Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 206. Kapitel: Was Jesus von den Seinen fordert.

   01] Sagte der Redner: »O Herr und Meister! Du bist wahrlich endlos gut und weise und bist bei aller Deiner göttlichen Herrlichkeit unaussprechlich sanftmütig, demutsvoll herablassend und voll der höchsten und größten Geduld! Und das kräftigt unseren Glauben um so mehr dahin, daß Du wahrhaftig Derjenige bist, der uns durch den Mund der Propheten verheißen ward von Jehova, und daß und wie Er gründen wird ein wahres Gottesreich auf dieser Erde. Und da wir nun das ungezweifelt glauben, so glauben und erhoffen wir auch von Dir die Gnade, daß Du unsere toten Kinder uns lebend wieder zurückgeben wirst, die wir fortan sicher weiser erziehen werden, als das bis jetzt der Fall war!«
   02] Sagte Ich: »Ja, Ich werde euch das tun, - doch zuvor merket euch das wohl, was Ich euch nun sagen werde! So eure toten Kinder euch lebend wiedergegeben werden, da machet weder hier noch auf dem Rückwege, noch daheim ein Aufsehen, und machet Mich und auch die Essäer nicht weiter ruchbar! Denn von nun an werden keine Toten dem Fleische nach wieder ins irdische Leben erweckt werden, wohl aber viele geistig tote Seelen ins ewige Leben, für das die Menschen erschaffen worden sind. Es soll von dieser in diesem Orte letzten Tat außer diesen Meinen Jüngern, außer euch und einigen wenigen anderen Zeugen niemand etwas erfahren! Denn Ich will es nicht, daß derlei je mehr hier ausgeübt wird.
   03] Wer in der Folge noch tote Kinder oder auch andere Verstorbene hierher bringen wird, der wird sich nicht nur eine vergebliche Mühe machen, sondern wird dabei allerlei andersartiges Ungemach zu erleiden bekommen. So aber allerlei Kranke zur Heilung im wahren Glauben an Meinen Namen hierher gebracht werden, die sollen auch ihre Heilung finden. - Mit dem wisset ihr nun, was ihr zu tun und zu beachten habt!
   04] Gehet aber am Abend hin, von einem oder dem andern Essäer begleitet, in die Gruft, öffnet die verschlossenen Särge, und eure Kinder werden euch sogleich als lebend und völlig gesund folgen! Morgen früh aber reiset schnell, auf daß ihr den Tag über kein Aufsehen erreget bei den vielen Menschen, die nun in diesem Orte sich befinden!
   05] So euch auf dem Heimwege Menschen mit toten Kindern begegnen werden und euch fragen, wie es hier zugeht, da saget ihnen offen, was Ich euch in Hinsicht der künftig nicht mehr stattfindenden Wiederbelebung der toten Kinder gesagt habe, und sie werden dann keine weitere und vergebliche Reise hierher machen!
   06] Besuchet daheim auch keine Götzentempel mehr, und wird man euch zur Rede stellen, da saget, daß ihr den nur einen, allein wahren und lebendigen Gott gesucht und auch gefunden habt, und der habe euch treu, offen, hell und lebendig gezeigt, was ihr zu tun habet! Wird man euch darauf in Ruhe lassen, so bleibet, wird man euch aber zwingen, so ziehet weiter! Denn Der euch hier hilft, der kann euch auch allzeit und allenthalben helfen, so ihr an Seinen Namen glaubet und Ihm volltrauet! Habt ihr das nun verstanden, da könnet ihr nun diese Herberge wieder verlassen!«
   07] Sagte darauf der Redner, Mir im Herzen für alles dankend: »O Herr und Meister, da wir nun schon so viel Gnade bei Dir gefunden haben, so möchten wir uns dafür nach unseren Kräften werktätig dankbar bezeigen! Sage es uns gnädigst, was alles für Opfer wir aus großer Liebe zu Dir hier verrichten und darbringen sollen!«
   08] Sagte Ich: »Mir und auch den Essäern habt ihr kein anderes Opfer zu bringen, als daß ihr fortan nur an den einen wahren Gott glaubet und Ihn aus allen euren Kräften liebet und eure armen Nächsten wie euch selbst, und daß ihr bewahret eure Herzen vor der Selbstsucht, vor dem Geiz und Neide, vor der Weltliebe und vor dem Hochmute; denn alles, was vor den Augen, Ohren und Herzen der Welt groß und glanzvoll ist, das - hört! - ist vor Mir ein Greuel!
