Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 131. Kapitel: Jesus über die Notwendigkeit der Vorsicht beim Lehren.

   01] (Jesus:) »Gebet aber allzeit acht, daß nicht irgendwelche Feinde der Wahrheit zu euch kommen als reißende Wölfe in Schafspelzen und euch unter allerlei Gelöbnissen derlei Behelfe entleihen und sie euch dann nicht wieder zurückstellen, auf daß eben das, was ihr die Menschen lehret, nicht zu weit unter die Menschen komme und den Priestern ihre Wahrsagerei dann nichts mehr eintrüge!
   02] Denn so ihr lehren werdet, daß Ich der rechte Messias sei, so wird das besonders den Juden in Jerusalem und auch euren Priestern nicht gar zu besonders viel machen; denn sie werden sagen: "Die Heiden mögen glauben, was sie wollen, wir zu Jerusalem aber bleiben, wie wir sind, und lassen uns von den Heiden nichts vorpredigen!"
   03] Und eure Priester werden sagen: "Das sind noch ganz brauchbare Menschen für uns, die noch ganz lebhaft an einen oder den andern Gott glauben; denn es ist uns schon ohnehin ein ganzes Heer von nichts mehr glaubenden Weltweisen über alle unsere Köpfe gewachsen, und so müssen wir froh sein, noch irgend an eine Gottheit glaubende Menschen anzutreffen, weil wir sie um gar vieles besser brauchen können als alle die hochtrabenden Weltweisen, die uns keine Opfer mehr verabfolgen wollen."
   04] Aber so ihr die wahre Gestalt der Erde nebst allen Erscheinungen - die in ihrer Nähe, die auf ihr und auch weit außer ihr -, ebenso den Mond, die Sonne, die Planeten und die andern Sterne auf eine sehr begreifliche Weise den Menschen werdet zu erklären anfangen und die verschiedenen Priester, die nun zumeist von der Wahrsagerei leben, davon Kunde erhalten werden, so werdet ihr mit ihnen eure Not haben.
   05] Darum seid da vorsichtig, und unterrichtet in solchen Dingen nur solche Menschen, die voraus schon überfest im Glauben an Mich und in der Liebe zu Mir geworden sind, und saget ihnen dann dasselbe, was Ich euch jetzt gesagt habe; und die es beachten werden, die werden bequemen Weges wandeln.
   06] Ich sage es euch: Bis das, was Ich nun von den natürlichen Dingen dieser Welt kundgemacht habe, in die große Menschenmasse übergehen wird, werden mehr denn tausend Erdjahre verstreichen.
   07] Es hängt zwar von all dem des Menschen ewiges Leben nicht ab, denn das wird ihm durch seinen Glauben an den einen allein wahren Gott und durch die treue Erfüllung Seines Willens (zuteil), - doch ist es für den Menschen von großem Nutzen, und das für Seele und Geist, so er nebstbei auch von all dem alten Aberglauben gereinigt wird und Gott dadurch immer heller und klarer erkennt und Ihn dadurch auch sicher stets mehr und mehr lieben wird.«
   08] Auf diese Meine Rede sagten alle: »Wir können noch so gut und uns völlig richtig dünkend eine Sache darstellen, - allein Du, o Herr und Meister, hast am Ende doch ganz allein nur vollkommen recht in allem! Wir sehen es nun schon ganz vollkommen ein, daß es mit der Verbreitung dieser Naturlehre, weil sie zu sehr in die irdischen Vorteile der Priester eingreift, seine sehr fraglichen Wege haben wird, und wir werden uns auch nicht irgend über die Maßen beeilen, sie jedem nächstbesten Menschen aufzudrängen; aber dennoch bitten wir Dich, uns zu dem Behufe mit den nötigen Behelfen zu versehen, auf daß wir bei einer guten Gelegenheit auch in diesem Fache Deinen Namen höchst verherrlichen können.«
   09] Darauf sagte Ich zum Wirte: »Siehe, du hast in diesem deinem Hause nun wohl nur sehr wenig geeigneten Raumes, in welchem man derlei Dinge ganz zweckdienlich unterbringen könnte. Es bleibt Mir demnach auf eure gute Bitte nichts übrig, als deinem Hause eine solche Räumlichkeit anzufügen, in der die früher besprochenen Erklärungsbehelfe ordentlich und zweckdienlich untergebracht und zur rechten Zeit von euch in Meinem Namen gebraucht werden können.
   10] Ich habe denn das nun auch bereits schon ins Werk gesetzt, und so gehen wir denn nun durch das anstoßende kleine Gemach, und aus demselben werden wir durch eine offene Tür in das besagte neue Gemach gelangen, in dem sich schon alles vorfinden wird, was ihr zu den gewissen Erklärungen benötigen werdet!«
   11] Darauf erhoben sich, bis auf einige Meiner alten Jünger, die schon voll Schlafes waren, alle, jung und alt, und gingen mit Mir, anzustaunen das neue Wunder.
   12] Als wir in das gewisserart astronomische und geologische Gemach kamen, das wohl an vier Male so groß war als unser Speisezimmer, da war es völlig aus bei den Bewohnern dieses Ortes. Ich aber zeigte und erklärte dem Wirte die Behelfe, und er begriff alles sogleich und fand alles im höchsten Grade zweckdienlich.
   13] Unter vielen Lobpreisungen Meiner Macht, Liebe und Weisheit kehrten wir wieder in unser Gemach zurück und der Wirt fragte Mich, ob er Mir irgendein gutes Lager für die paar Stunden der noch andauernden Nacht bereiten solle.
   14] Sagte Ich: »Lasse du das; denn Ich bleibe hier am Tische, so wie auch Meine Jünger alle hier am Tische ruhen! Es fängt der Morgen ohnehin schon zu grauen an, und wir werden keiner langen Nachtruhe benötigen.«
   15] Damit war der Wirt zufrieden und setzte sich auch an den Tisch; seine Nachbarn aber begaben sich in ihre Wohnungen und versuchten einzuschlafen; aber ihre Seelen waren noch zu erregt, und so sah es bei ihnen mit dem Schlafe schlecht aus.


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