den er nicht sieht? Gottesliebe von seiten des Menschen ist bedingt durch die Liebe zum Nächsten. Wer da sagt, daß es zur Seligkeit genüge, nur Gott allein über alles zu lieben, dabei aber vor seinem armen Nächsten Herz und Tür verschließt, der ist in größter Irre! Denn die Liebe zu Gott ist ohne die Liebe zum Nächsten ewig nicht denkbar und auch nicht möglich. Darum liebet eure Nächsten, weil sie, gleich wie ihr, Gottes Kinder sind, und ihr werdet dadurch auch Gott über alles lieben!
   05] Seht, es war ein gar reicher Gutsmann, der eine Menge Güter hatte, und ein jeder, der bei ihm bedienstet war, hatte ein gutes Leben. Dieser Gutsmann hatte aber auch viele Kinder, die er liebte und sie, damit sie wohlerfahrene Menschen würden, in die Weltschulen hinausgab.
   06] Er gab ihnen aber nur das Nötigste mit in die Weltschulen, auf daß sie sich nicht übernähmen, träge würden und dann zur Verwaltung seiner Güter untauglich werden könnten.
   07] Diesen Kindern ging es denn in den Weltschulen nicht am besten, und sie mußten sich oft recht kümmerlich durchbringen und nicht selten um ein Almosen die fremden Menschen angehen.
   08] Einige der angegangenen Fremden sagten: "Ei, ihr habt ja einen überreichen Vater! Gehet nur den an, er wird euch schon helfen!" und gaben den Kindern nichts.
   09] Einige wenige andere aber dachten sich in ihren milderen Herzen: "Wir wissen es wohl, daß dieser Kinder Vater sehr reich ist und seinen hier studierenden Kindern wohl helfen könnte, so er etwa dagegen nicht gar weise Gründe hatte, - aber die Kinder leiden unter uns einmal sichtlich Not, und wir wollen helfen, so gut wir es vermögen." Also gedacht, und also auch getan!
   10] Nach einiger Zeit aber kam der überreiche Gutsmann selbst in jene fremde Weltstadt, in der seine Kinder die verschiedenen Kenntnisse und Erfahrungen sich zu eigen zu machen hatten, und erkundigte sich um alles, wer da seinen Kindern Liebe erwiesen hatte.
   11] Und seht, die Kinder führten den Vater allenthalben hin, wo ihnen Liebe erwiesen worden war, und der Vater belohnte die Wohltäter seiner Kinder hundertfältig und nahm die ersten Wohltäter auf seine Güter und hielt sie seinen Kindern gleich.
   12] Seht, hier vor euch stehet in Mir der Gutsmann! Die Armen in dieser Welt sind wahrhaft Meine Kinder allenthalben; die Reichen aber sind zumeist Kinder dieser Welt.
   13] Ich lasse Meine Kinder, auf daß sie sich nicht übernehmen sollen, in dieser harten, aber für sie dennoch überaus heilsamen Lebensschule denn auch Not leiden und in ihrer Not vor die Reichen der Welt kommen; was diese Meinen Kindern tun, das werde Ich auch ihnen tun und werde sie belohnen vielfach schon hier und endlosfach in Meinem Reiche.
   14] Wer demnach der Kinder Liebe hat durch seine Liebe zu den Kindern, der hat auch des Vaters Liebe sicher sich erworben und den ewigen Lohn mit ihr. - Verstehet ihr nun, was "Gott über alles lieben" heißt?«


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