Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 202. Kapitel: Heilung von Armen durch Essäeroberst Roklus.

   01] Alle die nun geheilten Juden und Heiden dankten Mir und lobten und priesen Mich über alle Maßen!
   02] Und der, welcher seine verlorenen Arme wieder erhielt, sagte laut (der Geheilte): »Allen Dank, alles Lob, alle Ehre und Liebe Gott in der Höhe, der nun einem Menschen solche Macht und Kraft gegeben hat! Viele Tausende umlagern die große Wunderburg und erhoffen dort Hilfe und Tost; doch dort wird ihnen nicht geholfen werden. Hier ist nun die wahre Wunderburg, in der jedem geholfen werden kann. Und Dank denn auch dem jungen Araber, der uns den Weg in diese wahre Wunderburg Gottes, des Herrn und Meisters, gezeigt und auf diesem rechten Wege auch hierher geführt hat!
   03] Oh, wüßten das die vielen Tausende, die nun schon mondelang die große Burg der anzuhoffenden Hilfe wegen umlagern, - wie eilig würden sie die tote Burg verlassen und sich hierher begeben, wo nun der ewige große Herr und Meister unter den Menschen als Selbst Mensch weilt und Seinen Freunden ewiges Leben und die Kraft, alle Krankheiten zu heilen, erteilt! Wäre für die vielen Leidenden und Trostlosen das nicht eine Botschaft rein wie aus den Himmeln kommend, so wir Geheilten ihnen die Nachricht bringen dürften, wo sich nun die wahre und lebendige Wunderburg befindet?!«
   04] Sagte Ich: »Weil du in dir die Überzeugung gefunden hast, wer Ich bin, so magst du ja mit den anderen Geheilten hingehen und vorderhand aber nur den Armen und Hilfebedürftigen eröffnen, wo ihnen geholfen werden kann, so sie Glauben und ein rechtes Vertrauen besitzen. Aber den Reichen, die zumeist ihre vielen toten Kinder in den wohlverschlossenen Kästen zur Wiederbelebung hierher gebracht haben, sage das noch nicht; denn denen zu helfen hat es schon noch Zeit, und es wird ihnen zuvor noch eine Predigt gemacht werden!«
   05] Als Ich solches diesen Geheilten gesagt hatte, dankten Mir alle und dann auf den großen, freien Platz, der die große Burg und ihre weitgedehnten Ringmauern umgab und 'Der große Wartplatz' hieß, und benachrichtigten die Armen von der wahren Wunderburg, was ihnen um so leichter war, weil diese eine eigene, von der Burg am meisten entfernte Stelle angewiesen bekommen hatten und darum nun denn auch der wahren Wunderburg am nächsten standen.
   06] Als die Geheilten zu ihnen kamen und als völlig geheilt auch bald von allen erkannt wurden, da wurden sie auch sogleich von all den vielen gefragt (Arme und Hilfsbedürftige): »Wo, wo, wie und wann seid ihr geheilt worden? Vor kaum einer Stunde waret ihr noch als gar die Letzten und Äußersten bei uns, und wir sahen nicht, daß euch jemand in die Burg berufen, geführt und eingelassen hätte! Oh, führet uns auch an die Stelle des Heils hin!«
   07] Da sagte der Jude: »Glaubet und vertrauet, und gebet dem allein wahren einen Gott der Juden die Ehre, und folget uns, so gut ihr das könnet und möget, und es wird euch geholfen werden! Denn wo wir geheilt wurden, dort befindet sich nun die wahre und lebendige Wunderburg.«
   08] Als die Armen, mit allerlei Übeln, Seuchen und bösen Aussätzen Behafteten und Blinden, Tauben, Stummen, Gichtbrüchigen und allerlei Lahme und Krüppel das vernahmen, da fingen sie an, sich so gut es jedem möglich war, von dem Platze zu bewegen, und die Blinden und zu stark Lahmen und Krüppelhaften wurden selbstverständlich von ihren Begleitern geführt und auch getragen, um nur ehestmöglich an der Stelle des Heils sich zu befinden.
   09] Nach einer Stunde war der ganze große Platz vor der Herberge von mehr denn tausend Elenden belagert, und es kam der geheilte Jude alsbald zu uns in den Speisesaal und zeigte Mir solches ehrfurchtsvollst an.
   10] Da sagte Ich zum Obersten Roklus: »Gehe nun hinaus, und breite deine Hände in Meinem Namen über alle auf einmal aus, was so viel wirken wird, als hättest du jedem einzeln die Hände aufgelegt, - und sie werden alle geheilt werden!«
   11] Roklus tat das sogleich, und siehe, alle wurden im Augenblick geheilt!
   12] Als diese große Heilung geschah, da entstand ein kaum enden wollender Jubel unter den Geheilten, und viele drängten sich zum Obersten und sagten: »Oh, wie war dir das nun möglich also, wie sonst noch niemals?«
   13] Sagte Roklus: »Nicht mich lobet darum; denn das hat der Gott der Juden, der eine und allein wahre, euch getan! An Den glaubet und Den allein preiset darum!«
   14] Da fragten alle: »Wo, wo ist dieser eine und allein wahre Gott, auf daß wir vor Ihm niederfallen und Ihn allein anbeten könnten?!«
   15] Hier kam Ich zu Roklus hinaus und sagte zu ihm: »Sage zu ihnen, daß sie dem Gott der Juden nun nur in ihren Herzen danken sollen, was Er wohl vernehmen wird, und sich nun in ihre Herbergen begeben sollen und sich stärken mit Speise und Trank. Am Nachmittage erst sollen Mich diese Armen sehen.«
   16] Als der Roklus solches zu den Geheilten gesagt hatte, da gehorchten sie, erhoben sich behende vom Platze und begaben sich alsogleich in ihre Herbergen, wo sie von den Wirten unter großem Staunen sogleich auf das beste bedient wurden.
   17] Die Wirte aber zerbrachen sich ordentlich die Köpfe und sagten: »Da muß jemand Mächtigerer in unseren Ort gekommen sein; denn so eine Heilung ist allhier noch nie erhört worden!«


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