Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 34. Kapitel: Jesus in der Schule (Synagoge) von Pella.

   01] Darauf führte er uns in die Synagoge, in der durch einen alten Rabbi etliche Judenkinder in der Schrift einen matten Unterricht erhielten.
   02] Und Ich sagte zum Rabbi: »Freund, auf diese Art wirst du aus diesen Kleinen eher Heiden denn Juden heranbilden! So du in der Schrift selbst schlecht bewandert bist, was sollen dann die Kinder von dir lernen? Laß das Lehren stehen, und tue etwas anderes, auf daß ein besserer Lehrer deine Stelle einnehme und bekleide!«
   03] Sagte der Rabbi voll Ärger: »Freund, ich bin hier von der Gemeinde zum Rabbi erwählt! Diese ist mit mir zufrieden, und du als ein Fremder hast dich da nicht zu bekümmern, wie ich die Jungen unterweise. Wir leben hier unter Heiden, und ich muß darum nebst unserer Schrift meine Schüler auch der Römer und Griechen Sitten und Gebräuche kennen lehren, an ihnen das Gute auch lobend anerkennen, auf daß sie mich nicht irgend zur Verantwortung ziehen mögen. Wir sind einmal in diese Welt gestellt und müssen nebst Gott, der uns kein Manna aus den Himmeln mehr regnen läßt, auch der Welt dienen, so wir von ihr leben wollen«.
   04] Sagte Ich: »Weil die Juden, dir gleich, Gottes stets mehr und mehr vergessen haben und schon damals der Welt zu dienen angefangen haben, als Er noch das Manna vom Himmel regnen ließ, so ließ aber Gott auch sie in die harte Knechtschaft der Welt geraten und sich im Schweiße ihres Angesichtes ein mageres Brot erwerben. Und weil nun eben die Juden Gott gegenüber treuloser geworden sind als die Heiden, so wird ihnen auch das wenige Licht, das sie noch haben, genommen und den Heiden gegeben werden.
   05] Wie kannst du denn ein Gott wohlgefälliger Rabbi sein, der du heute für die Judenkinder jüdisch und morgen für die Heidenkinder in eben dieser Synagoge heidnisch lehrst und dich dafür bezahlen läßt?«
   06] Sagte der Rabbi, der Mich für einen kleinen Propheten zu halten anfing, weil Ich ihm Dinge vorhielt, um die Ich sonst als ein purer und fremder Mensch nach seiner Meinung denn etwa doch nicht sollte wissen können: »Gott gebe mir also zu leben, ohne daß ich hier nötig habe, auch den Heiden ums Brot zu kommen, und ich werde meinen Heidendienst sogleich fahren lassen!«
   07] Sagte Ich: »Freund, du warst vor noch zehn Jahren zu Ephraim ein sehr wohlhabender Mann als Jude und hattest zu essen und zu trinken in aller Fülle. Warum hast du es denn schon damals mit den Heiden mehr denn mit den Juden gehalten?
   08] Siehe, weil du das damals ohne Not getan hast, darum hat dich Gott sinken und als einen Heidenrabbi in diese Heidenstadt kommen lassen! Daß du nun danebst auch seit ein paar Jahren ein Judenrabbi geworden bist, das haben eben deine dir freundlichen Heiden und nicht die armen, hier lebenden Juden bewirkt und haben den früheren rein jüdischen Rabbi aus dieser Stadt geschafft.
   09] Ich aber sage es dir, daß es in der Folge nicht mehr also gehen kann! Werde du ein ganzer Jude, wie du einst einer warst, sonst wirst du in wenigen Tagen aus dieser Stadt geschafft werden, und ein Würdigerer wird deine Stelle einnehmen; denn Ich bin gekommen, um diese Stadt zu fegen, auf daß sie, wenn etwa schon in fünfzig Jahren das finstere Jerusalem von den Römern bis auf den letzten Grundstein wird zerstört werden, für alle, die Ich die Meinen nennen werde, ein sicherer Zufluchtsort werden möge! Bedenke das nun wohl, was Ich dir jetzt gesagt habe; denn Ich habe die Macht von oben dazu, dir solches zu sagen!«
   10] Hierauf wollte der Rabbi noch etwas erwidern; aber der Wirt zog ihn zur Seite und sagte ihm, was Ich an seinem Sohne getan habe. Da sagte der Rabbi kein Wort mehr, ließ die Schüler aus der Synagoge nach Hause gehen und entfernte sich aus der Synagoge, besuchte schnell des Wirtes völlig geheilten Sohn, worüber er in großes Erstaunen geriet, und eilte darauf in alle ihm bekannten Juden- und Heidenhäuser und erzählte, was sich in der Judenherberge ereignet habe, worauf bald viele zu der Herberge kamen, um sich selbst zu überzeugen, was sich da ereignet hatte.


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