Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 119. Kapitel: Zusammentreffen der Karawane aus Damaskus mit Jesus.

   01] Und nun wollen wir wieder zu uns selbst zurückkehren und sehen - aber auch in möglichster Kürze -, wie es uns über Aphek hinaus erging.
   02] Als wir uns etwa bei zwei Stunden Weges von der vorbenannten Stadt weit weg befanden, da begegnete uns eine ganz große Handelskarawane, die aus Damaskus nach den Küstenstädten zog, um daselbst ihre Waren an den Mann zu bringen.
   03] Als diese Karawane aber anstatt in der ihr nur zu wohlbekannten wüsten Gegend sich nun in einer ganz blühend gesegneten befand, da kannte sie sich nicht aus und war der Meinung, den Weg verfehlt zu haben.
   04] Als wir mit der Karawane zusammenkamen, da trat der Karawanenführer zu Mir, weil Ich voranging und die Jünger Mir nachfolgten, und fragte Mich, sagend: »Guter Freund, siehe, wir sind Handelsleute aus Damaskus und ziehen alljährlich zweimal den Küstenstädten zu, weil wir daselbst unsere Waren leicht und gut verkaufen können! Wir haben allzeit unsern Weg über Aphek, Golan, Abila, Pella und Genezareth genommen und kennen sonach den Weg sicher gar wohl. Bis hierher können wir den Weg unmöglich verfehlt haben und müßten uns nun schon also in der Nähe der Stadt Aphek befinden, daß wir sie in ein paar Stunden erreichen müßten. Wir kennen aber die Wüste, in der sich die alte Stadt befindet; diese hatte hier, wo die Straße ganz holpericht wird und zwischen diesen schwarzen Basaltfelsen sich durchzuwinden beginnt, ihren Anfang genommen, und wir wußten dann, daß wir uns in der Nähe unserer Bleibestation über die Nacht befinden.
   05] Aber da sieh, hier ist von einer Wüste keine Spur mehr! Alles ist grün, und am Wege stehen Gruppen von Fruchtbäumen aller Art, - und vor kaum einem halben Jahre, als wir auch dieses Weges zogen, sah man kaum hie und da ganz verkümmert irgendein Dorngesträuch! Wir müssen also unsern schon altbekannten Weg denn doch einmal verfehlt haben und wissen nun nicht, wo wir uns befinden und wohin wir uns wenden sollen, um wieder auf den rechten Weg zu gelangen. Ihr aber werdet da sicher ortskundig sein und die Güte und Freundschaft haben, uns das Rechte zu sagen.«
   06] Sagte Ich: »So ihr diesen Weg schon gar oft gemacht habt und er bis zu dieser Stelle kein verfehlter war, so wird er auch von hier weiter noch der rechte sein, indem wir selbst nun auf diesem Wege gerade von Aphek herkommen!«
   07] Sagte der Karawanenführer: »Jawohl, jawohl, du guter Freund kannst schon ganz recht haben; denn die Lage der ganzen Gegend scheint denn doch die uns sehr wohlbekannte zu sein! Aber es gibt dennoch Gegenden, die sich der Gestaltung nach wie Zwillinge ähneln, aber dabei doch ganz andere sind, wie man längs des Euphrat derlei Gegenden häufig antrifft.
   08] Aber ich glaube deiner Aussage, daß wir uns hier schon auf dem ganz rechten Weg nach Aphek hin befinden. Was aber haben die Bürger der Stadt getan, daß sie in so kurzer Zeit die ganz bedeutend große Wüste, in deren Mitte sich die Stadt mit nur wenigen und kleinen Fruchtgärten befand, in ein so üppiges und blühendes Land umgestaltet haben? Woher haben sie das sicher sehr fette Erdreich genommen, um das weithin ganz kahle Gestein zu überkleiden, und mit welchen Mitteln haben sie es herbeigeschafft?«
   09] Wir kennen die Apheker wohl und wissen es, daß sie zu solch einer Arbeit bei weitem nicht die erforderlichen Mittel und ebenso auch nicht die genügenden Arbeitskräfte besitzen; und so das die Gegend um Aphek ist - daran ich nun nicht mehr zweifeln will -, so muß es da wahrlich nicht mit natürlichen Dingen zugegangen sein.
   10] Wären die Apheker irgend altfromme Juden, wie es deren etwelche noch in Damaskus gibt, so könnte man sich denken, daß da irgendein großer Prophet, etwa gleich dem Moses oder Elias, aufgestanden sei, und diese Wüste wunderbar mit Erdreich und darauf mit aller Art Pflanzen und Fruchtbäumen versehen habe. Aber so sind eben die Apheker ganz stockfeste Heiden und bekannte Feinde der Juden, und denen hätte ein Moses oder ein Elias im Namen und in der Kraft Jehovas eine solche Wohltat sicher nicht erwiesen, sondern hätte ihnen schier nur das getan, was Moses dem verstockten Pharao angetan hat und Elias den gewissen Götzenpriestern.
   11] Und so ist die Umwandlung dieser bedeutend großen Gegend ein wahres Rätsel, und wir müssen uns stets mehr und mehr darüber verwundern. Unser Verstand ist da wahrlich zu kurz und zu blöde, um das zu bestimmen, was da vor sich gegangen sein muß. Vergib uns, daß wir euch als auch Reisende über die Gebühr lange an dieser Stelle aufgehalten haben!
   12] Nur eines erlaube, du lieber und sehr gefälliger Freund, mir noch, nämlich dir noch mit einer Frage lästig zu fallen, und diese besteht darin: Habt ihr diese Gegend zuvor niemals besucht, als sie noch eine vollkommene Wüste war? Denn mir kommt es sonderbar vor, daß euch nun das ganz und gar nicht zu befremden scheint, daß sie nun ein fruchtbarstes Land ist.«


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