Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 151. Kapitel: Bericht des Markus über die Heilerfolge in seinem Bad.

   01] Darauf sagte Ich zu Markus: »Freund, deine neuen, Mich noch nicht kennenden Diener hatten Mir bei Meiner Ankunft bedeutet, daß wir ob deiner vielen Badegäste hier schwer eine Unterkunft finden würden! Was sagst denn da du dazu?«
   02] Sagte Markus: »O Herr und Meister! Du bei mir keine Unterkunft finden?! Mit Dir dürften noch hundert Male so viele Jünger und Freunde hier anlangen, als das nun der Fall ist, so wollte und könnte ich sie jahrelang bestens beherbergen. Meinen neuen Dienern, deren ich in einer großen Anzahl besitze, schmeckt nur die Arbeit nicht, und so machen sie den neu ankommenden Gästen hinsichtlich der Aufnahme immer Schwierigkeiten; aber wenn die Gäste sie dann mit Geld zum voraus schon beteilen, dann gibt es denn auch bald keinen besondern Unterkunftsmangel mehr. Und das scheint mir auch bei Dir und mit euch der Fall gewesen zu sein.
   03] Ich werde aber den faulen Dienern darob schon eine ganz gehörige Predigt machen, auf daß sie wissen sollen, was sie für die Folge mit den Gästen zu tun haben, die hier in dieser Anstalt, die nur Du, o Herr und Meister, allein zum Heile der Menschen geschaffen hast, eben vielfach erprobt ihr Leibesheil suchen und daneben auch sehr oft schon ihr Seelenheil gefunden haben; denn ich und Meine Kinder und alten Diener haben es niemals ermangeln lassen, Dich als den wundervollsten Meister dieser Anstalt allen Gästen derart bekanntzugeben, daß sie nur durch den lebendigen Glauben an Dich in dieser Anstalt das wahre Heil ihres Leibes und ihrer Seele finden können.
   04] Und Heiden und Juden glaubten unseren Worten; die aber nicht glaubten, die gingen auch ebenso aus der Anstalt, wie sie gekommen waren. Und das waren zumeist Pharisäer von Jerusalem und auch aus vielen andern Orten und Gegenden. Sie glaubten nicht, was wir ihnen doch so treu bekanntgaben, schimpften über unsere Predigten, ärgerten sich, weil sie uns, die wir Römer sind, nichts anhaben konnten, und verließen die Anstalt denn auch ebenso, wie sie gekommen waren.
   05] Es ist aber wahrlich merkwürdig mit diesen Menschen! Sie sahen Hunderte, die hier den vollen Glauben an Dich angenommen haben und darum von allen ihren Übeln und Gebrechen vollkommen geheilt worden sind, und doch sagten sie, das sei ein purer Betrug und eine mehrfache Gotteslästerung, so man nur durch den Glauben an Dich in dieser Anstalt eine Heilung zu erwarten hätte. Wenn da die Heilquellen durch ihre Naturkraft nicht zu heilen vermöchten, die ihnen von Gott verliehen sei, so sei die Heilung durch den Glauben an Dich ein pures Satanswerk; und wer da also geheilt worden sei, der habe seine Seele auch vielfach dem Teufel verschrieben.
   06] Ich habe mit diesen Menschen aber besonders in diesem Jahre wenig Umstände gemacht. Wenn sie gekommen sind, so nahm ich sie gar nicht mehr auf; und fragten sie um den Grund, da sagte ich zu ihnen das, was meine neuen Diener Dir bei Deiner Ankunft gesagt haben, und sie mußten abziehen.
   07] Es kam von Kapernaum vor ein paar Monden sogar eine Untersuchung deshalb, weil sich höchstwahrscheinlich die dortigen Pharisäer, Schriftgelehrten und Rabbis samt ihrem Obersten beim römischen Hauptmann beschwert hatten. Aber ich kam dabei sicher nur mit Deiner Hilfe ganz gut aus; denn in derselben Zeit hatte sich die Anstalt so sehr mit Römern und Griechen angefüllt, daß es mir wahrlich schwer gekommen wäre, noch einen Menschen in die Anstalt aufzunehmen.
   08] Die die Untersuchung führenden Römer mußten oben auf dem Dir wohlbekannten Hügel, und zwar im neuen, Dir zur Ehre erbauten großen Söller acht Tage lang die Nachtruhe nehmen. Weil auf diese Art die benannten Judenpriester gegen mich nichts auszurichten vermochten nach dem römischen Richterspruch Ultra posse nemo tenetur (Man verlange von niemandem mehr, als er vermag.) -, so besuchten sie diese Anstalt gar nicht mehr, und es ist darum denn nun auch kein solches Individuum in dieser Anstalt anwesend, was Dir, o Herr und Meister, sicher nicht unangenehm sein wird.
