Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 150. Kapitel: Jesu Abreise von Kis zu Markus bei Cäsarea Philippi.

   01] Darauf sagte Ich zu Kisjona: »Freund, nun laß deine drei Schiffe abermals zu einer Weiterfahrt sich fertig halten; denn Ich will zum alten Markus, der da in der Nähe der Stadt Cäsarea Philippi wohnt, ziehen und ihn stärken, denn er leidet schon ein halbes Jahr an einem Fieber.«
   02] Kisjona ließ denn auch sogleich seinen Schiffern sagen, was sie zu tun haben sollen. Und es wurden die Schiffe sofort zur Weiterreise hergerichtet.
   03] Es fragten Mich auch die zwanzig Fischer, ob einer oder der andere Mich an den angegebenen Ort begleiten dürfte, ebenso auch Maria und Joel und der Vorstand aus der Bucht.
   04] Und Ich sagte zu den Fischern: »Tut, wie es euch freuet; aber es genügt, so der Bootsmann und noch ein Gefährte als Zeugen mitfahren in die wenigen Orte, die Ich am Meere Galiläas besuchen werde. Also mögen Mich auch Maria und Joel und der Vorstand aus der Bucht begleiten; und so denn machen wir uns auf die Abreise!«
   05] Es fragte Mich aber auch der Wirt, ob auch er mit seinem ältesten Sohne Mich begleiten solle.
   06] Sagte Ich: »Auch du hast einen völlig freien Willen; tue demnach, wie es dich verlangt in deinem Herzen!«
   07] Auf diese Meine Worte machte sich auch der Wirt in aller Eile zur Abreise bereit.
   08] Wir bestiegen darauf die Schiffe und fuhren in der Richtung gen Cäsarea Philippi ab.
   09] Als wir schon beinahe eine Stunde Weges auf dem Wasser weitergekommen waren, da kamen uns ein paar Schiffe aus der Gegend Tiberias entgegen und waren stark belastet mit Salz und Getreide; und da ihnen unser für uns gute Wind entgegenwehte, so litten sie Not und fürchteten, daß sie untergehen könnten.
   10] Sie (die Schiffer) baten uns denn flehentlichst, ob wir ihnen nicht helfen möchten.
   11] Und Ich sagte: »Warum habt ihr eure beiden Schiffe so stark belastet? Ein anderes Mal lasset euch von der Gewinnsucht nicht so stark betören, und lasset auch euren Nachbarn einen Verdienst zukommen, so werdet ihr mit euren Schiffen keine solche Gefahr und Not zu bestehen bekommen! Dort kommen aber nun ein paar leere Schiffe hierher, auf die überladet die Hälfte eurer Ware, und teilet dann in Kapernaum mit ihnen euren Gewinn, und ihr sollet unbeschädigt daselbst ankommen. Werdet ihr aber in Kapernaum geizig sein, dann möget ihr sehen, wie ihr wieder nach Tiberias zurückkommen werdet!«
   12] Die Schiffer versprachen Mir das, und die zwei leeren Schiffe kamen herbei, und Ich sagte ihnen, was sie tun sollten gegen den halben Gewinn in Kapernaum; und es geschah alsbald, wie Ich es angeordnet hatte.
   13] Darauf dankten Mir alle Schiffer auf den vier Schiffen und fuhren dann trotz des Gegenwindes in der Richtung nach Kapernaum weiter.
   14] Wir aber fahren auch mit gutem Wind, der unseren Schiffern das Rudern sehr erleichterte, auf den Ort unserer Bestimmung zu, den wir denn bald erreichten.
   15] Als wir im Orte des Markus ankamen, da fanden wir viele Gäste daselbst, die hier die Heilquellen mit guten Erfolgen benutzten.
   16] Des Markus Diener kamen denn auch eiligst ans Ufer und bedeuteten uns, daß wir, so wir etwa auch die Heilquellen benutzen möchten, schwer eine Unterkunft finden würden, da alle Räumlichkeiten mit Gästen aus allen Ländern überfüllt seien; zudem liege der Herr krank, und es sei nun schwer, mit ihm zu reden, da gerade heute sein Fiebertag sei.
   17] Sagte Ich: »Ihr seid neue Diener in diesem Hause und kennet Mich nicht; aber der Besitzer Markus und sein ganzes Haus kennen Mich. Daher gehet hin zu eurem Herrn und saget ihm: Der Herr und Meister ist angekommen mit Seinen Jüngern und mit Seinen Freunden! Er solle sich aus dem Bette machen und zu Mir herauskommen, und er wird von seinem Fieber alsbald geheilt werden. Gehet und hinterbringet ihm das!«
   18] Da gingen die Diener und sagten das dem Markus und auch dessen Weib und Kindern. Als die das vernahmen, da entstand ein großer Jubel unter ihnen, und alle beeilten sich, um ja so schnell als möglich zu Mir hinauszukommen.
   19] Als der alte Markus Meiner ansichtig ward, da streckte er seine Arme aus und sprach mit lauter Stimme: »O Herr und Meister voll göttlicher Liebe und Erbarmung, mit welch großer Sehnsucht haben wir alle Dich erwartet, daß Du in unserer Not uns sicher einmal besuchen wirst, wie Du uns das denn auch, als Du hier warst, zu unserem und gar vieler andern Menschen Heil und Wohle versprochen hast und da nun meine wahre Not nahe den höchsten Punkt erreicht hat, bist Du denn auch gekommen, um mir und auch meinem schon alten und samt mir schwach und mühselig gewordenen Weibe zu helfen und mein ganzes Haus von neuem zu stärken im Glauben an Dich und an Deine Lehre. Oh, wir alle danken Dir im voraus für die übergroße Gnade, daß Du uns Deines Besuches gewürdigt hast!«
   20] Sagte Ich: »Ereifere dich, lieber Freund, nicht so sehr; denn du weißt es, daß Ich auch die innere Sprache des Herzens wohl vernehme und auch bestens verstehe! Aber vor allem seid ihr, du und dein Weib, nun völlig gesunden Leibes!
   21] In der Folge aber esset keinen Fisch mehr, der im Wasser tot geworden ist; einen geschlachteten Fisch aber lasset keine halbe Stunde Zeit ohne Salz und Thymian und Kümmel! Bereitet ihn dann auf die euch bekannte jüdische Art, und ihr werdet von Fiebern aller Art und Gattung verschont bleiben! Dasselbe beachtet auch beim Fleische der Tiere, und esset kein faul werdendes Obst und kein verschimmeltes Brot!«
   22] Auf diese Meine Worte wurden der alte Markus und dessen Weib und Kinder vollkommen gesund und kräftig, und alle dankten mit vielen Freudentränen in ihren Augen für die Heilung ihres Leibes und für den ihnen erteilten Rat.


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