Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 84. Kapitel: Jesus über die Bedeutung der Liebe.

   01] Diese Worte des Hauptmanns setzten die beiden Nachbarn ins höchste Staunen, und sie sagten zum Hauptmann: »Hoher Gebieter an der Stelle des großen Kaisers, auch wir danken nun dir und auch unserem biedern Nachbar, daß ihr in uns das bestätigt habt, was wir uns schon am Hügel draußen heimlich gedacht haben, aber nicht laut auszusprechen getrauten! Dieser Mann, den wir seiner Kleidung wegen einen Galiläer nannten, ist der eine, allein wahre Gott nicht nur der Juden, sondern aller Menschen und aller Kreatur! Ihm allein sind untertan alle Mächte und Kräfte der Erde, und der Mond, die Sonne und alle die Sterne loben und preisen Seine ewige Weisheit und Macht. Er ist in Sich der ewige Urgeist, und Gott hat den Menschen auf dieser Erde zuliebe Sich als ein vollkommenster Mensch gezeigt, um uns zu zeigen, daß nur Er allein der Herr von Ewigkeit ist über alles, was die Erde und alle Himmel fassen, die ebenso wie diese Erde Sein Werk sind.
   02] Oh, wie endlos glücklich sind wir nun, daß wir Ihn nun in unserer Gestalt sehen und erkennen können! Nun sollen unsere Priester nur kommen, und wir werden ihnen den Zeus zeigen!«
   03] Hierauf fielen die beiden Nachbarn vor Mir auf die Knie nieder und wollten Mich anbeten; Ich aber hieß sie aufstehen und hören auf Meine Rede. Sie taten das, und Ich lehrte sie bis zum Mittage Meinen Willen und erklärte ihnen viele andere Dinge. Und sie wurden zu Meinen Dienern.
   04] Als Ich die beiden Nachbarn unseres Wirtes in allem wohl belehrt hatte, was vorderhand zu ihrem Seelenheile notwendig war und sie das auch wohl verstanden hatten, da dankten sie Mir aus dem innersten Grunde ihres Herzens, und der eine, der am besten zu reden verstand, sagte: »Wahrlich, bei solch einer Belehrung über Gott, dessen Fülle in Dir, o Herr und Meister, wohnt, und über die Bestimmung der Menschen auf dieser Erde, deren wahre Form und Beschaffenheit Du uns überklar beschrieben hast, hätte es für uns keiner so großen Zeichen, die Du hier gewirkt hast, bedurft, und wir hätten Dich aus dem puren Worte erkannt; denn wir nahmen es in uns nur zu bald wahr, daß jegliches Deiner Worte lebendig ist und in uns wie ein Feuer aus den Himmeln alles, was tot war, durchströmte und belebte, und das wirkte auf uns bei weitem mehr und heller überzeugend denn die Zeichen, die, wenn auch noch so außerordentlich und selten, am Ende denn doch eine Ähnlichkeit mit jenen haben, welche von so manchen Magiern und Priestern durch sicher ganz natürliche, aber uns unbekannte Mittel und Kräfte gewirkt wurden und dem freien Willen und dem Verstande der Menschen allzeit um vieles mehr geschadet denn je irgendwo und -wann genützt haben.
   05] Aber dennoch danken wir Dir, o Herr und Meister, auch für die hier gewirkten großen Zeichen und auch für den schönen, heiteren Tag, der uns durch Deine göttliche Macht zuteil geworden ist; denn die von Dir hier gewirkten Zeichen werden auf unsere stockblinden entweder Abergläuber oder stoischen Allen-Glauben-Verwerfer erst in der Folge, wenn sie von uns werden bearbeitet werden, eine nachhaltig beste Wirkung machen.