   09] Und mit dem habe ich Dir nun alles, was mir das Wichtigste zu sein dünkte, offen Deiner Jünger und Freunde wegen, weil sie nicht Dir gleich allwissend sind, mitgeteilt, und nun wolle Du, o Herr und Meister, meinem Wohnhause mit Deinem Eintritt die segensvollste Gnade erweisen, und es wird sogleich für ein reichliches und gutes Mahl gesorgt werden; an Wein und Brot aber hat es in Meinem Hause ohnehin keinen Mangel.«
   10] Sagte Ich: »Ich kam darum denn ja auch zu dir, weil Ich ein paar Tage in deinem Hause verweilen will. Doch heute und morgen machet Mich nicht ruchbar bei den hier anwesenden Gästen; sollte Mich ohne euer Zutun jemand erkennen, so werde dann schon Ich mit ihm reden!
   11] Hier aber siehst du auch die Mutter Meines Leibes. Dein Weib und deine Kinder sollen von ihr gesunde Speisen bereiten lernen. Und nun wollen wir in dein Haus, das du erweitert hast, ziehen und etwas Brot und Wein zu uns nehmen!«
   12] Darauf gingen wir ins Haus, setzten uns zu den Tischen und nahmen etwas Brot und Wein zu uns. Maria unterhielt sich gleich mit der Familie des Markus. Ich aber machte ihn mit allen, die nun bei Mir waren, und die unser Markus noch nicht kannte, bekannt, und er befragte sie um verschiedenes und erkannte aus ihren Antworten, daß sie von Meinem Geiste durchdrungen waren, und er hatte darob eine große Freude an ihnen und erzählte ihnen vieles von den Zeichen und Begebnissen, die sich bei Meinem ersten Hiersein zugetragen hatten.
   13] Und es vergingen so ein paar Stunden wie ein paar selige Augenblicke. In dieser Zeit ward denn auch das Mahl bereitet, in den ganz geräumigen Speisesaal gebracht und auf die Tische gesetzt. Wir nahmen es auch sogleich zu uns und begaben uns darauf auf den schon bekannten Hügel und bezogen den neuen Söller, den der Wirt von Jesaira nicht genug bewundern und loben konnte. Es war für alle ein hinreichender Raum und für noch zehnmal so viele, als wie groß da war unsere Anzahl, auch noch darüber.
   14] Hier fragte Kisjona den Markus, ob dieser Söller sicher auch häufig von Kurgästen besucht werde, und um welche Zeit.
   15] Sagte Markus: »Du möchtest etwa wohl mit den Fremden hier nicht zusammenkommen? Habe darob keine Sorge! Da sieh nur in den sicher sehr großen Prachtgarten hinab, wie es im selben von Kurgästen wimmelt! Gegen das Meer siehst du mehrere große herrliche Aussichtssöller und in ihnen überall eine Menge Menschen. Die Gäste erheitern sich demnach stets im Garten, und nur selten wirst du jemanden außerhalb des Gartens ersehen. Und dieser Söller auf diesem eben nicht gar niederen Berge wird trotz der herrlichen Aussicht, die man von hier nach allen Richtungen hin genießt, von den Gästen noch seltener besucht; denn so sie als Kranke ankommen, da haben sie keine Lust, auf diesen Berg zu steigen, und sind sie geheilt, so ziehen sie lieber sogleich in ihre Heimat. Und so wird dieser Punkt von den Fremden stets nur sehr selten besucht und dient daher nur mir und den Meinigen zur Erheiterung. Wir sind demnach hier ganz sicher und werden von den Fremden nicht belästigt werden.«
   16] Damit waren unser Kisjona und auch alle andern zufrieden.
   17] Alle bewunderten nun die herrliche Aussicht, und Markus beschrieb ihnen alle Orte, Gegenden und Berge und erheiterte sogestaltig über eine Stunde lang die Gesellschaft.
   18] Auch Ich erklärte mitunter einiges aus der Vorzeit, das sich in dieser Gegend zutrug, und so wurde hier die ganz weit ausgedehnte Gegend topographisch und historisch zergliedert.
   19] Als sich die Sonne dem Untergange zu nahen anfing, da bemerkten wir ein wohlerkennbar römisches Schiff auf unseren Ort lossteuern, und alle fragten Mich, wen etwa dieses Schiff wohl bringen werde.
   20] Sagte Ich: »Um das zu bestimmen, braucht man eben nicht allwissend zu sein. Wo ein bekannter Heilort ist, da ziehen auch die Kranken hin. Es sind etliche Griechen und Römer; lasset sie kommen! Denn wer da gläubig ein Heil sucht, der soll es auch finden.«
   21] Nach einer Weile kam das Schiff auch ans Ufer und brachte zehn Römer und sieben Griechen in den Ort, die von den Dienern, die uns ehedem beinahe nicht aufnehmen wollten, dennoch ohne Anstand aufgenommen und sogleich in der Heilanstalt untergebracht wurden.
   22] Wir aber blieben noch eine volle Stunde der Zeit nach dem Untergange auf dem Berge, und Meine Jünger erzählten dem Markus vieles von Meinen Reisen, Lehren und Taten, an welchen Erzählungen unser Markus und auch alle die andern eine große Freude hatten. Nach der beendeten Erzählung begaben wir uns wieder hinab ins Haus, nahmen ein kleines Abendmahl zu uns und begaben uns dann zur Ruhe.


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