   09] Nehmet euch an Mir ein Beispiel! Ich allein bin der Herr und Meister, und Himmel und Erde liegen in Meiner Macht und Gewalt, und Ich bin dennoch von ganzem Herzen sanftmütig, und bin voll Demut, Geduld, Liebe und Erbarmung und lasse Mich von niemand also ehren, wie das verlangen die Pharisäer, der Heiden Priester und andere eingebildete Großen der Welt.
   10] Also diese Opfer bringet Mir dar, und ihr werdet euch fortwährend Meiner Liebe und Gnade zu erfreuen haben! Was ihr aber in der Liebe den Armen in Meinem Namen tun werdet, das wird von Mir stets also angesehen sein, als hättet ihr das Mir Selbst getan, und ihr werdet euch dadurch in Meinen Himmeln für ewig große Schätze sammeln. Das sind die Opfer, die Ich von euch verlange.«
   11] Sagte der Redner: »O Herr und Meister, diese Opfer werden wir denn auch, alles gewissenhaftest befolgend, Dir allzeit darbringen! Sollen wir die ehernen Särge hierlassen, oder sollen wir sie auch wieder mitnehmen?«
   12] Sagte Ich: »Das war eine törichte Frage! So ihr eure lebendig gewordenen Kinder wieder habt, wozu sollen euch daneben die Särge nützen? So euch die Menschen begegneten und sähen die leeren Särge, so würden diese es am ersten verraten, was euch hier zuteil geworden, - und das ist es, was Ich euch strenge widerraten habe. Und so denn versteht sich das ja von selbst, was da mit den eitlen Särgen zu geschehen hat. Die Brüder Essäer sollen sie in ihren Erzwerkstätten in Pflugscharen und Spaten umgestalten lassen und sie zu solchen besseren Zwecken benutzen. - Nun wisset ihr alles, was ihr zu tun habt, und so denn verlasset voll Trostes diese Herberge!«
   13] Darauf dankten Mir alle noch einmal laut und verließen uns.
   14] Am Abend aber, als die meisten Menschen sich schon in den Herbergen befanden, entsandte Ich einen Essäer in die Gruft, bei der schon die dreißig harrten und noch mehrere, die auch ihre toten Kinder nach Essäa gebracht hatten. Die dreißig aber meinten, daß solches etwa Mir nicht angenehm sein werde. Aber es hatte der Essäer schon geheim die Weisung von Mir, alle Särge öffnen zu lassen und allen aber auch zu sagen, was Ich Selbst den dreißig gesagt hatte. - Und so wurden alle die toten Kinder wieder zum Leben erweckt.
   15] Daß diese Tat ein übergroßes Aufsehen bei den Beteiligten erweckte, läßt sich leicht von selbst denken und braucht nicht weiter beschrieben zu werden. Alle diese Väter und auch etliche Mütter, Mir im Herzen dankend, aber stärkten sich in einer Herberge, außerhalb des Ortes auf dem Wege gen Ägypten bei einer halben Stunde weit entlegen, um im Orte selbst kein Aufsehen zu machen, und zogen am frühen Morgen in ihre Heimat.
   16] Es wurden die wiederbelebten Kinder auch vielseitig von den Eltern befragt, wie es ihnen in der Welt der Geister ergangen sei, und ob sie sich dessen irgend rückerinnern könnten. Die Kinder aber sagten, daß ihnen alle Rückerinnerung genommen worden sei und sie daher den Fragenden auch keinen Aufschluß gehen könnten; und so hatten die Kinder denn auch Ruhe vor allem weiteren Befragtwerden. Und so ist diese Wundertat ganz ruhig und für die noch andern im Orte seienden Menschen nahe spurlos ausgeübt worden.


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