   06] Wir sind nun der Zeugen zur Genüge hier, haben auch Mut, nun mit allen Mächten der Nacht und Finsternis unter den Menschen in den Kampf zu treten und auch zu siegen in Deinem Namen, und Du, o Herr und Meister, dem alle Mächte und Kräfte aller Himmel und dieser Erde untertan sind, wirst uns im Kampfe für die lebendige Wahrheit, die wir aus Deinem heiligen Munde vernommen haben, sicher nicht verlassen!«
   07] Sagte Ich: »Dessen könnet ihr, als nun Meine lieben Freunde, völlig versichert sein, und Ich erteile nun auch euch die Macht, die Kranken durch das Auflegen eurer Hände in Meinem Namen zu heilen, mit welch einer Krankheit sie auch behaftet sein möchten, und die bösen Geister aus den von ihnen Besessenen zu treiben. Und also von Mir ausgerüstet, könnet ihr euch schon - doch stets behutsam und klug - mit der Macht der Lüge und des schwarzen Tages in den Kampf begeben, und die Palme des Sieges wird nicht unterm Wege verbleiben.
   08] Doch alles, was ihr tut und tun werdet in Meinem Namen, das tut aus Liebe, um die Liebe im Herzen derer zu wecken und zu beleben, die ihr für Mein Reich gewonnen habt.
   09] Ist deren Liebe in ihren Herzen kräftig und voll Lebens geworden, und werden sie euch irgend Gegenliebe erweisen wollen, so lasset das mit freundlichem Herzen auch angehen; denn nur die mächtige Liebe und Gegenliebe beleben sich und erzeugen ein vollkommenes, neues Leben!
   10] Doch im Anfang müsset ihr, als die zuerst mit der rechten Liebe aus Mir Erfüllten, auch nur mit dieser Liebe zu wirken beginnen! Denn so da jemand, der sich ein rechtes Weib nehmen möchte, sich um die Hand einer Jungfrau bewirbt, zu den Eltern hingeht und seinen Wunsch ausspricht, aber dabei die Jungfrau wie auch ihre Eltern nichts von einer Liebe merken läßt, sondern nur gleich sich um die Größe und um den Wert ihrer Schätze erkundigt, - wird der wohl die Liebe der Jungfrau und ihrer Eltern je für sich gewinnen? Ich meine, daß er dabei schlecht zum erwünschten Ziele gelangen wird. Denn wer die Liebe nicht hat, der wird auch schwer eine Gegenliebe finden. Wer aber mit aller Liebe die Gegenliebe sucht, der wird sie auch finden; und hat er sie gefunden, so wende er sich von ihr nicht ab, so sie ihm mit aller Freude werktätig entgegenkommt.
   11] Seht und nehmt euch alle an Mir ein rechtes Exempel! Ich kam ungerufen aus purer Liebe zu euch hierher und erwies euch sofort auch alle Liebe, ohne irgend von jemand ein Entgelt zu verlangen; da ihr Mich aber erkannt habt und Mir nun mit aller Liebe entgegenkommt, so nehme Ich solche eure Liebe auch mit freudigem Herzen auf und verschmähe es nicht, an eurem Tische mit Meinen Jüngern zu essen und zu trinken. Und würde Ich das nicht tun, möchte das freudig stimmen eure Herzen? Sicher nicht, und so denn erweiset den Menschen zuerst Liebe ohne Entgelt; so euch dann die Menschen mit aller Liebe wieder entgegenkommen, da nehmet - aber allzeit mit Ziel und Maß - von ihnen, was sie euch bieten!
   12] Werdet ihr also handeln, so werdet ihr auch bald Mein Reich auf dieser Erde unter den Menschen in Hülle und Fülle ausgebreitet und keine Not zu erleiden haben.
   13] Wie aber Hochmut, Zorn, Neid, Geiz, Habsucht und dergleichen Laster mehr auch dasselbe bei den andern Menschen hervorrufen, so auch ruft die wahre, uneigennützige Liebe sich selbst bei den andern Menschen hervor; darum tuet alles aus Liebe, und ihr werdet dadurch den Samen der Liebe in die Herzen der andern Menschen säen, der für sie und für euch bald zu einer segensreichsten Ernte wird schon hier, und um so mehr dann erst jenseits im andern und ewigen Leben der Seele durch Meinen Liebegeist in ihr!«    14] Diese Meine Rede begriffen alle wohl und gelobten sie auch im Geiste der vollen Wahrheit zu erfüllen.


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