Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 88. Kapitel: Der Entschluß der Priester.

   01] Hierauf fing der Redner das Versprochene ganz ausführlich zu erzählen an, was er vom Hauptmanne und von Mir vernommen hatte, und alle wurden voll des höchsten Staunens schon während des Erzählens; und als der Redner alles genau wiedergegeben hatte, was er in der Herberge vernommen und was er auch selbst mit dem Hauptmanne und auch mit Mir geredet hatte, da sagten alle: »Wenn also, dann bleibt uns wohl freilich nichts anderes übrig, als völlig zu glauben, daß der Gottmann wahrlich ein lebendiger Gott ist, neben dem kein anderes Wesen als ein Gott anzunehmen und zu verehren ist; und so wir Seine Lehre und durch sie auch Seinen Willen aus dem Munde des Hauptmanns oder aus dem Munde eines andern Kundigen vernehmen werden, so werden wir das zu unserem Lebensgesetze machen und werden danach dann strenge handeln.
   02] Doch unsere Götterlehren und Mythen samt den Statuen und Bildern werden wir für immer hinwegschaffen und auch unsere Kinder in der neuen Lehre unterweisen; ihr Priester aber werdet vor allem dafür sorgen, daß diese neue Lehre von jedermann vernommen, wohl verstanden und in ihrem gesetzlichen Teil strenge beachtet wird.
   03] Aber nun wird es an der Zeit sein, daß wir alle hingehen und dem Gottmanne unsere erste, Ihm allein gebührende, möglich höchste Verehrung darbringen und mit ihr auch den Dank für die von uns nie verdiente Gnade, die Er uns dadurch erwiesen hat, daß Er zu uns kam und Sich uns sichtbar wohl zu erkennen gab.«
   04] Mit diesem Antrag waren alle vollkommen einverstanden, verließen die Priesterburg, begaben sich zu unserer Herberge und wollten auch gleich in dieselbe eintreten.
   05] Da aber der Hauptmann das von Mir erfuhr - wie auch alle, die in der Herberge sich befanden -, was in der Priesterburg verhandelt worden war, so fragte er Mich, ob die Kommenden wohl in die Herberge, wo der Raum ein beschränkter sei, eingelassen werden sollten, oder ob man ihnen bedeuten solle, daß sie draußen warten sollen, bis es Mir genehm wäre, zu ihnen hinauszukommen.
   06] Ich aber sagte: »Lasset sie alle zu Mir kommen, die da mühselig und mit allerlei Nacht belastet sind, und Ich will sie alle erquicken! Die zu Mir wollen, denen soll die Tür aufgetan werden, und sie werden in Mir Den finden, den sie lange vergeblich suchten und mit aller ihrer Weltweisheit nicht finden konnten. Wo Ich bin, da gibt es auch Raum für jeden, der Mich liebt und sucht.«
   07] Als der Hauptmann solches von Mir vernahm, da ging er selbst zur Tür und öffnete sie, als die Angekommenen schon vor der Türe harrten und unter sich berieten, wer von ihnen zuerst in die Herberge treten solle; denn als die bewußten Angekommenen zu der Herberge kamen mit dem Vorsatz, alsogleich in die Herberge einzutreten, befiel sie eine kleine Angst, und es getraute sich keiner, zuerst die Tür zu öffnen.
   08] Als aber der Hauptmann selbst die Tür geöffnet hatte, da verneigten sich die Angekommenen vor ihm, und die beiden Priester fragten ihn, ob sie in die Herberge gehen dürften, um Mir zu geben die Ehre und den Dank für die Gnade, daß Ich auch zu ihnen in diese alte und sehr abgelegene Stadt gekommen sei und Mich von den blinden Menschen habe als der eine, allein wahre Gott erkennen lassen.
   09] Sagte der Hauptmann: »Der Herr hat ein Wohlgefallen an euch, da Er um euer aller Beschluß, den ihr in der Halle gefaßt habt, gar wohl weiß, und so möget ihr nun wohl in die Herberge eintreten!«
   10] Auf diese Antwort des Hauptmanns traten alle mit der höchsten Ehrfurcht in den Speisesaal, verneigten sich tiefst vor Mir, und die beiden Priester hielten eine wohlgeordnete Anrede an Mich und beendeten sie mit dem Dank, den sie alle Mir, schuldigst sich dünkend, darbringen wollten.
   11] Als sie ihre Rede beendet hatten, da erhob Ich Mich, segnete sie und sagte: »Wohl jedem, der zu Mir kommt und Mich erkennt wie ihr nun! Denn wer Mich erkennt, der hat schon ein Licht dazu überkommen von Mir, daß er Mich erkennen und dann an Mich lebendig glauben kann.
   12] Aber es ist dies Licht nun bei euch nur ein kleines Flämmchen in eurer Seele; so ihr aber erst Meine Lehre und mit ihr auch Meinen Willen werdet überkommen haben und werdet danach handeln und leben, so wird euer nunmaliges kleines Licht zu einer Sonne werden, und ihr werdet dann erst in die volle Wahrheit alles Lebens und Seins gelangen und in euch selbst erwecken das ewige Leben.
   13] Der Wirt hier aber wird euch geben die Lehre, die er von Mir erhalten hat, und seine beiden Nachbarn und seine Leute werden für euch rechte Zeugen sein und euch vieles sagen, das ihr nun noch nicht wisset; so ihr aber solches wissen werdet, dann erst werdet ihr über Mich vollends ins klare kommen.
   14] Nun aber setzet euch an einen Tisch und nehmet zu euch etwas Brot und Wein, und stärket eure Glieder; darauf wollen wir noch einiges miteinander besprechen und anordnen.«
   15] Darauf setzten sich die Heidenpriester mit etwelchen ersten Bürgern dieser Stadt an einen noch unbesetzten Tisch, und es ward ihnen alsbald Brot und Wein dargereicht, und sie aßen und tranken ganz wohlgemut; denn sie hatten schon Hunger und Durst.


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