Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 86. Kapitel: Hauptmann Pellagius belehrt die Priester über die Nichtigkeit des Götzendienstes.

   01] Sagte darauf der Hauptmann: »Geredet hast du nun wohl ganz gut, und es hatte deine Rede einen ganz vernüftigen Sinn; aber sie hat vor mir dennoch nur einen höchst geringen Wert, weil ihr Sinn und die Wahrheit in dir sehr weit voneinander entfernt sind. Denn siehe, fürs erste hast du selbst nicht einen Funken Glauben und Vertrauen an die Götter, was ich dir sowie allen deinen Kollegen auf das handgreiflichste aus meinen vielen Erfahrungen wohl beweisen könnte, - und weil du selbst keinen Glauben an irgendeinen Gott hast, so ist fürs zweite deine Rede vor mir nichts als ein eitel leeres Wortgepränge und hat keinen Wert vor mir.
   02] Ich sage dir aber nun das nicht deshalb, um dich und deine Kollegen eures Benehmens wegen irgend strafen zu wollen; aber das sage und bedeute ich dir damit, daß ihr mit allem eurem weise scheinenden Geschrei vor dem Volke, dessen besserer Teil euch schon lange haarklein durchschaut hat, eine schlechte Wirkung erzielen werdet, besonders in dieser Zeit, in der sich unter den Juden die hellste Wahrheit über das Dasein nur eines allein wahren Gottes und über die Art, wie man Ihn verehren soll, und über die Bestimmung des Menschen zur höchsten Evidenz (Einsicht) auszubreiten anfängt und bereits gar viele der besseren Heiden sich zu dem neuen Glauben der Juden wenden und in ihm einen wahren Trost und eine best- und festest gegründete Beruhigung finden.
   03] So ihr davon sicher auch schon Kunde erhalten habt, - warum habt ihr euch davon noch keine Überzeugung zu verschaffen gesucht, und warum verharret ihr hartnäckig vor dem Volke bei dem, was ihr selbst noch nie geglaubt habt, es aber dennoch das Volk glauben machen wollt durch euer leeres Geschrei?
   04] So ihr in euch von der Nichtigkeit unseres Göttertums überzeugt seid und an sie keinen Glauben habt, so suchet zuerst für euch selbst die Wahrheit; und habt ihr sie irgend gefunden, so enthaltet sie dem nur nach der vollen Wahrheit dürstenden Volke nicht vor, und ihr werdet euch dadurch dem Volke und dem Staat sicher nützlicher erweisen denn durch euer leeres Geschrei!
   05] Machet aus den Götzentempeln Unterkunftswohnungen für eure Armen und Kranken, und kehret auch den Fremden nicht den Rücken, und ihr werdet dadurch die wahre und lebensvolle Gnade bei dem einen, allein wahren Gott finden, die euch sicher mehr nützen wird denn alle die toten Erdschätze, die ihr durch euer unsinniges Geschrei bei allen solchen Gelegenheiten, wie die diesnächtliche war, vom Volke erpreßt habt!«
   06] Sagte hierauf der Heidenpriester: »Hoher Gebieter, du hast nun vollkommen die Wahrheit gesprochen, und es steht mit uns denn auch gerade also; aber wohin sollen wir uns wenden, um jene lebendige Wahrheit zu finden, die uns und auch dem Volke mehr nützen würde als der Besitz aller Schätze der ganzen Erde? Und was sollen wir, so wir diese Wahrheit gefunden und danach auch das Volk belehrt und bekehrt haben würden, unseren Oberpriestern dann erwidern, so sie uns zur Verantwortung zögen darob, daß wir das Volk von dem, was sie lehren und haben wollen, abwendig machen und es zum reinen Judentum bekehren?«
   07] Sagte der Hauptmann: »Wohin ihr euch zu wenden habt, um die reine und lebendige Wahrheit und den einen, allein wahren Gott kennenzulernen und also auch Seinen Willen, da kann ich euch den allerkürzesten Weg zeigen.
   08] Seht, hier mir zur Rechten sitzend ist der Mann, der euch die reinste Wahrheit in aller Fülle zeigen kann, und Er ist auch in Sich eben Derjenige Selbst, dem alle Kräfte und Mächte der Himmel und dieser Erde gehorchen! Werdet ihr das erkennen und wohl einsehen, da wird es euch schon von selbst klar werden, was ihr denen zu sagen habt, die euch danach fragen würden, warum ihr, samt dem euch anvertrauten Volke, zum wahren Judentum übergetreten seid.
   09] Übrigens sind wir Römer in bezug der verschiedenen Götterlehren ja ohnehin sehr duldsam und verwehren niemand seine Art und Weise, in der er sich irgendeine Gottheit vorstellt und an sie glaubt und (auf sie) vertraut, was ihr ebensogut wisset wie ich; denn haben die Römer auch viele Völker in Asien, Afrika und Europa besiegt und zu Untertanen Roms gemacht, so haben sie ihnen doch ihre Götterkunde stets unangetastet gelassen und haben den fremden Göttern auch in Rom Tempel errichtet. Es ist also Rom in dieser Hinsicht duldsam, und ihr habt daher nichts zu befürchten, und hier in Asien um so weniger, indem da ja ohnehin das Judentum als Gotteslehre herrschend ist.
   10] Ich habe euch nun den Weg zur reinen und lebendigen Wahrheit gezeigt, und ihr könnet nun tun, wie es euch beliebt.«


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