Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 187. Kapitel: Verwunderung des Griechen über das heilsame Mahl.

   01] Einer der Geheilten, der ein Grieche, von der Insel Cypern gebürtig, war, aber sich in Joppe später als ein Fischer angesiedelt hatte und ein sonst sehr erfahrener Mensch war, sagte zum Diener: »Freund, das Land, in dem ich geboren bin und in dem ich nahe gegen dreißig Jahre lang als ein erfahrenster Fischer gelebt und gehandelt habe, heißt Cypern und ist trotz seiner großen Ausdehnung nach allen Richtungen hin vom großen Meere umflossen, ist über alle Maßen fruchtbar, und es ist in allem derart heilsam und gesund, daß es zum Sprichwort geworden ist: "In unserem Lande kennt man keine Krankheit, und hier stirbt man nicht!", aus welchem Grunde aber auch reiche Römer, Griechen, Ägypter und auch Juden sich da um teures Gold Besitzungen ankaufen, sich herrliche Wohnungen erbauen und dann voll heiteren Sinnes in dem herrlichsten Lande leben.
   02] Ich aber war doch oft Zeuge, wie dahin auch Kranke gekommen sind und von den gesundesten Speisen gegessen und den besten und reinsten Wein getrunken haben; aber sie sind dennoch nicht ebenso gesund geworden wie wir nun hier in diesem eben auch sehr herrlichen Orte.
   03] Was enthielten denn diese Speisen und der von uns genossene, auch gar köstlich schmeckende Wein, daß wir alle, bei vierzig an der Zahl als mit verschiedenen Übeln Behaftete, auf einmal so plötzlich gesund geworden sind, als hätte uns nie etwas gefehlt?«
   04] Sagte der Diener: »Weder die Speisen noch der Wein haben euch von euren Übeln geheilt, sondern Dessen Gnade und Wille, dessentwegen euch die beiden Jünger hierher beschieden haben, und an den ihr den vollen Glauben angenommen habt, als die beiden Jünger euch von Ihm gepredigt haben, daß in Ihm wohne die Fülle des Geistes des einen, allein wahren Gottes.
   05] Also mit Dessen Liebe, Erbarmung, Gnade und Willen waren diese Speisen und der Wein gewürzt, und solche geistige Würze hat euch gesund gemacht. Darum danket Ihm allein darob, und verfallet, als nun wieder völlig geheilte Menschen, nicht wieder in eure alten Schwächen und Sünden, auf daß ihr nicht noch einmal in ärgere Übel geratet, als diese da waren, von denen ihr nun wundersamst geheilt worden seid!«
   06] Als die Geheilten solche guten Mahnworte von dem Diener vernommen hatten, da gelobten sie auf das heiligste, daß sie dessen bis zum Tode hin auf das ernsteste eingedenk bleiben würden. Nur möchten sie wissen, wohin sie nun ziehen sollten, um den großen Heiland zu treffen, um Ihm Selbst auf den Knien den Ihm allein gebührenden Dank darzubringen.
   07] Sagte der Diener: »Euch das zu sagen, habe ich keinen Auftrag erhalten. Fasset aber eine rechte Liebe zu Ihm, und da kann es auch schon noch geschehen, daß ihr Ihn auch zu Gesichte bekommen könnet!
   08] Er läßt Sich von den Menschen nur dann finden und auch sprechen, so sie Ihn in ihrem von der Sünde gereinigten Herzen suchen, und befänden sie sich auch irgendwo am Ende der Welt; denn Er sieht alles, Er kennt alles, und Er weiß selbst um die geheimsten Gedanken eines jeden Menschen, ob er sich auch verberge in irgendeinem fernsten Winkel dieser weiten Erde.
   09] Tut darum, was ich euch nun gesagt habe, und ich kann euch das auch sagen, da ich Ihn persönlich wohl kenne und für mich, trotzdem ich nur ein Diener dieses Hauses und meines Herrn bin, auch voll Geistes aus der ewigen Wahrheit Seiner Lehre bin.«
   10] Darauf verließ der Diener die Geheilten und ging seinen andern Geschäften nach.


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